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28. Januar 2012
Wischen statt drücken
Die Autohersteller tüfteln an Bediensystemen für das Fahren in der Zukunft.
Von außen sieht es aus, als würde er ein paar Fliegen verscheuchen: Audi-Entwickler Werner Hamberger sitzt hinter dem Lenkrad, winkt immer wieder mit der rechten Hand über dem Armaturenbrett hin und her, hebt und senkt sie. Hamberger demonstriert, wie Autofahrer in Zukunft das Infotainment-System ihres Wagens bedienen können.
Konventionelle Knöpfe, Schalter und Tasten haben offenbar bald ausgedient, und selbst die berührungsempfindlichen Touch-screens in der Mittelkonsole wirken seit dem Siegeszug der Smartphones beinahe altbacken. Das zumindest ist der Eindruck nach einem Blick auf viele angekündigte Fahrzeugneuheiten. "Mit der zunehmenden Vernetzung strömen so viele Informationen auf den Fahrer ein, und es gibt so viele neue Möglichkeiten, dass wir mit klassischen Bediensystemen nicht mehr auskommen", begründet Mercedes-Forscher Bharat Balasubramanian diese Entwicklung.
Der jüngste Trend ist die Gestensteuerung. Genau wie bei Smartphones und Tablet-PCs reichen die Bewegungen einer Hand oder eines Fingers, um Funktionen zu aktivieren oder eine Auswahl zu treffen – ohne den Bildschirm zu berühren. "Kameras erkennen die Richtung der Gesten und Infrarotsensoren messen die Entfernungen", erläutert Hamberger. "So kann die Elektronik das Bewegungsmuster erfassen und jedes Kommando verstehen." Audi hat hierfür ein Cockpit entwickelt, in dem gleich drei Head-up-Displays montiert sind, die wichtige Informationen in die Frontscheibe projizieren. Ähnliche Wege geht Mercedes mit der Designinstallation Dice. Sie zeigt eine Vision für das Interieur eines Zukunftsautos, in dem es keine Schalter mehr gibt. Es reichen Gesten, sagt Designer Hartmut Sinkwitz. Die komplette Frontscheibe dient als Bildschirm.
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Dass die Visionen nicht aus der Luft gegriffen sind, belegen viele Autos, die unmittelbar vor der Serieneinführung stehen. Im Cadillac ATS zum Beispiel debütiert das neu entwickelte Bediensystem CUE. Hätten andere Mittelklasselimousinen vom Format des ATS im Schnitt allein 20 Knöpfe für die Bedienung des Radios, komme CUE dafür mit vier Knöpfen aus, so der Hersteller. Im nächsten Ford Mondeo gibt es das Sync-System, das auf eine erweiterte Sprachsteuerung setzt, im neuen Dodge Dart ist ein Touchscreen eingebaut, der so groß ist wie ein Tablet-PC. Und im Frühjahr kommt der neue Audi A3 mit dem System "Touchwheel". Dieses erkennt Handschriften und macht so das lästige Scrollen durchs Alphabet überflüssig.
Autor: Thomas Geiger (dpa)
