Auch ohne Einserschnitt zum Stipendium

Pauline Sickmann

Von Pauline Sickmann (dpa)

Sa, 11. August 2018

Beruf & Karriere

In Deutschland fördern rund 2500 Stipendiengeber Studierende / Förderung durch Geldzuweisungen, Hilfsmittel oder Auslandsaufenthalte möglich.

Herausragende Noten, besonderen Einsatz und soziales Engagement müssen Stipendiaten mitbringen, das sind die gängigen Einschätzungen. Doch es gibt eine Vielzahl an Kriterien, die bei der Vergabe eines Stipendiums zählen. Längst nicht jeder muss ein Überflieger sein.

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 2500 Stipendiengeber. Dahinter stecken Stiftungen, Parteien, Kirchen, Begabtenförderungswerke oder Unternehmen. Manche fördern Studierende über mehrere Semester, andere vergeben Stipendien gezielt für Abschlussarbeiten, Hilfsmittel oder etwa Auslandsaufenthalte.

Für ein Stipendium müssen sich Interessierte nicht direkt zum Studienbeginn bewerben. Dennoch rät Studienberaterin Alina Fuchs, sich möglichst früh zu informieren und zu kümmern. Eine Gelegenheit dazu haben Studierende etwa am Stipendientag, den Hochschulen regelmäßig anbieten. Dort stellen sich Stipendiengeber vor. "Wer sich früh im Studium bewirbt, kann über einen längeren Zeitraum gefördert werden", sagt Fuchs. Oft liegt der Einsendeschluss dabei drei bis sechs Monate vor dem Beginn der Förderung.

Im Internet finden Interessierte zahlreiche Stipendienangebote. Eine Übersicht bietet etwa die Seite "stipendienlotse.de" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Dort kann man Angebote nach verschiedenen Kategorien und Kriterien filtern und so passende Stipendien finden. Auch wer keinen Einserschnitt vorweisen kann, hat Chancen. "Stipendien gibt es für jedermann", sagt Mira Maier, Gründerin und Geschäftsführerin der Plattform My-Stipendium.de. Die Vergabe muss nicht von Noten oder Bedürftigkeit abhängen. Wichtig können auch das Fach, der Beruf der Eltern oder der Geburtsort sein. Gerade bei politisch, konfessionell, wirtschaftlich oder gewerkschaftlich orientierten Stiftungen sollten sich Studierende fragen: "Welche Werte vertritt die Stiftung? Passt das zu mir?" Wenn ja, diese Punkte am besten im Motivationsschreiben erwähnen. Beim Anschreiben gebe es kein richtig oder falsch. Fuchs empfiehlt aber Bewerbern, sich authentisch zu präsentieren.

Die Bewerbung muss nicht unbedingt aufwendig sein: "Je kleiner die Stiftung, desto weniger Aufwand bei der Bewerbung", sagt Maier. Bei großen Stiftungen gibt es meist die Möglichkeit, sich online zu bewerben. Zeit investieren sollten Studierende aber in die Recherche und das Formulieren des Motivationsschreibens, das oft gefordert wird. Nach der schriftlichen Bewerbung vergeben manche Anbieter direkt das Stipendium, bei anderen folgen dann erst Auswahlgespräche.

Bei vielen Stipendien steht die finanzielle Förderung im Vordergrund. Doch manche Anbieter fördern immateriell, etwa mit Seminaren oder Workshops. Bei solchen Veranstaltungen kann eine Anwesenheitspflicht gelten. Somit fällt auch der Aufwand, den man während des Stipendiums betreiben muss, ganz unterschiedlich aus. "Es gibt Stiftungen, bei denen es nur eine Auftaktveranstaltung gibt. Andere erwarten auch ein weiteres Engagement", sagt Fuchs. Manchmal werden Stipendiaten mehr einbezogen. Sie sollen dann etwa bei Veranstaltungen über die Stiftung und die Förderung informieren.

Aussicht auf Erfolg ist gar nicht so ungewöhnlich: Zwar bewerben sich relativ viele Studierende bei den bekannten Begabtenförderungswerken, kleinere Stiftungen haben dagegen oft nur wenige Bewerber, erklärt Maier. "Manche Plätze bleiben deshalb einfach frei." Darum sei es in jedem Fall lohnenswert, eine Bewerbung abzuschicken. Etwas verlieren könne man dabei schließlich nicht.

Die Förderhöhe variiert. Das kann unter Umständen Fragen zu Versicherungs- und Steuerbelangen aufwerfen. Im Normalfall sind Stipendien steuerfrei und werden nicht auf das Kindergeld angerechnet.

Ob sich das Stipendium auf den Anspruch auf Bafög auswirkt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der Regel sind die meisten Stipendien in ihrer Höhe vergleichbar mit der Höhe der Bafögförderung. Wer also ein Stipendium von einem Begabtenförderungswerke bekommt, das den allgemeinen Lebensbedarf und die Ausbildungskosten abdeckt, bekommt kein Bafög. Eine Doppelförderung ist laut BMBF nicht möglich. Vorteil des Stipendiums: Studierende müssen es nicht zurückzahlen. Anders sieht es aus, wenn man ein Stipendium bis zu einer Höhe von 300 Euro erhält, dann ist es anrechnungsfrei. Ein Beispiel dafür ist das Deutschlandstipendium.