Kommentar

VW-Kunden müssen Risiko tragen – das ist ein Armutszeugnis

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

So, 10. Dezember 2017 um 08:56 Uhr

Kommentare

Die VW-Abgasaffäre war ein groß angelegter Betrug. Das ist skandalös. Dass Politik und VW nun ihre Risiken auf die Kunden abwälzen, ist ein Armutszeugnis.

Die VW-Abgasaffäre war ein groß angelegter Betrug – und deshalb ein Skandal. Nun, über zwei Jahre nach dem Bekanntwerden dieses Skandals, wird endgültig deutlich: Nicht allein der VW-Konzern hat sich skandalös verhalten.

Skandalös ist auch der Umgang der politischen Entscheidungsträger und der zuständigen Behörden mit dem Skandal. Diese wurden zwar ebenso wie die Verbraucher durch den VW-Konzern absichtlich getäuscht. Durch technische Tricksereien hat der VW-Konzern Dieselautos auf die Straßen gebracht, die wegen ihres Schadstoffausstoßes dort niemals hätten fahren dürfen. VW wurde dazu verpflichtet, das wieder gutzumachen: mit einem Software-Update.

Den Kunden dürften dadurch keine Nachteile entstehen, sagt das Verkehrsministerium. Auch ohne vertiefte Kenntnis der technischen Finessen muss die Frage erlaubt sein: Wenn sich das Problem mit einem Software-Update aus der Welt schaffen lässt, ohne dass dem Kunden dabei Nachteile entstehen – warum war die Trickserei denn überhaupt notwendig?

Berichte von Betroffenen, die nach dem Update über technische Probleme klagen, sind daher keine Überraschung. Die Politik hat aber VW nicht dazu verpflichtet, für die von der Umrüstung betroffenen Bauteile eine Garantie zu gewähren. Gleichzeitig lassen die Behörden den Betroffenen keine Wahl: Entweder sie machen mit oder ihr Auto wird aus dem Verkehr gezogen.

Das Risiko trägt also nicht der VW-Konzern, der im großen Stil betrogen hat. Das Risiko tragen auch nicht die Behörden, deren Aufgabe es gewesen wäre, Umwelt und Verbraucher vor solchen Betrügereien zu schützen. Das Risiko trägt am Ende der Kunde. Das ist ein Armutszeugnis.