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08. Juli 2017

Streit als Chance zum Diskurs

BZ-GASTBEITRAG VON CAROLIN CORDIER UND WOLFGANG JAEDE: Mit Mediation eine neue Konfliktkultur schaffen.

  1. Konflikte lösen will gelernt sein. Foto: Fotos:Trueffelpix (Fotolia)/ PR

  2. C. Cordier Foto: PR

  3. W. Jaede Foto: PR

Konflikte sind in der Regel nicht beliebt, auch nicht im Arbeitsbereich. Sie werden eher als Störfaktoren eingestuft, die die Tagesgeschäfte erschweren, Projekte blockieren, bei Führungs- und Fachkräften zu Stress führen und die Arbeitsmotivation senken. Dabei sind es nicht die Konflikt- und Entscheidungssituationen selbst, die Spannung erzeugen, sondern der Umgang mit ihnen.

Bei sogenannten heißen Konflikten kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, die zu Kränkungen und inneren Verletzungen führen und die Zusammenarbeit erschweren. Aber auch kalte Konflikte haben es in sich: Nach außen scheint alles geregelt, die Arbeit läuft weiter, wird auf das Notwendigste beschränkt. Darunter sieht es anders aus, kritische Themen werden nicht mehr angesprochen, Probleme unter den Teppich gekehrt, es findet kein offener Austausch mehr statt.

Wie kann nun eine Konfliktkultur hergestellt werden, die frühzeitig davor bewahrt, in die Falle und Sackgasse archaischer Reaktionsmuster zu geraten, die Angriff, Rückzug oder Verleugnung bedeuten, Feindbilder schaffen und dazu neigen, sich weiter auszubreiten und zu eskalieren? Zunächst gilt es, einen neuen Blick auf Konflikte überhaupt zu werfen, sie nicht nur als blockierend und bedrohlich zu sehen, sondern eben auch als Chance zur Vielfalt, zur offenen Kommunikation und Weiterentwicklung.

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An die Stelle eines vereinfachenden "Entweder – Oder", "Ich oder Du", "Gewinner oder Verlierer" sollte ein "Sowohl als auch" treten, bei dem die Interessen und Ideen aller Konfliktbeteiligten gleichermaßen berücksichtigt werden.

Um dorthin zu gelangen, ist es erforderlich, dass die Beteiligten sich nicht mehr aus dem Weg gehen, sich nicht auf Schlagabtausche beschränken, sondern ein Rahmen "auf Augenhöhe" geschaffen wird, in dem sie sich begegnen und öffnen können und deutlich wird, welche wesentlichen Anliegen und Interessen ihren so heftig vertretenen Positionen zugrunde liegen. Häufig sind dies zentrale Bedürfnisse nach Gleichwertigkeit, Akzeptanz und Anerkennung, nach Sicherheit, Fairness und Gerechtigkeit, die oft gar nicht so weit auseinanderliegen. Entsteht so ein tieferes wechselseitiges Verständnis für die zuGrunde liegenden Konfliktursachen, fällt es in der Regel leichter, Lösungen herbeizuführen, die allen Seiten gerecht werden, also sogenannte Win-Win-Lösungen.

Häufig sind die Konfliktparteien jedoch so verstrickt, dass sie diese positiven Dreh- und Angelpunkte in der Konfliktbearbeitung nicht allein erreichen können und Konfliktvermittler benötigen. Diese schaffen einen sicheren Rahmen, strukturieren den Prozess und unterstützen die Konfliktparteien darin, in eigener Verantwortung eine für alle akzeptable Lösung zu entwickeln. Wichtige Prinzipien hierbei sind Allparteilichkeit der Mediatoren, Vertraulichkeit, Offenheit und Informiertheit, Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und Ergebnisoffenheit.

Das im Juli 2012 in Kraft getretene Mediationsgesetz und die damit verbundene ab 1. September dieses Jahres gültige Verordnungsermächtigung für die Ausbildung zum zertifizierten Mediator sowie die Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft und Bundesverbände für Mediation sichern das Verfahren und die Qualitätsstandards professioneller Mediatoren ab. Mediation ist dabei nicht nur als ein Verfahren zu einer einvernehmlichen Beilegung einzelner Konflikte zu sehen, sondern einzubetten in eine positive Konfliktkultur des Betriebs oder der Organisation, die Konflikte eben nicht nur als Störelemente sieht, sondern als Chance zum Diskurs, zur Selbsterkenntnis und zur erneuten Sinngebung und Weiterentwicklung im Arbeitsbereich.

ZUR PERSON: Carolin Cordier

arbeitet mit Sitz in Lörrach seit mehr als zehn Jahren in freiberuflicher Praxis als Rechtsanwältin und Mediatorin mit den Schwerpunkten Familien- und Erbrecht. Carolin Cordier ist in der Aus- und Weiterbildung von Mediatoren tätig.

WOLFGANG JAEDE
ist als Diplom-Psychologe mit Sitz in Freiburg tätig im Bereich Konfliktmoderation/Mediation in Einrichtungen und Teams, Coaching/Supervision für Fach- und Führungskräfte und Familienmediation. Zusammen mit Carolin Cordier führt er Aus- und Weiterbildungen in Mediation und Co-Mediationen durch.  

Autor: bz

Autor: bz