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13. März 2010

Spezialisten gefragt

BZ-INTERVIEW mit Peter Mumme zur Situation der Zeitarbeit.

  1. Peter Mumme Foto: PR / www.birgit-kleber.de

  2. Viel wurde ein den vergangenen Monaten über das Thema Zeitarbeit und Bezahlung diskutiert. Die Branche sieht sich jedenfalls auf bestemn Weg. Foto: Fotos: dpa, www.birgit-kleber.de

Zeitarbeit ist eine Möglichkeit, um Lücken in der Belegschaft zu schließen. Wichtig ist es, in dieser Partnerschaft auf Augenhöhe zu sein und sich dem Wandel am Arbeitsmarkt anzupassen, um ein dauerhaftes Instrument der Personalplanung für Kundenunternehmen zu bleiben. BZ-Mitarbeiterin Bettina Schaller hat dazu den Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister, Peter Mumme, befragt.

BZ: Das Thema Zeitarbeit wurde in den vergangenen Monaten von einigen Unternehmen in Misskredit gebracht, in denen Mitarbeitern gekündigt und unter Umgehung von Branchentarifverträgen über konzerninterne Zeitarbeitsfirmen zu schlechteren Bedingungen wieder in Arbeit gebracht wurden. Was tut die Branche dagegen?
Mumme: Unser Verband zum Beispiel hat sich in seinen Verhandlungen für einen neuen mehrgliedrigen Tarifvertrag mit einer Regelung geeinigt, durch die der Missbrauch des Tarifvertrags für konzerninterne Überlassungen für die Zukunft ausgeschlossen wird. Diese Regelung sollten andere Branchenverbände auch aufnehmen.

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BZ: Gibt es auch einen positiven wirtschaftlichen Aspekt von konzerninternen Zeitarbeitsfirmen, oder sind diese generell ein Problem in der Branche?
Mumme: Konzerninterne Zeitarbeit ist nicht generell zu verurteilen. Unternehmenseigene Personalreserven und Pools können sehr sinnvoll sein und machen in der Regel die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft, aber auch der Poolmitarbeiter sicherer. Nicht akzeptabel bei der konzerninternen Zeitarbeit ist nur die Flucht aus den eigenen Branchentarifverträgen.

BZ: Früher nannte man sie Leiharbeiter und ihnen haftete der Makel an, unqualifiziert und schlecht vermittelbar zu sein. Hat sich mit dem Begriff Zeitarbeiter auch ein Szenenwechsel ergeben?
Mumme: Zeitarbeit ist längst in allen Branchen und bei allen Qualifikationen angekommen. Zwei Drittel aller Zeitarbeiter sind gut ausgebildet. Ingenieure, Techniker, Betriebswirtschaftler und andere Akademiker sowie Fachkräfte sind keine Seltenheit mehr.

BZ: Wo liegt das Potenzial im Personaldienstleistungsbereich?
Mumme: Der Dienstleistungsbereich, die Forschung und Entwicklung sowie der Gesundheitssektor bilden die größten Entwicklungspotentiale für Zeitarbeit.

BZ: Fachkräfte werden stark gesucht und das in allen Branchen. Kommen damit neue Aufgaben auf Zeitarbeitsfirmen zu?
Mumme: Der Fachkräftemangel ist ein Problem der gesamten deutschen Wirtschaft, das sich durch den demografischen Wandel noch verschärfen wird. Deswegen sind neue Ausbildungskonzepte auch für Zeitarbeitsunternehmen längst in der Erprobung. Moderne Personaldienstleister werden in der Zukunft auch im Ausbildungsmarkt tätig sein und Ausbildung organisieren. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Verbundausbildung, bei der Personaldienstleister zusammen mit ihren Kundenunternehmen die Ausbildung von Azubis übernehmen.

BZ: In den Anfängen trugen Zeitarbeitsunternehmen ihre Angebote wie einen Bauchladen vor sich her. Hat sich die Branche im Sinne von Spezialisierung gewandelt?
Mumme: Besonders kleine und mittlere Personaldienstleister spezialisieren sich häufig. In Frage kommen da viele und sehr unterschiedliche Bereiche wie der IT-Sektor, der Pflegebereich, Finanzen, Callcenter, Ingenieurdienstleistungen. Die größeren Personaldienstleister und vor allem die Zeitarbeitskonzerne bedienen alle Wirtschaftszweige, haben aber häufig interne Kompetenzzentren, die sich auf bestimmte Branchen ausrichten.

BZ: Coaching – der Begriff mit seinen ganzen Facetten – geistert durch die Berufs- und Arbeitswelt. Karriere, Fort- und Weiterbildung sowie Qualifizierung und Spezialisierung, liegt darin auch eine Neuorientierung der Zeitarbeitsfirmen am Markt?
Mumme: Viele Personaldienstleister sind schon heute die Coaches ihrer Mitarbeiter, denn weit mehr als 60 Prozent der Zeitarbeitskräfte kommen aus der Arbeitslosigkeit oder sind Berufsanfänger. Gerade Langzeitarbeitslose müssen wieder an das Arbeitsleben herangeführt werden, und das tun die Zeitarbeitsunternehmen etwa mit Weck- und Fahrdiensten, aber auch mit Weiterbildungsmaßnahmen, wenn bestimmte Qualifikationen fehlen.