Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Oktober 2017

Beide Seiten profitieren

BZ-INTERVIEW zur Jobstartbörse in Titisee-Neustadt.

  1. Bei der Jobstartbörse fliegen auch schon mal die Späne. Foto: Tanja Bury

In ihre bereits 18. Auflage starten in diesem Herbst die regionalen Jobstartbörsen in Emmendingen, Endingen, Müllheim, Titisee-Neustadt und Waldkirch. Das Konzept hat sich für Jugendliche wie für Unternehmen bewährt, sind Ines Bertelsmann und Nina Pontiggia vom Organisationsteam überzeugt.

BZ: Die Jobstartbörse, die von Beginn an unter dem Eigennamen Job-Start-Börse auftritt, ist ja eine Erfolgsgeschichte. Rennen Ihnen die Unternehmen die Türen ein?
Pontiggia: Mittlerweile ist es so, dass mehr Unternehmen an der Jobstartbörse teilnehmen möchten als wir Plätze anbieten können. Das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben. Die Kommunen stellen ihre Stadthallen oder schulische Räumlichkeiten für diese Veranstaltung kostenfrei zur Verfügung. Da sind die Spielräume ausgeschöpft.
Bertelsmann: Aber nur so können wir den Unternehmen die Teilnahme an der Jobstartbörse kostenfrei ermöglichen. Das ist gerade für die kleineren Betriebe aus der Region wichtig. Für sie ist es schon ein erheblicher Aufwand, Personal für die Veranstaltung freizustellen.

Werbung


BZ: Welchen Nutzen haben die Unternehmen von einer Präsenz?
Pontiggia: Die Nachwuchssuche wird für alle alle Unternehmen immer schwieriger. Bei der Jobstartbörse können die Unternehmen auf sich aufmerksam machen und ihre Ausbildungsangebote vorstellen. Und sie kommen vor Ort direkt mit potenziellen Bewerbern ins Gespräch.
Bertelsmann: Das kann ich als Ausbildungsleiterin für den Badischen Verlag bestätigen. Bei den Jobstartbörsen knüpfen wir regelmäßig gute Kontakte. Die Schüler zeigen hier bereits Interesse. Und wenn sie sich dann später bewerben oder um ein Praktikum nachfragen, ist es oft so, dass wir mit dem Namen auch ein Bild vom Schüler haben, der ganze Prozess ist nicht so anonym.

BZ: Lässt sich sagen, wie viele Azubiverträge oder Praktika aus der Jobstartbörse resultieren?
Pontiggia: Solche Zahlen haben wir leider nicht. Meist ist es so, dass Schüler sich erst ein oder zwei Jahre nach dem Besuch der Jobstartbörse um Ausbildungsplätze bewerben. Und dann geben sie nicht an, dass sie das Unternehmen vielleicht bei der Jobstartbörse kennengelernt haben. Allerdings ist die Resonanz der Unternehmen bei Nachfragen unsererseits meist sehr positiv. Schließlich nehmen sie ja jährlich immer wieder teil.

BZ: Was empfehlen Sie den Unternehmen, um in Kontakt zu den Schülern zu kommen?
Bertelsmann: Die Unternehmen müssen sich den Jugendlichen als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Nur ein paar Broschüren in der Auslage reichen da nicht aus. Wichtig ist, Hemmschwellen bei den Schülern zu senken, aber nicht mit überzogenen Werbemitteln. Das gelingt immer ganz gut, wenn Azubis mit am Stand sind und die Schüler direkt ansprechen können, und zwar in ihrer Sprache und auf Augenhöhe.

BZ: Haben die Jugendlichen bereits Vorstellungen, was sie mal machen wollen?
Pontiggia: Für viele dient die Jobstartbörse der ersten Orientierung. Was gibt es in der Nähe meines Wohnortes, was könnte mich interessieren? Wer aufgeschlossen ist und sich vorher vielleicht bereits auf der Homepage der Jobstartbörse informiert hat, bekommt eine Menge Anregungen. Schließlich werden bei den Veranstaltungen rund 150 verschiedene Ausbildungsberufe und rund 40 duale Studiengänge vorgestellt.

BZ: Gerade bei den dualen Studiengängen gibt es einen deutlichen Zuwachs.
Bertelsmann: Ja, weil viele Unternehmen diese mittlerweile ebenfalls anbieten. Daher ist die Jobstartbörse eine Veranstaltung, die sich auch an Gymnasiasten richtet. Ein Abitur muss doch nicht zwingend direkt zum Studium führen, wie die hohe Zahl der Studienabbrecher zeigt. Und eine Ausbildung ist keine Sackgasse, schließlich könnten die Jugendlichen später mit einer sehr fundierten praktischen Grundlage an die Hochschule gehen.

Zur Person: Nina Pontiggia von der AOK Südlicher Oberrhein ist Koordinatorin der regionalen Jobstartbörsen. Ines Bertelsmann gehört als Personalreferentin des Badischen Verlags ebenfalls dem Organisationsteam an.

Autor: mr