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Auch morgen noch alles hören – Hörakustiker im Einsatz

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 12. März 2018 um 11:13 Uhr

Beruf & Karriere

Mit 6000 Hörakustikerbetrieben und rund 14 500 Hörakustikern versorgt das Hörakustikerhandwerk etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit Hörsystemen.

In Deutschland gibt es laut der Bundesinnung der Hörakustiker (Biha) etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit, Tendenz steigend. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen.

Wie wäre es mit einem Beruf mit Anspruch und Abwechslung? Ein Beruf, der hochgradig vielfältig ist? Zum Beispiel Hörakustiker. Abitur ist keine Voraussetzung, mittlerweile aber hat es jeder zweite Hörakustikauszubildende. Angehende Hörakustiker sollten ausgeprägte soziale Kompetenz mitbringen, genauso wie Interesse an medizinischen und physikalischen Themen und technischen Innovationen. Gefragt ist außerdem eine Portion handwerkliches Geschick. Die duale Ausbildung zum Hörakustiker ist eine beliebte Alternative zu einem medizinischen Studium.

"Der Beruf des Hörakustikers ist außerordentlich vielseitig", schreibt Marianne Frickel, Präsidentin der Biha und selbst Hörakustikermeisterin, in einer Presseinformation. "Zusätzlich hat der Beruf eine starke psychologische Komponente. Hörprobleme sind ein sensibles Thema. Nicht selten fühlen sich Menschen mit einem Hörverlust schnell isoliert. Der Hörakustiker hilft ihnen, wieder zu verstehen und teilhaben zu können."

Die Hauptaufgabe des Hörakustikers besteht darin, auf der Basis von Hörtests und einem intensiven Beratungsgespräch über Vorerkrankungen oder speziell schwierige Hörsituationen den Umfang der Höreinschränkung festzustellen. So kann er dem immer ganz individuellen Bedarf des Schwerhörigen entsprechend das Hörsystem aussuchen sowie darüber hinaus geeignete Funktionen und Ergänzungen für das Hörsystem empfehlen.

Dieses passt der Hörakustiker dann entsprechend dem Hörvermögen und dem ganz persönlichen Bedarf des Schwerhörigen an. Bei der Erstanpassung wird der Hörakustiker dem Kunden verschiedene geeignete Hörsysteme vorstellen und mit ihm testen. Denn zusätzlich zu der optimalen akustischen Übertragung ist es für den Hörerfolg wichtig, dass der Kunde sein Hörsystem als angenehm empfindet.

Neben der Erstversorgung des Kunden ist der Hörakustiker auch für die begleitende Feinanpassung mit wiederholten Überprüfungen und Nachstellungen der Hörsystemfunktionen zuständig. Daneben organisiert er, wenn der gesetzliche Anspruch besteht, die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen und steht für Wartung und Reparaturen der Hörsysteme bis zu einem gewissen Grad zur Verfügung. Darüber hinaus berät er zu Gehörschutz und speziellem technischem Zubehör.

Der Hörakustiker verfügt über theoretisches Wissen aus der Akustik, Audiologie, Psychologie und Hörsystemtechnik und über praktische Fertigkeiten zur Audiometrie, Ohrabformung, Fertigung von Otoplastiken (Ohrpassstücken), Reparaturtechnik und Hörsystemanpassung mittels Software und spezieller Messtechnik.

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung, die abwechselnd im Ausbildungsbetrieb vor Ort und an der Akademie für Hörakustik und der Landesberufsschule für Hörakustiker in Lübeck absolviert wird.

Der Beruf des Hörakustikers ist zukunftssicher, es herrscht Vollbeschäftigung mit langfristigen Perspektiven. Der erste Meilenstein ist die Gesellenprüfung nach drei Jahren. Sehr oft haben die jungen Gesellen bereits zum Zeitpunkt ihrer Prüfung einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche und werden direkt von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen.

Dazu gibt es in diesem Gesundheitshandwerk ein breites Fortbildungsangebot, zum Beispiel zum Tinnitusspezialisten oder zum Spezialisten für Kinder, dem Pädakustiker. Sie können die Meisterprüfung machen, einen Betrieb eröffnen und selbst Ausbilder werden. Und wer doch noch studieren möchte, hat die Möglichkeit, nach bestandener Gesellenprüfung einen Bachelorstudiengang in Hörakustik zu belegen.