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13. Dezember 2011
Planen statt kellnern
Ingenieurkammer Baden-Württemberg will mit einem Patenprogramm etwas gegen den zunehmenden Mangel an Ingenieuren tun.
Mit 99 000 offenen Ingenieursstellen hat der Ingenieurmangel in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht – denn dagegen stehen nur 19 000 Ingenieure auf Jobsuche. Das besagen Zahlen, die der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in seinem Ingenieurmonitor für den September veröffentlicht hat.
Baden-Württemberg ist besonders stark betroffen: Mehr als ein Fünftel der Vakanzen, rund 21800 Stellen, entfallen auf den Südwesten – bei etwas mehr als 2000 arbeitslosen Ingenieuren. "Das ist ein bedenklicher Zustand, der sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für den Berufsstand selbst negative Folgen hat", so Rainer Wulle, Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg. Gerade bei den beratenden, frei beruflich tätigen Ingenieuren, die hauptsächlich in der Kammer vertreten sind, stehe nun auch noch eine Pensionierungswelle an. Darum will die Kammer gegensteuern – unter anderem mit einem Patenprogramm für angehende Ingenieure.Derzeit zählt die Kammer mit Sitz in Stuttgart 2620 Frauen und Männer in ihren Reihen. Der weitaus größte Teil davon sind Bauingenieure beziehungsweise Ingenieure, die am Bau beteiligt sind. "Der Beruf des Bauingenieurs war in den Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahren ein hoch angesehener und auch lukrativer Beruf", berichtet Rainer Wulle. Das habe sich seit den 70er Jahren wegen der konjunkturellen Entwicklung und der technischen Fortschritte geändert. Die Einkommen der Bauingenieure seien im Verhältnis deutlich gesunken. Darum seien auch immer weniger junge Leute daran interessiert gewesen, den Beruf zu ergreifen. "In den kommenden Jahren setzen sich nun viele, viele Ingenieure, die ihr Berufsleben in den 60er Jahren begonnen haben, zur Ruhe", so Wulle. Da tue sich eine große Lücke auf. Schon jetzt kommen in Baden-Württemberg auf rund 440 arbeitslose Architekten und Bauingenieure 2500 entsprechende freie Stellen.
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Wulle: "Die Folge sind Überlastung verbunden mit weniger Freiräumen für Weiterbildung, dann aber auch steigende Preise." Schon jetzt müssten Ingenieurbüros Kollegen mit Berufserfahrung bei Stellenwechseln teils 500 bis 1000 Euro mehr pro Monat bezahlen als noch vor einem Jahr. Das Einstiegsgehalt für Absolventen ist seit zwei Jahren ebenso um gut 300 Euro gestiegen. Allerdings spielt die persönliche Qualifikation eine wichtige Rolle.
Die Ingenieurkammer will etwas gegen den Nachwuchsmangel unternehmen.Gemeinsam mit der Hochschule für Technik Stuttgart und dem Verband der Bauwirtschaft Baden-Württemberg habe man ein Patenprogramm zur Nachwuchsförderung ins Leben gerufen, so Wulle. Die Paten, meist gestandene Ingenieure, betreuen ihre "Patenkinder", Studierende im Ingenieurfach, im Hinblick auf ihre berufliche Entwicklung. Dazu gehören auch Nebenjobs während des Studiums. "Die Situation war, dass angehende Ingenieure das Studium aus finanziellen Gründen abbrechen mussten. Wir wollen ihnen über das Patenprogramm die Chance bieten, verlässlich etwas hinzuzuverdienen – in ihrem Fach, und nicht als Kellner", erläutert Wulle das Konzept. Zum Start hätten sich 30 Unternehmen aus dem Ingenieurwesen und der Bauwirtschaft gemeldet. 300 Studierende hätten sich um einen Patenplatz bemüht
"Es muss uns gelingen, wieder mehr junge Leute in den Beruf zu bringen", so Wulle. Da sei auch die Politik gefordert, etwa, indem sie Technik in Lehrplänen mehr Raum einräume.
Autor: Holger Schindler
