Urlaub in den Alltag retten

Julia Allmann

Von Julia Allmann (dpa)

Sa, 18. August 2018

Beruf & Karriere

Auszeiten planen und reflektieren.

Zwei Wochen Entspannung, Auszeit und ganz viel Freizeit, und nach dem Urlaub kehrt schnell der Stress zurück, die Entspannung verfliegt. Mit den richtigen Tipps hält das gute Gefühl länger an. Schon die Planung des Urlaubs ist entscheidend.

Ob am Strand oder in den Bergen: Im Urlaub schalten wir idealerweise komplett ab, denken nicht an die Arbeit, den Haushalt oder den Kalender voller Termine. Doch zurück zu Hause halten meist schon nach kurzer Zeit Routinen und Stressgefühle Einzug. Gibt es Möglichkeiten, die Urlaubsentspannung mit in den Alltag zu nehmen?

Wer möglichst lange erholt bleiben möchte, sollte zuerst dafür sorgen, dass dieses Gefühl wirklich eintritt. "Deshalb ist es wichtig, dass man für sich selbst herausfindet, wann und wie man gut Entspannung oder andere Erholungserfahrungen erlebt", sagt Carmen Binnewies, Professorin am Institut für Psychologie an der Universität Münster. Also am besten schon vor der Buchung entscheiden: Sorgt ein Hotelurlaub mit All-Inclusive-Verpflegung für Entspannung? Oder helfen eher Mountainbikefahrten voller Adrenalin?

Auch der Urlaub selbst ist eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, welche Aktivitäten entspannend wirken. "Sehr gut sind kleine Reflexionen am Abend", sagt Beraterin Laura Letschert. "Wir können einfach aufschreiben, welche Erlebnisse am Tag besonders schön waren und was wir gern fortführen würden, wenn wir zurück zu Hause sind."

Innere Bilder statt Instagram

Auch die eigene Erinnerung kann helfen, Erholung zu erhalten. "Wir müssen gar nicht den berühmten Diaprojektor aufstellen oder heute die Instagramfotos aus dem Urlaub immer wieder ansehen", sagt Familientherapeut Björn Enno Hermans. "Innere Bilder können ebenfalls viel bewirken." Über die gemeinsamen Bootsausflüge reden oder im spanischen Restaurant den Lieblingscocktail aus dem Urlaub bestellen: "Es gibt auf allen sensorischen Ebenen Erinnerungen, in die man so noch einmal eintauchen kann", sagt Hermans. "Das geht sicher nicht jeden Tag, aber punktuell kann es helfen, das Urlaubsgefühl wieder zurückzuholen."

Doch auch diese kurzen Erholungsgefühle haben nur einen Effekt, wenn der Alltag nicht mit Stressfaktoren überlastet ist. "Stressoren gibt es nicht nur im Arbeitskontext, sondern auch im familiären oder sozialen Umfeld", sagt Hermans. "Wenn der Wochenplan der Kinder völlig überfrachtet ist und man dauerhaft im Freizeitstress ist, gehen alle Erholungsgefühle schnell wieder verloren."

Um im Büro nicht sofort wieder in Stress zu versinken, rät Psychologin Binnewies zu einer guten Organisation: "Man sollte möglichst Zeit einplanen, um sich erst wieder einzuarbeiten."

Trotz aller Tricks und Strategien: Ewig bleibt die Erholung nicht erhalten. "Studien zeigen, dass Urlaubseffekte bis zu drei Wochen anhalten, wobei viele Effekte leider nach einer Woche schon wieder verblasst sind", sagt Binnewies. In den Untersuchungen machte es keinen Unterschied, ob der Urlaub nur eine Woche andauerte oder deutlich länger. "Das bedeutet, dass es von der Erholung her sinnvoll ist, lieber mehrmals im Jahr kürzer Urlaub zu nehmen", sagt Binnewies. So kann man immer wieder mal eine Auszeit einlegen. Und damit jedes Mal versuchen, möglichst viel von der Erholung mit in den Alltag zu nehmen.