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18. Oktober 2010
Mächtig weiblich
Was machen die Vereinigten Staaten besser? Von den hundert mächtigsten Frauen der Welt stammt die Hälfte aus den USA.
Warum sind Amerikas Frauen so erfolgreich? Auf der jüngsten Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt stammt gut die Hälfte aus den USA. Darunter sind neben TV-Größen, Popikonen und Spitzenjuristinnen vor allem Top-Managerinnen, die an der Spitze mächtiger börsennotierter Unternehmen stehen.
Gleich hinter Präsidentengattin Michelle Obama rangiert Irene B. Rosenfeld, die Chefin von Kraft Foods, auf dem zweiten Platz der mächtigsten Frauen. Ihr Salär: 26 Millionen Dollar (18 Millionen Euro) allein im vergangenen Jahr. 1981 fing sie bei General Foods als Marktforscherin an und arbeitete sich nach oben.
"Amerikanische Firmen sind weiter als deutsche. Frauen in Führungsetagen stellen dort längst keine Ausnahme mehr da", sagt Christine Wolff, die für den US-Ingenieurkonzern URS mit 42 000 Mitarbeitern für die Geschäfte in Europa und im Mittleren Osten zuständig ist. Eine Quote, wie sie derzeit in Europa diskutiert wird (siehe Beitrag unten) gibt es in den USA nicht. Dort sorgen Antidiskriminierungsgesetze und spektakuläre Klagen mit millionenschweren Entschädigungen dafür, dass Firmen von sich aus Frauen ins Top-Management holen.
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Pepsi, Oracle, Johnson&Johnson, Yahoo, Avon – die Liste großer US-Firmen, die Milliarden umsetzen und eine Frau an der Spitze haben, wird von Jahr zu Jahr ein Stückchen länger. Bemerkenswerte Führungspersönlichkeiten sind darunter. Pepsis Chefin Indra Nooyi stammt aus Indien und studierte an der Eliteuniversität Yale. Die neue Chefin an der Spitze von Xerox, Ursula Burns, überdies die erste Afroamerikanerin an der Spitze eines Unternehmens unter den Top 100, wuchs in einer New Yorker Sozialbausiedlung bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Bei Xerox fing sie ganz unten an, als Aushilfe in den Semesterferien. Den Stabwechsel an der Spitze des Kopiererherstellers im vergangenen Jahr feierten US-Medien als historisch. Zum ersten Mal in der US-Wirtschaftsgeschichte übergab die Chefin eines Top-Unternehmens ihren Job an eine Nachfolgerin. Zuvor hatte Anne Mulcahy Firmengeschichte geschrieben.
Die meisten Topmanagerinnen sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere um die 50. Bei Männern ist dies auch nicht viel anders. Bis Frauen die Mehrheit in den Chefetagen stellen, dauert es auch in den USA noch ein bisschen. Unter den 500 größten Unternehmen der USA sitzen lediglich 15 Frauen auf den Chefsesseln, obwohl Amerikanerinnen 60 Prozent aller Beschäftigten stellen.
Doch Amerikas Frauen holen auf. In den USA sind erstmals mehr Frauen als Männer berufstätig. Inzwischen haben junge und gut ausgebildete Amerikanerinnen ihre männlichen Kollegen beim Geldverdienen bereits überholt. Junge und kinderlose Frauen unter 30 verdienen im Schnitt acht Prozent, in einigen Städten sogar 20 Prozent mehr als Männer.
an der Bar als
die Erste im Büro.
Karriere ja, aber Kinder auch: Für die meisten Spitzenmanagerinnen schließen sich Beruf und Familie nicht aus. Irene Rosenfeld etwa hat zwei Töchter. Xerox-Chefin Ursula Burns hat eine 16 Jahre alte Tochter und einen 20 Jahre alten Stiefsohn. Anne Mulcahy hat ebenfalls zwei heute erwachsene Töchter. Um beruflich voranzukommen, setzen Amerikas Frauen vor allem auf Netzwerke. In jeder größeren Stadt gibt es mindestens einen Frauen-Businessclub, in dem sich Kontakte knüpfen lassen. Vernetzung ist alles.
"Besser die Letzte an der Bar, als die Erste im Büro – das stammt nicht von mir, aber ich kann dem nur voll zustimmen", sagt Christine Wolff. Sie rät den karriereorientierten Frauen in Deutschland aus eigener Erfahrung vor allem eines: Zeigt euch und versteckt euch nicht hinter dem Schreibtisch.
Autor: Joachim Rogge


