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09. Dezember 2011 11:44 Uhr

Bildungspolitik

Aus für Studiengebühren: Verteilung von unten nach oben?

Die grün-rote Landesregierung löst ein Wahlversprechen ein: Sie schafft die Studiengebühren ab. Das Geld hatten die Hochschulen bisher nach eigenem Anspruch zur Verbesserung der Lehre eingesetzt. Nun springt das Land als Finanzier ein – in voller Höhe.

  1. Die Zahl der Erstsemester ist gerade in den Ländern deutlich gestiegen, in denen das Studium nicht kostenfrei w Foto: dpa

Der baden-württembergische Landtag hat am Donnerstag ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die seit 2007 erhobenen Studiengebühren wieder abschafft. Grün-Rot will damit ein Wahlversprechen einlösen und greift in den Steuersäckel, um die Verluste für die Unis auszugleichen.

"Das ist ein guter Tag für die Hochschulen und ein guter Tag für die Studierenden", freut sich der SPD-Abgeordnete Martin Rivoir. Für die Unis, weil sie nun mehr Planungssicherheit hätten und für die Studenten, weil sie sich nun allein aufs Studium konzentrieren könnten statt auf Nebenjobs zur Finanzierung.

Stimmt das? In der Tat werden die Gebühren, deren Aufkommen sich wegen zahlreicher Ausnahmeregelungen selten verlässlich vorhersagen ließ, allen staatlichen Hochschulen künftig aus der Staatskasse ausgeglichen. Pro Student und Semester überweist das Land den Hochschulen künftig 280 Euro. Derzeit, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), summiert sich das auf rund 140 Millionen pro Jahr, der erwartete Anstieg der Studentenzahlen wird den Betrag bis 2015 auf geschätzte 163 Millionen hochtreiben.

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Seit 2007 werden pro Semester 500 Euro kassiert. Der niedrigere Ausgleichsbetrag kommt unter anderem deshalb zustande, weil die Befreiungsregeln dazu führten, dass vier von zehn Studenten nichts zahlen mussten und die Unis künftig geringere Verwaltungskosten ansetzen können. Auf das Geld sind sie nach wie vor angewiesen. Bauer erinnert sich: "Als die Gebühren eingeführt wurden, waren die Hochschulen wie ein trockener Schwamm." Deshalb bleibt es bei den für die Lehre zweckgebundenen Mitteln, nur zahlt eben künftig die Allgemeinheit der Steuerzahler.

Daran stört sich die Opposition. Bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs, der auf einem Wahlversprechen der grün-roten Regierung fußt, erregte sich am Donnerstag vor allem die FDP. Eine "populistische Entscheidung aus reiner Ideologie" sei die Abschaffung, schimpfte der Abgeordnete Timm Kern. Nun subventioniere das Land auch jene, die die Gebühren durchaus hätten tragen können, denn am Ende eines Studiums kämen nur wenige 1000 Euro Schulden zusammen, wenn die Gebühren über einen Studienkredit finanziert werden. Das, so Kern, "ist eine Umverteilung von unten nach oben".

Studien zeigen, dass die Gebühren kaum abgeschreckt haben

Der ehemalige Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Dietrich Birk (CDU) bezweifelt, dass Studierende sich durch die Gebühren abschrecken ließen. "Das war kein sozialer Numerus Clausus." Er erinnert daran, dass den Steuerzahler schon jetzt ein Studienplatz im Land zwischen 10 000 und 35 000 Euro jährlich koste. Die Eigenbeteiligung über Semestergebühren sei deshalb gerechtfertigt, zumal Absolventen im dualen System oder bei einer Meister-Ausbildung stärker zur Kasse gebeten würden.

Folgt nun ein Ansturm auf die Unis? Werden die Studienzeiten wieder länger? Letzteres glaubt die Wissenschaftsministerin zwar nicht, ist aber vorbereitet: Sollte es Probleme mit Langzeitstudenten gebe, werde man nachsteuern. Sprich: Auch wenn es der Koalitionsvertrag nicht vorsieht, könnten Bummelstudenten dann eben doch wieder belangt werden. Einen zusätzlichen Ansturm wird es kaum geben, denn Studien zeigen, dass sich durch die im laufenden Semester zum letzten Mal verlangten Gebühren niemand abschrecken ließ. Im Gegenteil, die Zahlen der Erstsemester sind gerade in den Ländern deutlich gestiegen, in denen das Studium nicht kostenfrei war.

Über die Verwendung der Gelder müssen die Hochschulen jeweils im Sommer dem Ministerium berichten. Bauer verspricht aber ein hohes Maß an Flexibilität und Gestaltungsfreiheit. Das heiße, nicht aktuell verwertbare Mittel können vorübergehend angespart werden, die Mitspracherechte der Studierenden sollen aber stärker ausgeprägt werden als bislang. In der Anhörungsphase wurde so gut wie keine Kritik an der Abschaffung laut, jetzt wird der Entwurf in den zuständigen Ausschüssen debattiert.

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Autor: Andreas Böhme


22 Kommentare

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Florian Engels

Registriert seit: 22.12.2009

Kommentare: 286

09. Dezember 2011 - 12:25 Uhr

Klar, hohe Studienkosten schrecken in den USA auch niemand ab, nur dass die Absolventen hinterher einen Schuldenberg von nicht selten über 100.000 $ rumtragen.Wollen wir das auch in Deutschland?

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Philipp Schmidt

Registriert seit: 12.07.2009

Kommentare: 71

09. Dezember 2011 - 12:31 Uhr

Ein Geselle, der die Meisterprüfung ablegen will, wird auch zur Kasse gebeten und das nicht zu knapp. Warum also muss bei den Studenten der Steuerzahler für alles aufkommen?
Und wenn schon Gebühren weg, dann doch wenigstens mit der Prämisse, dass das nur für die Regelstudienzeit gilt.

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Martin Meinhard

Registriert seit: 16.03.2011

Kommentare: 34

09. Dezember 2011 - 12:37 Uhr

@Philpp Schmidt: ein guter Ansatz. Mit dieser Regelung könnte ich auch leben.
Aber vom Nebenjob werden die meiten auch jetzt nicht wegkommen. Irgendwie muss ja auch die Miete bezahlt werden.

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Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

09. Dezember 2011 - 13:10 Uhr

Herr Engels,

hohe Studiengebühren schrecken auch in den USA ab, so geht z.B. wer keine Kohle hat auf ein Community College, wer es sich aber leisten kann versucht auf eine Private University oder State University zu gehen. natürlich ist die Stipendienvergabe in den USA ebensowenig vergleichbar mit der Deutschen. Ich hoffe jedenfalls, dass eine Selektion von geburtswegen bei uns nicht erwünscht ist.

Herr Schmidt,

1) Meisterausbildung und Studium sind in Dauer und finanzieller Beslatung nicht vergleichbar
2) Die Meisterausbildung ist eine von den Kammer organisierte, für deren Erhalt die Kammern eintreten. ich darf an die Diskussion anlässlich der Novelle der Handwerksordnung 2004 erinnern.
3) Die Meisterausbildung ist steuerlich absetzbar, so dass der Steuerzahler dafür auch aufkommt.

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Florian Kneibel  

Florian Kneibel

Registriert seit: 15.09.2011

Kommentare: 16

09. Dezember 2011 - 13:24 Uhr

Wer studiert macht das, damit er später mal mehr Geld verdienen kann als der "Normalo". Warum bitteschön bleibt das komplett am Steuerzahler hängen? Da kann sich doch jeder studierende ein bißchen an den Kosten beteiligen. Meine Meinung!!

Herr Rosenstock,
zu 3. schön, dann hätte man ja auch die Studiengebühren absetzbar machen können.

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Sebastian Meyer

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 560

09. Dezember 2011 - 13:47 Uhr

Zitat Herr Rosenstock:
"Meisterausbildung und Studium sind ...bla bla bla... nicht vergleichbar"
Zwei Sätze später:
"Die Meisterausbildung ist steuerlich absetzbar, so dass der Steuerzahler dafür auch aufkommt"

Komisch... Sprechen Sie eine andere Sprache?
Studiengebühren sind absolut sinnvoll. Warum steht eigentlich komplett oben im Artikel. Letztlich bleiben diese auch bestehen, der Unterschied, dass das Land dafür nun aufkommt.
Und dafür werden dann solche Dinge gemacht wie Grunderwerbst. Erhöhungen.

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 809

09. Dezember 2011 - 13:50 Uhr

"Wer studiert macht das, damit er später mal mehr Geld verdienen kann als der "Normalo""

Ach wirklich? Vielleicht studieren viele auch weil ihr Wunschberuf nur über ein Studium erreichbar ist. Der Verdienst von Akademikern ist übrigens in sehr vielen Fällen nicht höher als der von Facharbeitern oder sogar niedriger.

Wer ist eigentlich der Steuerzahler? Sind das ausschließlich Arbeiter und Angestellte oder sollte sich da vielleicht doch der ein oder andere Ex-Student darunter befinden, der mit seinen Steuern das Studium der nächsten Studentengeneration und auch der nächsten Schüler- und Berufsschülergeneration mitfinanziert?

Und nur mal zur Erinnerung. Studenten bekommen in der Regel kein Geld für ihr Studium. Sie haben im Vergleich zu einem gleichaltrigen, der eine Berufsausbildung gemacht hat, einige Tausend Euro weniger in der Tasche wenn sie endlich ihrem Beruf nachgehen können. Von den oftmals folgenden Praktika und den ungewissen Berufsaussichten will ich gar nicht erst anfangen.
Ein Studienabschluss ist heute kein Freischein für einen gut bezahlten Job, Wohlstand und Glück. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis das Bild vom reichen Akademiker aus den Köpfen der Menschen verschwindet.

Woher ich das weiss? Ich bin selber Akademiker und viele Freunde und Bekannte haben auch studiert. Alle arbeiten, von keinem ist mir bekannt, dass er oder sie überdurchschnittlich verdient.

Wenn man im Bereich der akademischen (Aus)bildung sparen möchte, sollte man in erster Linie davon abkommen immer mehr Berufsausbildungen zu akademisieren.

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Peter Pellin  

Peter Pellin

Registriert seit: 15.04.2011

Kommentare: 229

09. Dezember 2011 - 13:58 Uhr

Das ein Studienplatz zwischen 10 - 35000 Euro kostet ist sehr interessant, das man die Meisterbildung von der Steuer absetzen kann, auch sehr interessant. Zu viel Subventionen (Bsp Dienstwagen für Firmen, Steuersubvention jährlich zw. 3 - 4,5 Milliarden Euro (Quelle: Bund der Steuerzahler)) in unserem Land und im gleichen Atemzug wird wieder auf die Beamtenschaft eingeprügelt, die nach Stammtischmeinung eh alle faul und überbezahlt sind.
Die Einführung einer Regelstudienzeit (Vorschlag P. Schmidt) mit bezahlbarer Kostenbeteiligung und das Verhindern von Bummel- oder Wechselstudenten muss möglich sein.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

09. Dezember 2011 - 14:06 Uhr

@ Herr Pellin: Vor 2 Tagen haben Sie noch an anderer Stelle mit dem Ihrem absetzbaren Dienstwagen geprahlt, sogar wie toll das sei den Tank mit Steuergeldern füllen zu können. Nun kritisieren Sie dies hier. Drehen Sie immer Ihr Fähnchen in den Wind, oder hat jemand Ihren Account geknackt?

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Theodor Heussmann  

Theodor Heussmann

Registriert seit: 25.03.2010

Kommentare: 1786

09. Dezember 2011 - 14:12 Uhr

Herr Pellin, sind Sie schonwieder auf der Neid-Ebene angekommen? Gestern wollten Sie uns noch Ihren tollen Job mit Dienstwagen etc. verkünden. Heute ist das nicht mehr so?

Rechnen Sie auch mal die Pendlerpauschale mit ein - mit wievielen Milliarden wird der Arbeitnehmer dadurch subventioniert? Ist es da noch erheblich, mit wievielen Milliarden Dienstwägen für den Unternehmer indirekt subventioniert werden? Dafür zahlt der Dienstwagen des Arbeitnehmers jeden Monat in die Sozialkassen mit ein und macht damit mehr als so mancher Beamter für die Renten- und Krankenkasse. Im Gegenzug steigt der Rentenanspruch für den Arbeitnehmer - also wieder ein Vorteil für beide Seiten.

Sie sehen, keiner kann sich davon freistellen, staatliche Vorteile in Anspruch zu nehmen. Und mal ehrlich: Warum sollte man das nicht tun, wenn man die absolut legale und gebräuchliche Möglichkeit dazu hat?

Th. Heussmann

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 809

09. Dezember 2011 - 14:22 Uhr

"Die Einführung einer Regelstudienzeit (Vorschlag P. Schmidt) mit bezahlbarer Kostenbeteiligung und das Verhindern von Bummel- oder Wechselstudenten muss möglich sein."

Die Langzeitstudiengebühr gab es sogar schon vor der Einführung der allgemeinen Studiengebühren. Das fand ich auch sehr vernünftig, da ein wenig Druck eine Entscheidungshilfe sein kann, man aber auch bis zu vier Semester über die Regelstudienzeit überziehen durfte, bevor man zur Kasse gebeten wurde. Diese vier Semester waren leider auch notwendig, da die einzelnen Institute ihr Lehrangebot in keinster Weise zeitlich koordiniert hatten und man Pflichtveranstaltungen im Magisterstudium oft nur gleichzeitig belegen hätte können. Nur bei optimaler Studienplanung und Bestehen aller Prüfungen beim ersten Versuch war es möglich innerhalb der Regelstudienzeit zum Abschluss zu kommen. Vielleicht ist das beim Bachelor mit seinen Stundenplänen jetzt besser geworden. :-)

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

09. Dezember 2011 - 14:29 Uhr

Erstens ist das Thema Regelstudienzeitüberschreitung in Bologne-Zeiten überholt. Wer seine Credits nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit einfährt, fliegt.
Zweitens ist es doch alleinige Sache der Studierenden, wie lange sie für das Studium brauchen. Wer jedes Semster nur mit halber Kraft studiert, aber dafür doppelt so lange, hat nicht mehr an "universitärer Dienstleistung" in Anspruch genommen als jeder andere Studierende auch.

Ein Student schuldet der Gesellschaft kein schnelles Studium

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Eric Bonacci ♠  

Eric Bonacci ♠

Registriert seit: 20.10.2011

Kommentare: 678

09. Dezember 2011 - 14:33 Uhr

Wenn wir alles eines der reichsten Länder der Welt nicht in der Lage sind, die Bildung aller unserer Kinder - egal aus welcher Schicht - kostenfrei zu organisieren, dann haben wir wahrlich nichts verstanden. Und das gilt nicht nur für's Studium, sondern auch für kostenlose Kindergärten, Ganztagesschulen mit Mensen, einschließlich Hausaufgabenbetreuung, schlicht alles was Bildung betrifft!

Solange wir es uns leisten Reiche steuerlich zu subventionieren, Banken zu retten, Milliarden in Militärausgaben zu stecken, parteipolitische Lobbygeschenke zu verteilen, solange sollten wir auch ohne Wenn und Aber unseren Nachwuchs finanzieren können...

Denn die - und nur die - sind unsere Zukunft!

Wer zu diesem Thema eine Neiddebatte vom Zaun bricht, wirkt nicht nur kleinkariert und ahnungslos, sondern auch blind was die Weitsicht betrifft.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

09. Dezember 2011 - 14:39 Uhr

Was ist der Unterschied zwischen "Gratis" und "Umsonst": Meine Ausbildung war Gratis, bei vielen war sie umsonst......

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Florian Kneibel  

Florian Kneibel

Registriert seit: 15.09.2011

Kommentare: 16

09. Dezember 2011 - 15:17 Uhr

Zitat Herr Meierhofer:
"Ein Student schuldet der Gesellschaft kein schnelles Studium"

Bis gestern vielleicht noch richtig, aber da der Studierende sich nun nicht mehr an den Kosten beteilligen muss, kann man das natürlich von ihm verlangen! Und selbstverständlich nimmt ein länger studierender auch mehr "Dienstleistung" in Anspruch als einer der das schneller durchzieht!!

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Christian Notheisen

Registriert seit: 30.11.2009

Kommentare: 133

09. Dezember 2011 - 17:13 Uhr

Ich selbst bin Student und habe die 605€ Studiengebühren, auf die man summa summarum kommt, auch nicht gerne gezahlt und hätte sicherlich auch andere Ideen gehabt, wie ich das Geld stattdessen hätte verwenden können, trotzdem fand ich es richtig!
Und ich finde es falsch, die Studiengebühren abzuschaffen. Natürlich bleiben mir dann unterm Strich 1200€ mehr im Jahr, aber genau diese Gebühr hat mMn auch dazu geführt, dass sich viele Studierenden ein Studium zum einen ernsthaft überlegt haben und zum anderen es auch ernst nehmen.
Das Argument, Bildung muss für alle Schichten möglich sein, halte ich für einen populistischen Unsinn. Wir reden hier von 1200€ jährlich, nicht von mehreren tausenden wie in den USA. Bei einer Größenordnung von 1200€ pro Jahr kann das kein Hindernis für ein Studium darstellen! In problematischen Fällen, wo dieser Betrag doch eine Hürde darstellt und derjenige nicht ohnehin schon zu den 4 von 10 studiengebührenbefreiten Personen zählt, gibt es immer noch genug staatliche Unterstützungen (Bafög, Studentenkredite etc), so dass spätestens dadurch für jeden, der nicht vor hat eine halbe Ewigkeit zu studieren, ein Studium ermöglicht wird.
Ich muss auch sagen, dass ich mich von diesen vielen Anti-Studiengebühren Demonstrationen, die es im letzten Semester vermehrt gab, bei denen Hörsäle besetzt und verwüstet hinterlassen wurden, klar distanziere! Hier ging es mMn weniger darum, für soziale Gerechtigkeit im Bildungswesen zu demonstrieren, sondern es war vielmehr Mode und Trend für mehr Freizeitgeld in der eigenen Kasse zu kämpfen.
Jeder, der sein Studium ernst nimmt, hat trotzdem nebenbei noch genügend Zeit zur Verfügung, die er sich zumindest vom Studium unabhängig einteilen kann. Wer also mehr Geld für Urlaub, Party etc (oder vielleicht auch Miete, das bestreite ich ja gar nicht)benötigt, kann in der Tat noch nebenbei etwas jobben und sich etwas dazu verdienen, aber dieses „Loch“ in der eigenen Kasse durch das Abschaffen von Studiengebühren aufzufangen finde ich ein Unding und auch dem Steuerzahler gegenüber nicht fair.
Viele Berufsausbildungen sind mit Kosten verbunden, daher sollten einem 1200€ jährlich für ein Studium seiner Wahl schon wert sein (von den ganzen Vorteilen wie zB Semsterticket (=Regiokarte für das gesamte Jahr für 140€) oder unzähligen Studentenermäßigungen ganz zu schweigen)!

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 809

09. Dezember 2011 - 18:14 Uhr

Herr Notheisen, darf ich fragen ob sie ihr Studium und die dafür fälligen Gebühren selbst finanzieren? Ihr Kommentar, gerade der Teil über die Nebenjobs, klingt so als müssten sie für ihre finanziellen Verpflichtungen nicht selbst aufkommen. Wenn man als Student nur für Parties und andere Vergnügungen arbeiten muss, fallen Studiengebühren wahrscheinlich wirklich nicht ins Gewicht. Von diesen Studenten gibt es sicherlich eine ganze Menge, von den Studiengebühren sind aber ganz andere negativ betroffen. Diese sollte man nicht aus den Augen verlieren.

Übrigens bin ich auch Steuerzahler. Ich habe kein Problem damit allen Menschen ein kostenloses Studium zu ermöglichen. Genausowenig habe ich ein Problem damit die Berufsschulen mit zu finanzieren, die von Auszubildenden besucht werden, die für ihre Ausbildung noch Geld bekommen. Aber Danke wegen der Sorge um die Fairness.

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Uwe Müller

Registriert seit: 09.12.2011

Kommentare: 6

09. Dezember 2011 - 18:29 Uhr

Die Abschaffung der Studiengebühr ist höchst unsozial. Die Kinder aus reichen Familien können sich wieder umsonst aus dem BIldungssupermarkt bedienen . Sie hätten sich auch sonst nicht vom Studium wegen der Gebühr abschrecken lassen. Die anderen leiden unter der Unterfinanzierung der Unis.
Eine ähnliche Ungerechtigkeit ist das einkommesunabhängige Kindergeld.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

09. Dezember 2011 - 18:38 Uhr

Dass die Unis unterfinanziert sind, ist kein Problem der Studiengebühr, sondern eines der zu geringen Steuern auf höchste und leistungslose Einkommen.

In welchem Land leben wir denn, wenn auf Zinserträge kaum Steuern und keine Sozialabgaben erhoben werden, aber die Studenten die Unis selbst finanzieren sollen? Wo ist denn das Wörtchen "sozial" aus der Sozialen Marktwirtschaft geblieben?

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Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

09. Dezember 2011 - 18:49 Uhr

Herr Kneibel,

"Und selbstverständlich nimmt ein länger studierender auch mehr "Dienstleistung" in Anspruch als einer der das schneller durchzieht!!"

Das wird sehr gerne wiederholt aber nie erklärt.

Warum soll bspw. der Jurastudent der nach 11. Semestern ins Examen geht mehr Dienstleistung in Anspruch genommen haben als jener der nach dem 8. Semester seinen Freischuss schreibt - bei beiden sind die Zulassungsvoraussetzungen für das Examen gleich

===

Herr Pellin,

"...das Verhindern von Bummel- oder Wechselstudenten muss möglich sein. "

Warum sollte man das staatlicherseits verhindern wollen. Die Personen habe einen ganz anderen Druck - den Arbeitsmarkt. Nebenbei sei noch bemerkt, dass ich jedem nur zu einem Studiengangwechsel anraten kann, wenn er merkt das falsche Studium ergriffen zu haben.

===

Herr Notheisen,

mich befällt der gleich Eindruck wie Herrn Walcher - ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie für Ihren Lebensunterhalt selber aufkommen mussten. Sie wüssten sonst auch besser um die Vergabepraxis bei Bafög und Studentenkrediten Bescheid.

Ihre Aussage bezüglich der Motivation jener die sich für die Abschaffung der Studiengebühren stark gemacht haben, ist nicht nur äußerst spekulativ sondern ebenso unwahrscheinlich, denn die Demonstranten mussten davon ausgehen, dass eine Abschaffung ihnen nicht mehr zu gute kommen wird.

Ihre Anmerkung, dass mit dem der Einschreibung auch Vorteile wie Studentenpreise winken belustigt geradezu.

===

Ich schließe mich gerne Herrn Bonacci in seinem Pladoyer für die Chancengleichheit an und sehe deswegen wie Herr Walcher meine nicht gering ausfallenden Steuern aus sozialpolitischer und ebenso aus volkswirtschaftlicher Sicht als gut investiert an.

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Christian Notheisen

Registriert seit: 30.11.2009

Kommentare: 133

09. Dezember 2011 - 20:26 Uhr

Herr Walchner und Herr Rosenstock,
Sie werden es wohl beide kaum glauben, aber Ja, ich finanziere mein Studium selbst und das ua durch einen Nebenjob (andernfalls könnte ich wohl kaum meine oben beschriebenen Eindrücke begründen). Da ich zudem auch der Meinung bin mein Studium ernst zu nehmen, kann ich Ihnen guten Gewissens sagen, dass es durchaus möglich ist sein Studium mit einem passenden Nebenjob (nicht jeder Job ist natürlich dazu geeignet) unter einen Hut zu bringen. Und wenn ich mir meinen Freundeskreis so anschaue, stehe ich mit dieser Meinung nicht alleine da. Man hat als Student die Freiheit es sich zB. so einzuteilen, dass man in vorlesungsfreien Zeiten etwas mehr arbeitet als unter dem Semester, um nur eine Variante zu nennen.
Recht geben muss ich Ihnen, Herr Rosenstock, insofern, dass ich mich mit der Vergabepraxis von Bafög und Studentenkrediten nicht wirklich gut auskenne, aber meines Wissens ist ja gerade der Sinn dabei, eben jene damit zu unterstützen, die es auch brauchen und nicht in der Lage sind, ein Studium eigenständig, vollständig zu finanzieren. Damit wir uns nicht falsch verstehen, selbstverständlich ist es wichtig, dass man jungen Leuten, die gerne ein Studium beginnen würden, es aber nicht selbst finanzieren können, durch derartige finanzielle Hilfen unter die Arme greift, dafür werde ich später auch als Steuerzahler gerne bereit sein, Herr Walchner. Ein Studium darf niemals am Finanziellen scheitern! Trotzdem kann und darf man nicht erwarten, dass man alles geschenkt bzw. umsonst bekommt. Viele Berufsausbildungen sind kostenpflichtig und es gibt nicht die vielen Vorteile, die man als Student hat, noch dazu. Als Student zahlt man für ein Jahr Semesterticket 140€, was normalerweise in etwa 12*40€ = 480€ kosten würde. Sprich eine Ersparnis von 340€, was ja schon mal einem Großteil der Studiengebühren für ein Semester entspricht. Vielleicht verstehen Sie auch jetzt meine Argumentation mit etwaigen Semestertickets und Studentenvorteilen und belustigen sich nicht nur darüber.
Und um es nochmal zu wiederholen: wir sprechen hier von 1200€ jährlich, nicht von mehreren tausenden wie in den USA.
Zudem, Herr Rosenstock, verstehe ich nicht Ihre Argumentation, dass viele der Demonstranten in dem Wissen demonstrierten, gar nicht mehr davon profitieren zu können. Erstens standen die Landtagswahlen doch direkt vor der Tür und zweitens ist doch ebenfalls bekannt, dass ua. auch viele Schüler oder Studienanfänger mit demonstriert haben und das, wie ich denke, durchaus in dem Wissen später noch davon profitieren zu können.

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 809

10. Dezember 2011 - 16:54 Uhr

Herr Notheisen,

ich verlange keinesfalls dass Studenten ihre Ausbildung geschenkt bekommen. Wie sie selbst geschrieben haben wird unser Bildungssystem über Steuern finanziert. Jeder Student und Absolvent einer Hochschule zahlt auch diese Steuern. Neben den indirekten Steuern gibt es Einkommenssteuern. Diese sind, wie sie sicherlich wissen, nach der Höhe des Einkommens gestaffelt, wodurch der gut Verdienende mehr Steuern bezahlt als der schlecht Verdienende. Auf diese Art bezahle ich für mein "kostenloses" Studium, und das, nebenbei bemerkt, schon Generationen vor mir. Auf einmal verlangen aber gerade auch Leute, die eine kostenfreie Ausbildung genossen haben, die Einführung einer Gebühr für nachfolgende Generationen. Sehr fair.

Studiengebühren werden vor und während des Studiums erhoben, sind also unabhängig davon ob man nach dem Studium viel oder wenig verdient oder gar ohne Job dasteht. Der angehende Sozialarbeiter zahlt also genauso viel wie der angehende Manager. Soll das gerecht sein, oder ist die Finanzierung über Steuern nicht doch besser?

Sie sprechen die fehlende Fairness bei der Finanzierung der Hochschulen durch alle Steuerzahler an. Ich denke, dass nicht nur Absolventen der Hochschulen von der dortigen Lehre profitieren, sondern auch nicht-Akademiker, weil die dort ausgebildeten Menschen von großer Bedeutung für unsere Wirtschaft sind - übrigens nicht nur die Ingenieure. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass jeder der eine Ausbildung über das duale System macht dafür sogar Geld bekommt, für die Berufsschule aber keinen Cent bezahlt. Halt, stimmt nicht. Auch sie bezahlen Steuern von denen das ganze System finanziert wird. Darüber hinaus zahlen auch Untenehmen einen großen Teil der Steuern. Auch sie profitieren von jeder Form der Ausbildung, bekommen ihre Akademiker dafür aber von den Hochschulen umsonst. Wenn man für Studiengebühren ist, muss man konsequenterweise auch die Einführung eines Lehrgeldes fordern. Schließlich kostet jede Form der Ausbildung Geld.

Die Höhe der Gebühren ist im Vergleich mit amerikanischen Verhältnissen wirklich nicht hoch. Aber seien wir mal ehrlich, amerikanische Verhältnisse sind in vielen Bereichen extrem und auch dort hat man mittlerweile verstanden, dass ihr System sozial höchst ungerecht ist. Ein Vergleich mit Extremen finde ich auch allgemein unpassend.

Die Studiengebühr beträgt in Baden-Württemberg übrigens sogar nur 500 Euro pro Semester. 105 Euro der 605 eingezogenen sind Verwaltungskostenumlagen, Studentenwerkbeiträge und auch ein Anteil am Semesterticket wird davon bezahlt. Diese Umlage ermöglicht erst den Erwerb des vergünstigten Semestertickets für aktuell 79 Euro pro Semester. Hier zahlen alle Studenten einen Beitrag, damit das Ticket so günstig angeboten werden kann. Nach ihrem Empfinden müsste das wahrscheinlich abgeschafft werden.
Andere Vergünstigungen wie z.B. geringere Eintrittspreise im Kino bekommen auch Schüler und Auszubildende. Sie sind also kein exklusiver Bonus für Studenten. Ganz ohne Belustigung.

Nochmal zur Höhe der Studiengebühren. Die 500 Euro wurden vor einigen Jahren erhoben, mit dem Versprechen alles in die Verbesserung der Lehre zu investieren ohne gleichzeitig den Hochschulen den Etat zu kürzen. Meines Wissens wurden die Etats gekürzt und nach meiner eigenen Erfahrung an der Hochschule sind die Bedingungen nur kurzzeitig besser geworden, bevor sie sich wieder verschlechtert haben. Eine Erhöhung der Gebühren wäre bei Schwarz-Gelb also nur eine Frage der Zeit gewesen.
Sie schrieben auch selbst, dass 4 von 10 Studenten aus unterschiedlichen Gründen von den Gebühren befreit sind. Dazu geht noch ein großer Teil der Gebühren für die für den Einzug notwendige Verwaltung drauf. Der Ertrag des Ganzen ist also eher gering einzuschätzen.
Mit anderen Worten, es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Studiengebühren nur eingeführt wurden damit einige Nörgler aus den Kreisen der Nicht-Akademiker und Studentenhasser zufrieden gestellt werden.
Bummelstudenten und Unentschlossene wurden übrigens schon vor der Einführung der allgemeinen Studiengebühr über die Langzeitstudiengebühr zur Eile gemahnt. Ich persönlich kannte nur einen echten Bummelstudenten. Es ist nicht so, dass die Unis früher voll davon waren.

Kurzum, wirklich Sinn machen die Studiengebühren in meinen Augen nicht. Ich finde sie nicht nur unnötig sondern auch ungerecht.

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