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07. Januar 2012

Alles so schön bunt hier

Wer sich am Computer nicht ablenken lässt, arbeitet effizienter

Viele Ablenkungen bremsen die Arbeit am Computer. Alle paar Minuten blinken E-Mails auf, und nur einen Klick weiter lockt ein Chat mit den Freunden. Was man dagegen tun kann:

  1. Wer sich am Computer leicht ablenken lässt, kann Störelemente durch Software ausschalten. Foto: dpa-tmn

Viele Ablenkungen bremsen die Arbeit am Computer. Alle paar Minuten blinken E-Mails auf, das Lieblingsnachrichtenportal im Netz berichtet von Ereignissen in der Welt, und nur einen Klick weiter lockt ein Pausenchat mit den Facebookfreunden. Da wird es schwer, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Einige Programme versprechen Hilfe im Kampf gegen die Ablenkung. Ganz ohne Selbstdisziplin geht es aber nicht.

Dass Menschen sich so leicht ablenken lassen, ist ein Resultat der Evolution. Wenn sich in der Umgebung etwas bewegt, richtet sich die Aufmerksamkeit darauf – Orientierungsreaktion nennen dies Psychologen. Früher diente das dem Überleben. Es könnte ja ein Säbelzahntiger um die Ecke biegen. Solche Bedrohungen gibt es im Büroalltag nicht. Doch der Instinkt bleibt. Und er werde in der schnelllebigen Arbeitswelt mit zahlreichen Ablenkungen gefüttert, sagt Andreas Zimber von der Fachhochschule Heidelberg. Und hinzu kommt: "Weil das Medium so schnell ist, erwarten alle, dass man auch schnell antwortet", sagt der Professor für Wirtschaftspsychologie.

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Daraus ergeben sich zwei Probleme. Zum einen fehle häufig die Konzentration für wichtige Aufgaben. Wer sich auf ein Thema konzentriert, arbeitet effizienter, muss sich aber trotzdem weniger anstrengen. "Aus Befragungen wissen wir, dass Unterbrechungen der Arbeit als eine Hauptstörungsquelle gelten." Zum anderen böten die vielen Ablenkungen Gelegenheiten, um unliebsame Punkte auf aufzuschieben: "Da regiert das Lustprinzip, ich wähle die angenehme Aufgabe", sagt Zimber.

Er rät daher zu einer Abschottungsstrategie. Wer kann, sollte feste Büro- und Sprechzeiten einrichten, für wichtige Aufgaben das E-Mail-Fach schließen und seine zeitweilige Isolation auch nach außen kommunizieren. So seien nicht drei oder vier Informationskanäle gleichzeitig offen. "Das wird von den Kollegen in der Regel akzeptiert", sagt Zimber.

Einige Textverarbeitungsprogramme machen von sich aus die Schotten dicht. Der Focus-Writer zum Beispiel überdeckt alle offenen Fenster und zeigt nur den Text in einer reduzierten Ansicht. Die Bedienung taucht erst auf, wenn Nutzer den Mauszeiger zum Bildschirmrand bewegen. Wer sich motivieren will, kann sich Schreibziele setzen, entweder eine bestimmte Dauer oder eine bestimmte Zahl an Wörtern. Das kostenlose Programm läuft auf Windows, Mac OS X und Linux.

Oft lauert die Ablenkung aber woanders – etwa wenn etwas Wichtiges im Internet nachgeschaut werden muss, der Nutzer dann aber bei Facebook hängenbleibt. Zwei Browser-erweiterungen versprechen, zielloses Surfen zu stoppen. Stay Focused begrenzt für Chrome die Onlinezeit auf ein frei einstellbares Limit. Welche Websites auf die Tabuliste sollen, bestimmen Nutzer selbst – so lassen sich Zeitkiller wie Videoportale, Spiele oder soziale Netzwerke ausgrenzen, ohne dass Seiten wie Wörterbücher oder die Wikipedia betroffen sind.

Leech Block erledigt dies für Firefox oder den Explorer: Wer eine blockierte Seite aufruft, bekommt ein Verbotsschild zu sehen. Der kostenlose URL-Blocker arbeitet unabhängig vom Browser. Ein Funken Disziplin ist aber nötig. Denn zum einen müssen von Aufschieberitis befallene Nutzer die Zeitkiller auflisten – am besten in einem Moment der Reue. Zum anderen können gewiefte Selbstbetrüger auf andere Browser ausweichen oder den Rechner neu starten und so die Programme austricksen.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – so messen Programme wie Rescue-Time, wie viel Zeit für welche Aktivitäten draufgeht. Die Software für Windows- und Mac-Computer dokumentiert in der kostenlosen Basisversion, welche Programme und Webseiten geöffnet sind, die kostenpflichtige Variante bricht den Zeitverbrauch auf Dokumente herunter. Beides kann entlarvend sein. Zudem bietet das Programm an, für eine Focus-Time bestimmte Aktivitäten zu blockieren.

Freiberufler, deren Zuhause gleichzeitig Büro ist, tun sich einen Gefallen, wenn sie für Arbeit und Freizeit jeweils einen eigenen Rechner haben. Bei den heutigen Hardwarepreisen sei das auch kein Problem mehr. Die Informationsflut lässt sich so besser kanalisieren.

Wichtig ist, dass die Werkzeuge gegen die Ablenkung nicht selbst zur Ablenkung werden. "Technische Hilfen sind nur nützlich, wenn sie nicht noch zusätzlich Arbeit machen", sagt Zimber. Und er mahnt: "Technische Lösungen machen nicht das Problem der fehlenden Selbstdisziplin wett."

Autor: tmn