BZ-Gastbeitrag

So trainieren Sie Ihre Stimme, um im Job erfolgreicher zu sein

Iris Schulte

Von Iris Schulte

Mo, 15. Januar 2018 um 08:15 Uhr

Beruf & Karriere

Schrille Sirenen, Ideennuschler, chronische Verlegenheitshüstler und brüchige Brüller haben es im Beruf schwer. Doch sie können ihre Stimme trainieren, um ihre beruflichen Chancen zu verbessern.

Im Beruf ist ein überzeugender Grundton fundamental. Neun von zehn Entscheidern ziehen Bewerber mit guter Stimme und Sprechweise bei der Einstellung oder Beförderung vor, so das Karmin Institut für Motivforschung. Besonders Führungskräfte brauchen einen wohlklingenden, kraftvollen Ausdruck.

Gerade weil die Stimme die Persönlichkeit enthüllt, verstellen wir sie oft unbewusst. Wir versuchen zu verbergen, was wir wirklich denken oder fühlen. Das gelingt nur bedingt. Unwillkürlich geben wir unsere Einstellung und unsere gedanklichen Zwischentöne preis. Wenn wir reden, schwingen sich mehr als 140 Muskeln auf die feinsten gedanklichen und emotionalen Nuancen ein. Während eines Gespräches nutzen wir eine Fülle von Stimmungen, Tönen und Tempi. So nimmt unser Gegenüber wahr, wie wir uns fühlen.

Die Ursache ist der Carpentereffekt. Dieser besagt, dass die muskulären Aktivitäten des Sprechers vom Hörer unbewusst imitiert werden. So erzeugt eine befreite Stimme beim Gesprächspartner Glaubwürdigkeit, während eine gepresste und angespannte Stimme Unbehagen auslöst.

Oft versuchen wir, unsere Ängste und Aggressionen zu unterdrücken. Folglich ist unser Kiefer angespannt oder wir haben einen Frosch im Hals. Unser psychisches System schaltet in stressigen Situationen in den Autopiloten und wir tendieren dazu, in kindliche Verhaltensweisen zu rutschen. Dann hören wir uns an wie ein wütendes kleines Mädchen oder ein bockiger Junge. Nicht nur am Arbeitsplatz ist dies eher nachteilig.

Diese Muster gilt es zu erkennen und zu verändern.

Tiefe weibliche und männliche Stimmen wirken besonders vertrauenswürdig. Eine Studie des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen mit mehr als 5000 Probanden hat 2017 gezeigt: Stimmgesunde Frauen setzen ihre Sprechstimme deutlich tiefer ein als vor etwa 20 Jahren. An der zunehmenden durchschnittlichen Körpergröße oder an einer veränderten Hormonkonzentration liegt es nicht, so die Studie. Der Grund beruht vermutlich im kulturellen Wandel. Frauen setzen heute andere Prioritäten. Das zeigt sich auch an ihrer Stimme.

Tiefer und härter zu sprechen, ist nicht die Lösung

Leider herrscht vielerorts immer noch das Stereotyp der durchsetzungsstarken, harten Führungspersönlichkeit. Dabei muss Durchsetzungsstärke nicht mit Durchsetzungshärte übersetzt werden. So ist es für Frauen wenig hilfreich, die männliche Sprechweise zu kopieren. Denn einfach nur tiefer und härter zu sprechen ist nicht die Lösung.

Als Führungskraft und der damit verbundenen Vorbildfunktion ist es wichtig, den ganz persönlichen Ausdruck zu entwickeln. Für beide Geschlechter gilt: Der Ton macht die Musik. Wir verschaffen uns am besten Gehör, wenn unsere innere Haltung und unser äußerer Ausdruck übereinstimmen. Dann sind wir stimmig und überzeugend.

Wege zur authentischen Stimme

Gezieltes Stimmtraining führt zu einem gesunden, ökonomischen Stimmeinsatz und einer effektiven, eloquenten Sprechweise. Was für Schauspieler und Politiker selbstverständlich ist, nutzen auch immer mehr Führungskräfte, etwa das Linklater-Stimmtraining. Über Atem- und Körperübungen werden psychophysische Blockaden gelöst. Das stärkt die natürliche Kraft der Stimme und das Selbstbewusstsein. Mit diesen drei ersten Schritten kann jeder die Stimme verbessern:
  • Achten Sie auf Ihren Atem. So lösen Sie innere Widerstände.
  • Nehmen Sie sich Zeit, Emotionen zu erfassen und adäquat auszudrücken. Nur wer klare Gedanken hat, kann auch klar sprechen.
  • Lockern Sie vor Besprechungen oder Vorträgen Ihren Kiefer und Ihre Zunge.
Wenn Sie sich körperlich und seelisch wohl fühlen, stellt sich ein tieferer Stimmklang ein. Ihre Stimme ist natürlich und schwingt kraftvoll durch den Körper. So erzeugen Sie die Resonanz, die Sie sich wünschen