Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
06. September 2008
Bitte etwas mehr Humor
Lachen am Arbeitsplatz ist erlaubt
Am Arbeitsplatz legen sich viele Arbeitnehmer ein Lachverbot auf. Wer zu viel Spaß hat, steht im Verdacht, seinen Job nicht ernst zu nehmen. Auch im Gespräch mit Kunden oder Kollegen ist Seriosität in der Regel oberstes Gebot. "Humor hat im Berufsalltag selten Platz", sagt der Autor Albrecht Kresse. Das ist schade – denn mit Humor geht vieles besser. Mit seiner Hilfe können gespannte Situationen entschärft, kritische Anmerkungen freundlicher verpackt und langweilige Konferenzen aufgepeppt werden.
"Humor ist ein kommunikatives Schmiermittel", sagt Bärbel Hinz-Käfer. "Selbst in festgefahrenen Verhandlungen kann er hilfreich sein", so die Unternehmensberaterin aus Freiburg. Humor sei auch eine Bewältigungsstrategie bei Belastungen im Beruf, sagt die Psychologin Birgit Rißland. Wer Stressfaktoren mit heiterer Gelassenheit begegnet, könne davon profitieren. "Im Beruf geht es allerdings tendenziell humorlos zu", ist Kresses Erfahrung. Dadurch werden seiner Ansicht nach viele Chancen verschenkt: "Wir nutzen Humor viel zu selten."
Allerdings sei der humorvolle Umgang am Arbeitsplatz kein Kinderspiel: "Man muss schon etwas Fingerspitzengefühl entwickeln und sich auf sein Gegenüber einlassen", sagt Eva Ullmann, die Unternehmen zum Thema Humor berät. "Es reicht nicht, wenn der Chef einen Scherz nach dem anderen produziert." Dröhnendes Lachen ist noch kein Zeichen für ein entspanntes Betriebsklima. "Gerade Vorgesetzte sollten die Fähigkeit haben, sich auch selbst auf die Schippe zu nehmen."
Werbung
Dann könne Ironie in vielen Situationen hilfreich sein: "Man kann kritische Botschaften auf ironische Art vermitteln", ergänzt Kresse. Gerade in der Kommunikation biete Humor viele Chancen: Wer humorvoll Feedback gibt, klingt weniger hart. "Man kann mit Humor auch eine schwierige Situation überspielen", erklärt Kresse. "Oder man macht einen Witz, wenn etwas nicht geklappt hat, und schon ist eine Kundenabsage nicht mehr so frustrierend."
Bei Verhandlungen ist es manchmal hilfreich, humorvoll zu übertreiben und zu karikieren. "Das schließt ja nicht aus, dass man logisch und strukturiert argumentiert", betont Ullmann. Und wer die Lacher auf seiner Seite hat, hat damit vielleicht noch nicht gewonnen, aber schon gepunktet. Führungskräfte könnten in vielen Situationen davon profitieren: Den humorvollen Umgang miteinander zu fördern, sei nicht zuletzt hilfreich für die Motivation: "Humor kann das Betriebsklima verbessern", ist Kresse überzeugt.
"Auch Lernen fällt einem mit Humor einfacher", sagt Ullmann. Das stecke hinter der Idee des Edutainment, dem Lernen mit Spaß. Und Inhalte bei Vorträgen durch humorvolle Darstellungen, etwa durch Cartoons anschaulich zu machen, sei in jedem Fall nützlich, sagt Rißland. "Humor hilft, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen." Das darf zwar nicht überstrapaziert werden, aber grundsätzlich gilt: Hin und wieder eine Pointe ist gut für jeden Vortrag. Literatur: Eva Ullmann, Albrecht Kresse: Humor im Business, Cornelsen, 176 Seiten, 14,95 Euro
Autor: tmn
