Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. November 2017

Die Route wird neu berechnet

BZ-GASTBEITRAG von Andrea Lienhart über den souveränen Umgang mit schwierigen Zeitgenossen.

  1. Erlaubt ist es, die Schuld bei anderen zu suchen. Aber der andere muss sich dennoch sicher sein, dass seine Person geachtet und er respektiert wird. Foto: Illustration: Andrea Lienhart

  2. Andrea Lienhart Foto: PR / privat

Im Privatleben können wir uns mit Menschen umgeben, die wir mögen, mit denen wir gern zusammen sind. Im Berufsalltag haben wir dieses Privileg nicht. Dort müssen wir auch mit solchen Zeitgenossen zurechtkommen, mit denen wir nicht so gut können, deren Verhalten wir nicht verstehen, die uns Energie rauben oder die uns schlicht unsympathisch sind.

Menschen sind verschieden. Und obwohl wir dies wissen, gibt es Zeitgenossen, die uns das Leben schwerer machen als andere. Vielleicht haben sie völlig andere Stärken und Schwächen als wir. Oder sie unterscheiden sich in ihren Motivationslagen vollständig von uns. Vielleicht agieren sie deshalb in bestimmten Situationen so, wie wir es selber nie tun würden.

Wenn wir uns über Unzulänglichkeiten anderer aufregen, dann ärgern wir uns im Grunde über die Verschiedenartigkeit der Menschen. Wir brauchen durchaus nicht alles zu akzeptieren, was andere tun oder lassen. Sondern es geht darum, jedem Menschen mit Respekt zu begegnen. Auch wenn das manchmal schwerfällt.

Wir haben es selbst in der Hand, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten. Niemand ist immer nur anstrengend, nervig oder unangenehm. Das, was wir verstärkt wahrnehmen, bekommt letztlich mehr Gewicht.

Werbung


Respekt im Umgang miteinander

Menschen neigen dazu, Sachliches mit persönlichen Aspekten zu vermischen und daraus falsche Schlüsse zu ziehen. Machen wir uns klar: Es geht lediglich um das Verhalten unseres Gegenübers, nicht um den Menschen als Ganzes. Ja, man muss die Schuld auch mal beim Anderen suchen, denn niemand ist perfekt. Doch wenn sich alle Beteiligten sicher sein können, dass sie als Person geachtet und akzeptiert sind, werden sie sich auf einen offenen Dialog einlassen. Nur wer sich anerkannt und wertgeschätzt fühlt und dem anderen vertraut, öffnet sich für dessen Argumente.

Innere Leitsätze helfen, in Vorbereitung auf eine Aussprache oder in einer konkreten Situation mit schwierigen Kollegen auszukommen, und zwar auf Augenhöhe. Solche Sätze können zum Beispiel "Du bist okay – ich bin okay" oder "Respekt ruft Respekt hervor" sein.

Denken wir bei der Suche nach Lösungen ruhig gelegentlich einmal an das Navigationssystem im Auto: Wenn wir uns verfahren haben, werden wir nicht ermahnt oder beschimpft. Die Route wird ganz einfach neu berechnet, bis wir am Ziel sind.

Andrea Lienhart

Die Autorin Andrea Lienhart arbeitet als Managementtrainerin und Coach in Freiburg. Ihr jüngstes Buch "Souveräner Umgang mit schwierigen Zeitgenossen" ist im Haufe-Verlag erschienen.