Stellenspezial Logistik

"Das Bild der Branche nachhaltig verändern"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 16. April 2018 um 11:06 Uhr

Beruf & Karriere

Anzeige BZ-Interview: Karlhubert Dischinger über die Logistikbranche, ihre Aufgaben, Herausforderungen und weshalb sich in Zukunft einiges ändern muss

Ob Lebensmittel, Autos oder Medikamente: Alles muss weltweit transportiert werden und soll rechtzeitig an Ort und Stelle sein. Eine große Herausforderung für Logistikunternehmen. Doch was ist eigentlich Logistik und welche Arbeitsbereiche fallen unter diesen Begriff? BZ-Mitarbeiter Matthias Kleber sprach mit Karlhubert Dischinger, Präsident des Verbands Spedition und Logistik in Baden Württemberg.

BZ: Der Begriff Logistik scheint heutzutage schwer definierbar. Was genau muss man sich darunter vorstellen?
Dischinger: Die Logistik vereint eine Vielzahl verschiedener Aspekte. So fallen neben dem Transport beispielsweise die Portionierung der Produkte, das Verpacken, aber auch die Entsorgung in unseren Aufgabenbereich. Bis das Produkt beim Verbraucher ankommt, muss so einiges passieren; und abgeholt werden muss das alte Verpackungsmaterial ja schließlich auch wieder. In unserem Unternehmen beschäftigen wir neben unseren Fahrern und Lageristen zum derzeitigen Stand auch Zimmerleute, vier Wirtschaftsingenieure und sogar eine Apothekerin. Insgesamt bieten wir 17 Berufszweige zur Ausbildung an, manche als Lehrberuf, manche als Studium. Außerdem sind in der Logistikbranche Lkw und Züge nicht die einzigen Transportmittel. Auch Schiffe und Flugzeuge werden benötigt, um Waren zu befördern. Der Transport per Bahn gestaltet sich allerdings recht kompliziert, da sogar innerhalb Europas die Spurweite variiert und deswegen die Züge umgekoppelt werden müssen.

BZ: Welche Herausforderungen stellen sich Logistikdienstleistern in Zukunft?
Dischinger: Hier stellt sich – wie in der Vergangenheit eigentlich auch schon – die Aufgabe, die Prozesse im Betrieb zu optimieren und auch zu automatisieren. Selbstfahrende Lkw gewinnen zunehmend an Relevanz. Dabei fahren autonome, selbstgesteuerte Transportlaster die Waren im Konvoi zum Zielort. Mitarbeiter am Steuer wird man jedoch auch weiterhin benötigen, da deren Aufgabenfeld weit über den eigentlichen Transport hinausgeht. Daneben werden Maschinen wie zum Beispiel Verpackungsroboter immer wichtiger. Allerdings steht man in Europa dem rasanten technischen Fortschritt recht kritisch gegenüber. Gerade, was Prozesse angeht, die zuvor von Menschenhand erledigt wurden. Abgesehen von den technischen Aspekten müssen wir es natürlich weiterhin schaffen, junge Menschen für die Logistik zu begeistern, um möglichen Versorgungsengpässen entgegenzuwirken.

BZ: Die Aufgabenbereiche in der Logistik sind sehr vielfältig. Weshalb tun sich Unternehmen in Deutschland dann immer schwerer, Angestellte zu finden?
Dischinger: Vor allem fehlt es an Nachwuchs bei den Berufskraftfahrern. Dafür gibt es diverse Gründe. Zum einen haben wir – wie auch viele andere Ausbildungsbetriebe – mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Zum anderen gibt es seit Ende der Wehrpflicht immer weniger junge Erwachsene mit Lkw-Führerschein. Der wichtigste Grund ist meiner Ansicht nach allerdings, dass der Beruf des Lastkraftwagenfahrers momentan keinen besonders hohen Stellenwert besitzt. Da in den vergangenen Jahren immer mit der schnellsten und billigsten Lieferung geworben wurde, hat auch der Beruf des Kraftwagenfahrers an Wert und Ansehen verloren. Das ist einer der Hauptgründe, weswegen immer weniger Auszubildende sich dazu entscheiden, Berufskraftfahrer zu werden. Dadurch stieg der Altersdurchschnitt bei diesen in den letzten Jahren kontinuierlich an.

BZ: Wie kann dieser Tendenz entgegengewirkt werden, um Arbeitsplätze in der Logistik attraktiver zu gestalten?
Dischinger: Am wichtigsten ist es, dass wir das Bild, das die Öffentlichkeit von der Branche hat, nachhaltig verändern. Daher bieten wir beispielsweise Schulungen und Führungen durch unser Unternehmen an, um Jugendliche zu motivieren. Außerdem informieren wir am 19. April, am Tag der Logistik, eingehend über die verschiedenen Berufsfelder. Allerdings versuchen wir auch, materielle Anreize zu schaffen: Die modernisierten Fahrzeuge sind allesamt klimatisiert, besitzen Lordosestützen und verfügen sogar über eingebaute Kühlschränke. Finanzielle Anreize würden natürlich auch helfen. Aber am wichtigsten ist es jedoch – wie gesagt –, dass es uns gelingt, den Stellenwert, den der Beruf des Kraftfahrers verdient, wieder herzustellen.

BZ: Als letzte und wichtigste Frage: Warum genau beschäftigen sie eine Apothekerin?
Dischinger (lacht): Da wir auch mit Medikamenten arbeiten und im Pharmabereich äußerst strengen hygienischen Auflagen herrschen, ist es unabdingbar, versiertes Fachpersonal einzustellen.