Urlaub für Minijobber

Hans Peter Seitel

Von Hans Peter Seitel

Sa, 10. Februar 2018

Beruf & Karriere

Eine Anleitung zum Selbstberechnen / Keine Schlechterstellung gegenüber Vollzeit-Beschäftigten .

Auch Minijobber haben Anspruch auf Urlaub, das ist klar. Wie lange ein geringfügig Beschäftigter frei machen darf, ist aber oft umstritten, sowohl im Kollegenkreis als auch zwischen Betroffenem und Betrieb. Eine Kurzanleitung zum Selbstberechnen.

"Vielen ist nicht bekannt, wie viel Urlaub ihnen in ihrem Minijob zusteht", berichtet die Minijobzentrale in Bochum. Um sich Klarheit zu verschaffen, lohnt ein Blick in das Gesetz. Denn das Bundesurlaubsgesetz gilt auch für Minijobber.

Demnach stehen jedem Arbeitnehmer in Deutschland mindestens 24 Werktage bezahlten Erholungsurlaub zu, gerechnet auf eine Sechs-Tage-Arbeitswoche. Bei einer Fünf-Tage-Woche, wie sie für die meisten Vollzeitbeschäftigten heute üblich ist, ergibt sich der häufig genannte gesetzliche Anspruch von 20 Urlaubstagen im Jahr. Diese Mindestzeit gilt, egal wie viele Stunden jemand an den einzelnen Tagen arbeitet.

Da Minijobber aber die 450-Euro-Verdienstgrenze einhalten müssen, ist ihre Arbeitswoche oft kürzer als fünf oder sechs Tage. Den Urlaubsanspruch berechnen sie, indem sie die Anzahl ihrer Arbeitstage pro Woche mit 24 multiplizieren (Anzahl der gesetzlichen Urlaubstage im Jahr bei einer Sechs-Tage-Woche) und das Ergebnis durch sechs teilen.

Beispiel: Minijobberin Maria arbeitet an drei Tagen in jeder Woche in einem Büro. Ihr gesetzlicher Urlaubsanspruch beläuft sich also auf zwölf Tage im Jahr. Das ist absolut gesehen weniger als bei einer Fünf- oder Sechs-Tage-Woche, entspricht anteilig aber der kürzeren Arbeitszeit.

Zu beachten ist weiterhin, dass viele Vollzeitbeschäftigte aufgrund eines Tarifvertrags über die gesetzliche Mindestzeit hinaus Urlaub haben. Für Minijobber gilt dabei der Grundsatz der Gleichbehandlung. "Sie dürfen ohne sachlichen Grund nicht benachteiligt werden. Ihnen steht dann ebenfalls ein entsprechend höherer Urlaubsanspruch zu", betont die Minijob-Zentrale. Beispiel: Ein Tarifvertrag sieht für Vollzeitbeschäftigte einer Autowerkstatt mit Fünf-Tage-Woche 30 Tage Urlaub pro Jahr vor. Für sie wird gerechnet: 30 geteilt durch fünf gleich sechs. Diese Rechengröße sechs steht für das Verhältnis zwischen Urlaub und Arbeitszeit. Sie gilt auch für Minijobber Jürgen, der nur drei Tage pro Woche dieselben Aufgaben in der Werkstatt erledigt. Ihm stehen 18 Tage Urlaub zu, sechs mehr als die gesetzlichen zwölf Urlaubstage (siehe Beispiel für Maria). Die Rechnung für Jürgen lautet: 18 geteilt durch drei gleich sechs (oder auch: drei mal sechs gleich 18).

Für Minijobber mit einer wechselnden Anzahl an Arbeitstagen, zum Beispiel in einigen Wochen zwei Tage, in anderen drei Tage, bezieht sich die Urlaubsberechnung auf das Jahr (52 Wochen) und nicht auf die einzelne Woche. Aber auch hier gilt: Der Anteil ihrer Urlaubstage an allen Arbeitstagen ist genauso groß wie bei Vollzeitbeschäftigten über das Jahr betrachtet. Vor- oder nacharbeiten müssen Minijobber nicht, um Urlaub nehmen zu können.

Wichtig zu wissen: Kommt es zu Streitereien über den Urlaub, kann die Minijobzentrale nicht helfen. Der Beschäftigte muss sich selbst um seine Rechte kümmern, gegebenenfalls mit Hilfe des Betriebsrates, der Gewerkschaft oder einem Rechtsanwalt.