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11. Oktober 2010 00:10 Uhr
Bildung
FDP will Lehrer nicht mehr länger verbeamten
Lehrer sollen nach dem Willen der baden-württembergischen FDP bei der Einstellung nicht mehr verbeamtet werden. Dafür sprachen sich die Delegierten der Südwest- Liberalen bei einem kleinen Parteitag aus.
FREUDENSTADT (dpa). Einstimmig beschlossen die 100 Teilnehmer am Samstag in Freudenstadt einen neuen Leitantrag zur Bildungspolitik. Die FDP strebt darin außerdem an, dass die Studiengebühren – im Land derzeit 500 Euro je Semester – künftig erst nach Abschluss des Studiums bezahlt werden müssen; außerdem erst ab einer bestimmten Einkommenshöhe.
Die Liberalen sprachen sich zudem für mehr Ganztagsschulen aus – jedoch nur dort, wo sie ausdrücklich gewünscht sind, und nicht verpflichtend an allen Schulen.
Hochschulen sollen nach dem Willen der FDP das Recht bekommen, Studiengänge vom zentralen Vergabeverfahren auszunehmen und ihre Studenten selbst auszuwählen. Außerdem sollen sie neben dem Bachelor und Master auch andere Abschlüsse wie das Diplom verleihen können. Die Studien- und Prüfungsordnungen der reformierten Studiengänge sollen flexibler gestaltet werden können.
Bei der Grundschulempfehlung sollen weiterführende Schulen die Möglichkeit erhalten, auch Kinder aufzunehmen, die keine entsprechende Empfehlung haben. Damit soll die endgültige Entscheidung nicht alleine bei den Eltern liegen.
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Autor: dpa
49 Kommentare
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Gregor Bähr
Registriert seit: 21.07.2010
Kommentare: 338
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11. Oktober 2010 - 01:49 Uhr
Gegenvorschlag zur Nicht-Mehr-Verbeamtung von Lehrern und Lehrerinnen (die gibts tatsächlich auch):
Bei erwiesenem Nichtstun bzw. Arbeitsverweigerung wie im Fall von Schwarz-Gelb im Bund die ersten Monate dieses Jahres bis zur NRW-Wahl sollte die Zahlung von Politikerdiäten ausgesetzt werden können. -
Egon Mayer
Registriert seit: 30.06.2010
Kommentare: 1485
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11. Oktober 2010 - 06:56 Uhr
@Gregor Bähr
Gute Idee. Oder noch besser, im Hinblick auf die Korrektur von Hartz IV: Jeder, der in der Bundespolitik aktiv werden will, muss vorher ein Jahr von Hartz IV gelebt haben... -
Gelöschter Nutzer #775269
Registriert seit: 06.06.2009
Kommentare: 535
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11. Oktober 2010 - 09:24 Uhr
Wer von Lehrern sowieso nicht gewählt wird, kann sich
eine beamtenfeindliche Politik erlauben;) -
Yaz Günü
Registriert seit: 27.02.2010
Kommentare: 110
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11. Oktober 2010 - 11:27 Uhr
Ich finde das eigentlich keine schlechte Idee. Schon lange ärgere ich mich über die LehrerInnen, die scheinbar nach ihrer Verbeamtung jegliche Motivation für ihre Arbeit verlieren. Wobei ich dabei für eine Verbeamtung auf Zeit, zBsp. 4 Jahre plädieren würde. Soweit ich weiß wird das in der Schweiz so praktiziert.
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Nikolaj Blasi
Registriert seit: 01.04.2010
Kommentare: 203
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11. Oktober 2010 - 13:53 Uhr
ich stelle den leitantrag zur namensänderung der fdp in ...
wer hat vorschläge?
fdp quo vadis?
wird so vielleicht versucht ein paar kröten für s21 einzusparen? ;-) -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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11. Oktober 2010 - 14:40 Uhr
@Yaz Günü
„Ich finde das eigentlich keine schlechte Idee. Schon lange ärgere ich mich über die LehrerInnen, die scheinbar nach ihrer Verbeamtung jegliche Motivation für ihre Arbeit verlieren.“
Woher wissen Sie das denn? Gehen Sie noch zur Schule? Ja, dann weiss ich, weshalb die Motivation der Lehrer wirklich dahin ist.
Solange man will, dass Lehrer Noten geben, muss man sie davor schützen, dass sie wegen solcher Urteile entlassen werden. Andernfalls sind Benotungen das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Natürlich wird sich dann jeder Lehrer im Angestelltenverhältnis mit den Eltern „gut stellen“ wollen, die ja jetzt schon mit allerlei Repression drohen, wenn der Lehrer ihre Sprösslinge nicht bevorzugt behandelt.
Was stellen wir Angestellten uns da für ein erbärmliches Zeugnis aus. Ich lasse mich nicht durch Populisten in den Verdacht bringen, ich erbrächte nur gute Leistungen aus Angst vor Entlassung. Welch eine erbärmliche Führungsleistung steckt hinter einer solchen Strategie des Drohens.
Im Grunde genommen will die FDP doch wieder ein weiteres populistisches Lied gegen die „faulen Lehrer“ anstimmen, um verlorenes Terrain auf anderen Politikfeldern zurückzugewinnen. Wer um die 5% herum dümpelt, der muss sich was einfallen lassen. Und Lehrer sind dafür immer gut.
Aber gut, soll die FDP den Lehrern doch das Streikrecht geben. Das heisst es nämlich, wenn man sie nicht mehr verbeamtet.
Wäre meine Tochter auf die Idee gekommen, für das Lehramt zu studieren, ich hätte sie eigenhändig aus der Universität hinaus geprügelt. Ihr jungen Leute, lasst die Finger vom Lehrerberuf! Die Eltern können das alle viel besser.
Niemand sollte sich Tag für Tag dem Gemaule der Schüler und den Beschimpfungen der Eltern aussetzen und es dann noch hinnehmen müssen, für populistische Pöbeleien unfähiger Parteipolitiker herzuhalten. Niemand, ja niemand, sollte den Lehrerberuf ergreifen. Das Verhalten der Parteien macht deutlich, dass man keine Lehrer haben will. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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11. Oktober 2010 - 14:47 Uhr
@Nikolaj Blasi
„wird so vielleicht versucht ein paar kröten für s21 einzusparen?“
Der Schuss ginge dann aber nach hinten los. Denn trotz allem, was die Parteien aus populistischen Gründen gegenüber der Öffentlichkeit erzählen, haben mehrere Studien ergeben, dass der Beamtenstatus mit allen seinen Begleiterscheinungen für den Staat billiger ist als das Angestelltenverhältnis. Dabei genügt der Hinweis, dass sich der Staat dann nicht mehr um die Vorsorge für die Pensionen herumdrücken kann, wie er es bisher tat, indem er keine Pensionsrückstellungen tätigte. Dann muss er nicht nur seinen Anteil in die Rentenversicherung einzahlen, sondern auch seinen Anteil in die Krankenversicherung leisten, wohingegen das bisherige Beihilfesystem ihn günstiger stellt. -
Malte Gross
Registriert seit: 11.10.2010
Kommentare: 1
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11. Oktober 2010 - 16:09 Uhr
Super Idee.. damit Lehrer noch weniger verdienen und noch weniger motiviert bei ihrem Job sind.. Und noch weniger die Ausbildung zum Lehrer antreten.
Ein angestellter Lehrer verdient heute schon gut 1000 Euro weniger wie ein verbeamteter.. Es geht richtung Working poor. Und wenn die Schule, Gesetzgebung und Politik den Lehrern auch noch überall in den Rücken fällt, weil assoziale Eltern nicht einsehen, dass sie bei der Erziehung versagt haben und den Lehrern alle Schuld geben und sie auch noch bedrohen, wenns um Nachsitzen oder sonstige Sanktionen geht, dann seh ich schwarz für Deutschland. -
Michael Müller
Registriert seit: 26.05.2009
Kommentare: 113
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11. Oktober 2010 - 17:17 Uhr
Ist klar, alle die hart arbeiten werden von der FDP schlechter gestellt. FDP Kreise "arbeiten" meistens, wie die Freunde von Herrn Westerwelle in der Finanzbranche, Unternehmenssitz natürlich möglichst in der Schweiz.
Möglicherweise scheitert die FDP an der 5% Hürde.
Weiteres muss man dann nicht mehr sagen. Der eine odere andere Anblick Baden-Württembergischer FDP-Sympatieträger bliebe uns dann auch erspart. -
Daniel Horvath
Registriert seit: 24.06.2010
Kommentare: 228
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11. Oktober 2010 - 18:38 Uhr
@Malte Gross: "Ein angestellter Lehrer verdient heute schon gut 1000 Euro weniger wie ein verbeamteter.. Es geht richtung Working poor."
Haben Sie es auch schon gemerkt? Ja, es geht in Richtung working poor in diesem Land. Und es ist den Leuten so lange sch.... egal, bis es ans eigene Portenmonnaie geht. Und genau das ist der Denkfehler. Denn so braust kein Feuersturm durchs Land, sondern immer nur kleine Glutnester einer zeitlich und berufsgruppenmäßig eingegrenzten Wut. Und diese Glutnester sind für die Politik kein Problem. Die werden einfach ausgetreten. -
Jürgen Müllerschön
Registriert seit: 12.06.2010
Kommentare: 45
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11. Oktober 2010 - 21:22 Uhr
Na klar, hier in Freiburg:
Das Gejaule der vielen Lehrer und Pädagogen in diesem Forum. Warum soll ein Lehrer noch Beamter sein? Hoheitliche Aufgaben? Sollen sie sich wie alle Arbeitnehmer dem heutigen Leistungsdruck stellen, dem ein oder anderen Lehrer würde das sicher auf die Sprünge helfen! -
Nikolaj Blasi
Registriert seit: 01.04.2010
Kommentare: 203
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11. Oktober 2010 - 23:44 Uhr
@ herr müllerschön
in welcher welt leben sie denn bitte?
"die pädagogen sollen sich dem leistungsdruck stellen!"
stimmt: lehrer machen sich jeden tag einen lenz mit ca. 30 menschen in einem (oft zu kleinem) raum und ein haufen arbeit zu hause.
sie dikreditieren hier alle beamte mit solchen äußerungen. -
Bernice Bacheberle
Registriert seit: 27.02.2010
Kommentare: 2062
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12. Oktober 2010 - 10:14 Uhr
Lehrer, die nicht Beamte sind, werden der Willkür ausgesetzt. Sicher gibt es welche, die man irgendwann gerne feuern will und wegen des Beamtenstatus nicht kann, das sind aber ganz wenige.
Die meisten Lehrer sind recht engagiert und versuchen gegen alle Schüler gerecht zu sein. Wenn sie nicht mehr verbeamtet werden, können sie von wenigen einflussreichen Eltern fertig gemacht werden, nur weil sie deren Kinder nicht bevorzugt behandeln wollen!
Der Korruption ist dann Tür und Tor geöffnet, Lehrer werden nicht mehr unparteiisch sein können, wenn sie von arroganten einflussreichen Eltern unter Druck gesetzt werden. Lehrer haben dann Angst, wenn sie Schülern die unverdiente gute Note verweigern!
Davor schützt nur der Beamtenstatus.
Die FDP beweist mit diesem Vorschlag, dass sie an einer Chancengleichheit im Bildungswesen nicht interesssiert ist. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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12. Oktober 2010 - 14:26 Uhr
@Jürgen Müllerschön
„Sollen sie sich wie alle Arbeitnehmer dem heutigen Leistungsdruck stellen, dem ein oder anderen Lehrer würde das sicher auf die Sprünge helfen!“
Ich gehöre zu denen, die sich dem „heutigen Leistungsdruck stellen“. Ich bin nämlich kein Lehrer. Ich habe mich dafür entschieden, eben weil ich nicht täglich einer Prüfungssituation ausgesetzt sein will, um dann noch die Pöbeleien von Eltern und Politikern ertragen zu müssen. Während ich nämlich in meinem Büro sitze und in Ruhe nachdenken darf, ja mich gelegentlich sogar mit meinen Kollegen unterhalte, muss der Lehrer jede Sekunde konzentriert eine Show abspulen, damit die vor ihm sitzenden gelangweilten Zuhörer nicht einfach davonlaufen. Und zu Hause kann er nicht, wie wir, die wir „im feindlichen Leben stehen“ (dreimal kurz gelacht), ausruhen und „abschalten“, nein, er muss sich für das „Theaterstück“ am nächsten Tag vorbereiten. Ich bin selbst nicht Lehrer, aber ich kenne das „faule“ Lehrerleben aus eigener Anschauung. Ich erlebe in meinem Bekanntenkreis „faule“ Lehrer, die dem nächsten Tag „entgegen schlafen“ müssen, um dann wieder den „tosenden Beifall“ ihres interessierten Publikums entgegenzunehmen.
Wer immer den „heutigen Leistungsdruck“ an seinem Platz in der „freien Wirtschaft“ nicht erträgt, war vor Antritt seiner Berufsausbildung in der Lage gewesen, den Weg in die „paradiesische Berufswelt des Lehrers“ einzuschlagen. Warum haben all die Lehrerhasser das nicht getan?
P.S.: „Der heutige Leistungsdruck“ … dass ich nicht lache! -
Jürgen Müllerschön
Registriert seit: 12.06.2010
Kommentare: 45
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12. Oktober 2010 - 17:50 Uhr
@Haberer:
Sparen Sie sich Ihre Polemik. Sie haben das Thema verfehlt. Fakt ist: Das Beamtentum ist heute in vielen Bereichen überholt, dazu gehört auch der Lehrerberuf. Leistungsanreize werden nicht durch eine(nahezu) lebenslange undkündbare Stellung geschaffen. -
Manfred Wangler
Registriert seit: 04.07.2009
Kommentare: 1146
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16. Oktober 2010 - 16:15 Uhr
Kritiker kritiker
Nennen Sie Ihren Namen, sie "Kritiker". Der Beitrag wird wieder gelöscht. -
Erich Senn
Registriert seit: 17.08.2009
Kommentare: 1337
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16. Oktober 2010 - 16:20 Uhr
Mit Sicherheit hätte dieser gegen Lehrer pöpler nicht das Zeug dazu anderen was beizubringen geschweige Beamter zu werden.
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Erich Senn
Registriert seit: 17.08.2009
Kommentare: 1337
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16. Oktober 2010 - 16:27 Uhr
Ich bin der Meinung, man sollte das dumme Geschwätz dieser unter 5% Leute einfach nicht zur Kenntniss nehmen.
Lasst sie ihren Parteitag abhalten irgend jemand verdient daran und das ist wichtig nicht das Geschwätz -
Werner Ketterer
Registriert seit: 17.06.2009
Kommentare: 266
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17. Oktober 2010 - 11:08 Uhr
Das wäre schon lange nötig! Heute werden in Berufen mit ähnlicher Gehaltsstruktur nur noch befristete Verträge abgeschlossen. Das wäre auch im Lehramt hilfreich! Denkbar wären kurze Verträge für junge Lehrer und mit zunehmender Dienstzeit entsprechend längere Kontrakte.
Wie schon weiter oben beschrieben, läßt sich relativ häufig ein Motivationsabschwung nach der Verbeamtung feststellen. Dem könnten Zeitverträge einen wirksamen Riegel vorschieben. Ebenso dem allgegenwärtigen Dienst nach Vorschrift und der Krankheit zwischen den Ferien...
Es ist ja schließlich auch ein Unding, das man Leute verbeamtet ohne die Entwicklung der Schülerzahlen in 20 oder 30 Jahren ahnen zu können. Mit Zeitverträgen könnte man kurzfristiger auf Veränderung bei den Schülerzahlen reagieren.
Und Ihr lieben Lehrer: Es gibt schon gute Gründe, warum der Lehrerberuf einen solche schlechten Ruf hat. Ein Zeitvertrag könnte solche Lehrer aussondern, die eben diesen Ruf verderben. Das kann nur im Sinne all der Pädagogen sein, die ihren Beruf wirklich ernst nehmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass gute Lehrerinnen und Lehrer immer einen sicheren Arbeitsplatz haben werden! -
Stefan Weber
Registriert seit: 17.10.2010
Kommentare: 1
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17. Oktober 2010 - 15:36 Uhr
@Jürgen Müllerschön
1) Wieso ist es ein "Fakt", dass das Beamtentum in vielen Bereichen überholt sei? Könnten Sie das bitte näher begründen?
2) War es Ihrer Meinung nach irgendwann mal angemessen, wieso?
3) Um Leistung durch positive oder negative Sanktionen beeinflussen zu können, muss man sie messen können. Das geht bei einfachen Tätigkeiten auch teilweise recht gut, bei so hochkomplexen wie der eines Lehrers, wo es auch teilweise völlig widerstrebende (aber jeweils oft gut begründete) Meinungen gibt, was genau "guter Unterricht" ist, wird das ziemlich schwer oder gar unmöglich. Und wenn, dann müsste man enorm viel Geld in diese Anreiz und Kontrollstrukturen hineinpumpen... bei den Unis hat man versucht mehr Leistungsanreize zu setzen (ohne genau nachzudenken und viel Geld in die Hand zu nehmen), die Verhältnisse sind aber katastrophal wenn man genau hinschaut (---> "brain drain"), aber das ist ein anderes Thema. Zu was solche tollen Anreizsysteme bei den Bankern geführt haben, braucht man ja gar nicht mehr zu erwähnen...
4) Es gibt genug Menschen, die erst dann zu "Höchstleistungen" kommen können, wenn sie existenzielle Sicherheiten haben, einen Vertrauensvorschuss genießen usw. aber hingegen gelähmt sind und versuchen sich irgendwie durchzumogeln, wenn z.B. immer eine Entlassung droht.
Zu den Wirkweisen von Anreizstrukturen sei folgender Artikel empfohlen:
http://www.bsfrey.ch/articles/338_00.pdf
5) Wie schon von einigen anderen Kommentatoren angemerkt, hat der Beamtenstatus von Lehrern auch andere Gründe, die nichts mit "Leistungsanreizen" zu tun haben.
6) Selbst wenn es so wäre, dass es die Lehrer doch so gut hätten und die anderen Arbeitnehmer so schlecht, wäre es dann nicht eine konstruktivere Überlegung zu versuchen die Arbeitsbedingungen der normalen Arbeitnehmer zu verbessern statt die von Beamten verschlechtern zu wollen? Ich vermute mal, es würde unserer Wirtschaft nicht schaden und unserer Gesellschaft viel nutzen, wenn viele Unternehmen etwas sozialer denken würden und die Mitarbeiter mehr als Personen und weniger als "Humankapital" oder ähnliches sehen würden, ihnen insbesondere mehr Arbeitsplatzsicherheit geben würden...
7) Wie oben schon erwähnt, könnte eine einigermaßen durchdachte Umstellung vom Beamten auf das Angestelltenverhältnis für Lehrer ziemlich teuer werden, da man dann die Lehrergehälter wohl ziemlich erhöhen müsste, denke ich. Ich bin Physiker (kein Lehrer) und kenne einige Kollegen, die (aus Überzeugung) in den Schuldienst sind oder sich dies überlegen. Aber wenn keine Aussicht auf eine Verbeamtung und die damit einhergehende existenzielle Sicherheit bestünde, hätten wohl die wenigsten diesen Schritt gewagt, trotz ihres intrinsischen Interesses am Lehrerberuf: Wegen den im Vergleich zur Industrie und Wirtschaft recht niedrigen Gehälter im Lehrerberuf wären die Arbeitsbedingungen für viele einfach zu unattraktiv gewesen. -
Werner Ketterer
Registriert seit: 17.06.2009
Kommentare: 266
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17. Oktober 2010 - 16:58 Uhr
@ weber
Herr Müllerschön hat durchaus Recht. Beamte erfüllen hoheitliche Aufgaben - Polizei, Richter etc. sind dazu gute Beispiele. Bahn- und Postbeamte erfüllen keine solche Aufgaben, folglich hat man diesen Status auch gestrichen.
Lehrer erfüllen lediglich in einem Punkt einen hoheitlichen Auftrag: Beim Erteilen von Schulnoten. Da jedoch der jeweilige Schulleiter die Zeugnisse auch unterschreibt, wäre es ausreichend, wenn der Schulleiter Beamter wäre.
Also unabhängig davon, ob man die FDP mag oder nicht: Der Schulbetrieb würde qualitativ wesentlich verbessert werden, wenn die daran Beteiligten nicht schon mit 28 für den Rest ihres Lebens ausgesorgt hätten. Kein Bauingenieur hat heute mehr einen Dauerjob - aber haben wir deshalb weniger Leute im leitenden Baugewerbe oder fallen unsere Hochhäuser zusammen? -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 09:54 Uhr
@Werner Ketterer
„Kein Bauingenieur hat heute mehr einen Dauerjob - aber haben wir deshalb weniger Leute im leitenden Baugewerbe oder fallen unsere Hochhäuser zusammen?“
Das sind seltsame Thesen. Sind unsere Häuser deshalb sicher, weil man den Ingenieuren schon bei Vertragsabschluss mit Entlassung droht? Ist das ständige menschenunwürdige Bedrohen von Mitarbeitern das Einzige, was einem vorschwebt, wenn man Lehrer aus dem Beamtenverhältnis jagen will?
Gut, Lehrer sind nicht gewollt, dann sollten junge Menschen auch nicht den Lehrerberuf ergreifen. Wer einen Lehrer nur unter dem Aspekt betrachtet, unter welchem Vorwand er ihn gleich wieder entlassen kann, der sollte dessen Arbeit selbst übernehmen.
Mein Gott, längst ist die Mär, dass Drohen ein geeignetes Führungsinstrument ist, auf dem Misthaufen gelandet. Kein Mensch erbringt gute Leistungen deshalb, weil er Angst vor Entlassung hat, macht allerdings umso mehr Fehler, je grösser seine Angst ist. Hingegen erbringen Menschen an einem Arbeitsplatz mit gutem Klima und einem Gefühl der Sicherheit nicht nur bessere Leistungen, sondern arbeiten weitaus kreativer. Kreativität wird durch Drohung mit wirtschaftlichem Ruin hingegen unmöglich.
Es ist ja nicht das Angestelltenverhältnis, das einen Lehrer schrecken muss, es ist vielmehr die Absicht, weshalb man es einführen will: Man will nicht bessere Lehrer beschäftigen, man will Lehrer nur noch mehr gängeln und unter Druck setzen können als jetzt schon. Man giert schlicht und ergreifend nach dem Knüppel der Entlassung. Menschen schikanieren als Hauptziel der Arbeitswelt, das ist das moderne Kredo der neoliberalen FDP, was hinter diesem Heuern und Feuern steht.
Aber wenn man schon die Lehrer aus dem Beamtenverhältnis jagen will, dann sollte ihnen auch die freie Wahl des Arbeitsortes zustehen, den sie bisher nicht haben. Dann könnten sie auch gewissen Missmanagern in Schulleitung und vorgesetzter Behörde entfliehen, indem sie sich einfach eine neue Stelle suchen, wie das auch Beschäftigte in der „freien Wirtschaft“ tun, die von vorgestrigen Führungsmethoden die Nase gestrichen voll haben.
Wenn denn der Schulleiter Ihrer Meinung nach als Unterzeichner der Zeugnisse allein Beamter sein sollte (der ist übrigens auch Lehrer), dann soll er gefälligst die Noten auch selbst machen, damit die angestellten Lehrer nicht erpressbar sind.
P.S.: Ich habe übrigens keinen „Job“, ich habe einen Beruf. Wer nur einen „Job“ bekleiden will, der ist allerdings ständig auf der Wanderschaft. Nur wie vertrauensvoll sind Arbeitsverhältnisse, deren Kündigung faktisch schon bei der Einstellung ausgesprochen werden? -
Bernice Bacheberle
Registriert seit: 27.02.2010
Kommentare: 2062
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18. Oktober 2010 - 09:59 Uhr
Die meisten Kommentierer, die den Lehrer nicht mehr verbeamtet sehen wollen, sind nur neidisch auf die Sicherheiten und die Ferien. Mit der Arbeitsbelastung eines Lehrers, der dafür auch noch relativ schlecht bezahlt ist, will niemand was zu tun haben. Ich kenne eine Lehrerin, die nach ihrem Burnout als Lehrerin in die Verwaltung kam. Sie kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Belastungen so stark zurückgegangen sind. Der Bürojob ist ein Klacks gegen die sehr hohen Belastungen als Lehrer!
Dazu muss man auch wissen, dass Lehrer in den Ferien nicht immer "frei" haben, denn wer Familie hat, schafft es nicht, unter der Woche alle Korrekturen zu erledigen, da fällt einiges am Wochenende an. Ebenso die komplizierten Schulberichte sind hauptsächlich in den Weihnachts- und Pfingstferien dran. Dazu kommt noch, dass die Neiddiskussion dazu geführt hat, dass man verlangt, dass Weiterbildung in den Ferien stattfinden soll oder Pädagogische Tage außerhalb der Unterrichtszeit. In anderen Berufen findet Weiterbildung auch während der Arbeitszeit statt. Oder die Vorschrift, einen sinnlos vergeudeten Nachmittag in der Schule herumzusitzen, wo man seine Arbeiten nicht korrigieren kann, weil man im gleichen Raum mit den Kollegen ist und keine Ruhe zum Arbeiten hat, auch dann nicht, wenn gar keine Konferenz angesetzt ist.
Schließlich haben viele Frauen diesen Beruf gewählt, weil ein Teil der Arbeit zu Hause stattfinden kann, während die eigenen Kinder schlafen. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 10:02 Uhr
@Jürgen Müllerschön
„Leistungsanreize werden nicht durch eine(nahezu) lebenslange undkündbare Stellung geschaffen.“
Entlassungen sind keine Leistungsanreize, sondern die Leistungsbremsen schlechthin. Das will der natürlich nicht wahr haben, dessen Haupttätigkeit das Unterschreiben von Briefen ist, die andere haben schreiben müssen, unter denen dann eben auch Kündigungen sind. Wer aber nicht zu denen gehört, die sich ihr Geld mit Entlassungen verdienen, sondern zu denen, die arbeiten, der weiss schon, wie unfähig solche Leute an der Führungsspitze sind, an der sie sich um so länger halten, je öfter sie Menschen in die Arbeitslosigkeit treiben. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 10:25 Uhr
@Werner Ketterer
„Das wäre schon lange nötig! Heute werden in Berufen mit ähnlicher Gehaltsstruktur nur noch befristete Verträge abgeschlossen. Das wäre auch im Lehramt hilfreich!“
Das ist doch völlig aus der Luft gegriffen. Dieser Unfug wird nur bei jungen Ärzten betrieben. Niemand weiss genau, weshalb es gut sein soll, einen Arzt ständig in unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen zu halten. Statt dass er in einem gesicherten Umfeld kontinuierlich immer gefestigter Erfahrungen sammeln kann, befindet er sich über Jahre in einer Dauerlehre, die ihn zwingt, immer wieder von vorne anzufangen. Und welche Zukunftsperspektiven haben diese jungen Menschen? Von den gleichen Konservativen, die Menschen, die dringend gebraucht werden, dem Heuern und Feuern aussetzen wollen, wird der stetige Rückgang der Geburten beklagt, namentlich bei Menschen mit höherer Qualifikation. Junge Menschen, die ständig vor der Arbeitslosigkeit stehen, wären ja verantwortungslos, setzten sie Kinder in die Welt. Und so sind gerade Akademiker heute gar nicht mehr in der Lage, Kinder zu haben, es sei denn sie nähmen das Risiko auf sich, in einem Alter Kinder zu bekommen, in dem eine Schwangerschaft schon riskanter als in jüngeren Jahren ist.
Ich glaube, es war nötig, auch diesen Aspekt anzusprechen. Der ist nämlich wichtiger als eine Arbeitswelt, die immer mehr zum Selbstzweck degeneriert. Früher arbeitete man für das Leben, die Radikalkapitalisten lassen unser Leben heute aber zu einem verkommen, das nur dem Arbeiten für andere dient. Und am Ende fragen sich diese Radikalkapitalisten, wo denn all die Menschen sind, die sie für sich arbeiten lassen wollten. Ja, von nichts kommt nichts. Noch ist es nicht so einfach, sich mit Geld Menschen zu backen. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 10:39 Uhr
@Werner Ketterer
„Ich bin fest davon überzeugt, dass gute Lehrerinnen und Lehrer immer einen sicheren Arbeitsplatz haben werden!“
Nur entscheiden die darüber, was ein guter Lehrer ist, die Heuern und Feuern für ein geeignetes Führungsinstrument halten. Und deren Urteilungsvermögen ist schon in der „freien Wirtschaft“ nicht sonderlich hoch eigeschätzt.
Also, lassen wir es besser beim Alten. Angepasste Radfahrer haben wir in der von Radikalkapitalisten bestimmten Welt nun schon genug.
P.S.: Sie widersprechen sich. Im einen Satz fordern Sie befristete Arbeitsverträge, während Sie am Schluss meinen, Lehrer könnten einen sicheren Arbeitsplatz finden. Das ist aber ein befristeter Arbeitsplatz nicht. Das einzige, was daran sicher ist, das ist die anschliessende Arbeitslosigkeit. Aber wir haben genug Hartz-IV-Lebensläufe. Die muss man nicht noch institutionalisieren. Eine gute Binnenkonjunktur ist übrigens auch von sicheren Arbeitsplätzen abhängig. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 10:55 Uhr
@Werner Ketterer
„wenn die daran Beteiligten nicht schon mit 28 für den Rest ihres Lebens ausgesorgt hätten.“
Wenn ich als Angestellter das Gefühl hätte, ich hätte bis an den Rest meines Lebens nur Sorgen, dann nähme ich mir besser einen Strick, als mich jeden Morgen an den Arbeitsplatz zu schleppen, wo bereits jemand gierig lechzend wartet, der mich auf die Strasse setzen will.
Man hat nicht deshalb ausgesorgt, weil man ein festes Anstellungsverhältnis hat. Die Angst des Lehrers ist nicht die vor der Entlassung, sondern die vor der fehlenden Anerkennung, die ihn sein ganzes Leben begleitet. Es gibt keine „guten“ Lehrer, weil im öffentlichen Dienst niemand „gut“ bewertet wird. Es gibt nur eine Rückmeldung im öffentlichen Dienst, und das ist der Tadel wegen eines tatsächlichen oder behaupteten Fehlers. Und über Lehrer behaupten solche Fehler nicht nur Berufene, sondern weitaus mehr Unberufene wie etwa Schüler, Eltern, Journalisten oder Politiker. Der Lehrerberuf ist neben dem des Fussballtrainers der, von dem die wenigsten etwas verstehen, aber alle etwas verstehen wollen. Deshalb auch kann es dieses Forum geben.
Der Lehrer ist der geborene Prügelknabe, der als Blitzableiter für die Unfähigkeit der den öffentlichen Dienst steuernden Politiker dient. Deshalb ist auch der unter Verletzung der Menschenwürde und aller Regeln des Datenschutzes bewusst von Gerichten geduldete öffentliche Internetpranger für Lehrer gewollt, der bewusst Lehrern das Menschsein abspricht. So lange auf Lehrer eingedroschen werden darf, wird sich die Kritik für die Missstände im Bildungswesen nicht gegen die Verantwortlichen richten. Und zu denen gehören eben auch Politiker wie die der FDP, die an Landesregierungen beteiligt sind. Zu allen Zeiten bot man dem Pöbel Prügelknaben an, um ihn ruhig zu halten. Heute dienen dazu Lehrer. -
Werner Ketterer
Registriert seit: 17.06.2009
Kommentare: 266
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18. Oktober 2010 - 12:38 Uhr
@ Herr Haberer
Da haben sie sich aber schwer ins Zeug gelegt!
Man versucht natürlich, die Pfründe zu erhalten, die man mal erlangt hat. Aber ist das noch zeitgemäß? Der Versuch, die Privilegien der verbeamteten Lehrer zu verteidigen, zeigt doch eigentlich nur, dass man sich in dieser sozialen Hängematte sehr wohl fühlt und Angst davor hat, daraus vertrieben zu werden. Von Heuern und Feuern kann dabei gar keine Rede sein: Ein guter Lehrer wird immer einen Arbeitsplatz haben, den wird man immer brauchen! Und es kann einem guten, engagierten Lehrer doch auch nicht Recht sein, wenn er die Arbeit eines bequemen und inkompetenten Lehrers mit erledigen muss, der nebenbei für sein Nichtstun auch noch recht gut bezahlt wird!
Die Möglichkeit, Lehrer zu entlassen, muss dringend geschaffen werden - ohne dass man das gleich als Drohung auffassen muss. Welche Arbeitsmoral herrscht denn in dieser Berufsgruppe, wenn die Möglichkeit einer Entlassung bedrohlich aufgefasst wird?
Es wäre sicherlich auch im Lehrerberuf hilfreich, wenn man sich an den Realitäten des 21. Jahrhunderts orientieren würde und nicht an denen des 19. Jahrhunderts. Man erwartet, dass Lehrer die Kinder aufs Leben vorbereiten - aber gerade wegen der sozialen Hängematte habe ich stark den Eindruck, dass viele Lehrer gar nicht mehr wissen, was im Arbeitsleben heutzutage vor sich geht.
Jeder Arbeitnehmer in Industrie und Handel unterliegt der Möglichkeit, entlassen zu werden - das ist eine Selbstverständlichkeit.
Und jeder Arbeitnehmer in Industrie und Handel ist mehr oder weniger gezwungen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich, für mein Teil, habe einen Beruf gelernt, den es heute gar nicht mehr gibt. Oder was macht ein Bäcker, den nach jahrelanger Arbeit plötzlich eine Mehlallergie überfällt?
Hier bleibt eben nur eine Umschulung - intelligente Leute, wie es Lehrer eigentlich sein sollten, dürfte es doch nicht schwer fallen, sich neu zu orientieren, wenn es für sie kein Bedarf an den Schulen mehr geben sollte (was ich mir allerdings heute nicht vorstellen kann). -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 15:40 Uhr
@Werner Ketterer
„Der Versuch, die Privilegien der verbeamteten Lehrer zu verteidigen, zeigt doch eigentlich nur, dass man sich in dieser sozialen Hängematte sehr wohl fühlt“
Ich weiss nicht, welche Hängematte Sie auf mich gemünzt meinen.
Ja, ich liege in einer solchen, aber nicht in der vermeintlichen der Lehrer, sondern in jener der immer wieder beschworenen „freien Wirtschaft", und in der fühle ich mich jeden Tag wohler, je öfter ich die Hetze gegen Lehrer höre, die in krassem Gegensatz zu deren stetigem Bemühen steht, denen etwas beizubringen, die oft von ihren „kritisierenden“ Eltern unterstützt nichts lernen wollen.
Nehmen Sie den Lehrern die Pflicht, sich durch Benotung in Gefahr zu bringen. Dann können Sie mit der Keule des Angestelltenverhältnisses drohen, was allerdings dem Steuerzahler eine ganze Stange mehr Geld kosten wird. Zum anderen sage ich nochmal: Wer immer den Lehrern ihren Beruf und deren Beamtenstatus neidet, dem stand der Weg offen, diesen Beruf zu ergreifen. Warum denn nur nahmen so viele den „steinigen Weg“ der „freien Wirtschaft“ auf sich und ergriffen stattdessen nicht diesen bequemen Beruf, in dem sie doch ihr Geld im Schlaf verdienen könnten?
Nein, man mag mir bitte nicht erzählen, dass das alles aus Selbstkasteiung geschah. Denn noch gilt das Sprichwort „Was ich selber treib und tu, das trau ich jedem andern zu“.
P.S.: Auf das „Privileg“, täglich angespuckt zu werden (mittlerweile kann man das auch wörtlich nehmen), haben wohl viele verzichten wollen. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
Kommentare: 1754
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18. Oktober 2010 - 15:50 Uhr
@Werner Ketterer
„Welche Arbeitsmoral herrscht denn in dieser Berufsgruppe, wenn die Möglichkeit einer Entlassung bedrohlich aufgefasst wird?“
Also nur Entlassende halten das Drohen mit Entlassung für moralisch. Ich halte es, milde gesagt, für ein Zeichen der Unfähigkeit, Menschen einzusetzen, deutlich gesagt aber für Erpressung. Ein Vorstellungsgespräch, in dem der Personalchef mich davor warnte, dass ich entlassen werden könnte, würde ich kommentarlos verlassen. Das betrachtet jeder halbwegs kultivierte Mensch als Beleidigung. Entlassungen haben nichts mit konstruktiver Personalführung zu tun, mit Motivation zur Leistung schon gar nicht. Ein Mensch, dessen Leistung defizitär ist, wird nach der Drohung mit Entlassung endgültig versagen, der Leistungsfähige hingegen an Leistungsfähigkeit verlieren, wenn er denn nicht gescheit genug ist, eine so miserabel geführte Firma schleunigst zu verlassen. Was bleibt dann also dem Entlassungsfanatiker: Die Leistungsfähigen sagen ihm Tschüss, die Leistungsschwachen quälen sich an ihren Arbeitsplatz und leisten noch weniger. Das sind blendende Aussichten einer negativ motivierten Arbeitswelt. -
Walter Haberer
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18. Oktober 2010 - 16:05 Uhr
@Werner Ketterer
„Hier bleibt eben nur eine Umschulung - intelligente Leute, wie es Lehrer eigentlich sein sollten, dürfte es doch nicht schwer fallen, sich neu zu orientieren,“
Natürlich könnten die das. Aber es geht doch bei der Absicht, Lehrer zu Angestellten zu machen, darum, den Schulalltag zu gestalten, nicht die Lehrerzimmer zu leeren, wenn ich das gutwillig interpretieren soll. Aber vermeintliche Mängel an den Schulen dadurch beheben zu wollen, dass man es ermöglicht, Lehrer auf die Strasse zu jagen, das deutet nicht gerade auf ein ausgearbeitetes Konzept hin. Natürlich gibt es überall Menschen, die mehr oder weniger leisten, wohl gemerkt mehr oder weniger leisten, nicht aber mehr oder weniger wert sind, wie es in ziemlicher Selbstverständlichkeit durchscheint, wenn man diese Diskussion hier so verfolgt. Aber gute Führungskräfte verstehen es, aus allen Menschen Fähigkeiten herauszuholen. Nur der Leistungsverweigerer wird von solchen Kräften entlassen.
In Sachen Lehrer fehlt schon das Kriterium, was einen schlechten Lehrer ausmacht, zumindest aus Sicht derer, die sich hier äussern, und das sind durch die Bank pädagogische Laien. Jedenfalls käme ich nicht auf die Idee, in eine Schreinerwerkstatt zu gehen und vom Firmeninhaber die Entlassung eines seiner Mitarbeiter zu verlangen. Bei Lehrern und anderen öffentlich Bediensteten geht alles, worauf sonst niemand käme. Liegt das bei Lehrern eventuell auch daran, dass man es rückwirkend seinen eigenen Lehrern heimzahlen will? Und schwimmen vielleicht deshalb nicht alle auf dieser Welle, weil nicht alle Grund haben, ihren Lehrern etwas heimzuzahlen entweder, weil sie für ihre Schwächen nicht die Schuld bei anderen suchen oder weil sich ihre Schwächen in Grenzen hielten? -
Walter Haberer
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18. Oktober 2010 - 16:16 Uhr
@Werner Ketterer
Haben Sie sich eigentlich schon einmal darüber Gedanken gemacht, welch „hervorragende“ Wirkung solche Foren auf die Schüler haben, die ohnehin schon nicht sonderlich darauf erpicht sind, „ihre Zeit“ auf der Schulbank zu „verschwenden“? Welcher Schüler wird denn dem so durch die Erwachsenen jeglicher Reputation entkleideten Lehrer noch zuhören, einem Lehrer, der nach Aussage dieser Erwachsenen noch weniger weiss als dieser Schüler selbst? -
Werner Ketterer
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19. Oktober 2010 - 08:34 Uhr
Sie kämen nicht auf die Idee, von einem Schreinermeister zu verlangen, seinen Mitarbeiter zu entlassen!?
Die Aussage zeigt doch, dass Sie gar nicht verstanden haben, um was es geht! Niemand, der außerhalb des Schulbetriebes steht, kann und darf einen Lehrer entlassen oder diesen zur Entlassung vorschlagen - ich dachte, dass das eigentlich nicht der Kommentierung bedarf. Aber eine Entlassung sollte möglich sein. Da ich seit über 35 Jahren an einer Schule arbeite, kann ich schon genug Fälle schildern, die auch Ihnen die Haare zu Berge stehen lassen würden.
Das ist aber auch kein Wunder - gerade im letzten Jahrhundert hat der real existierende Sozialismus deutlich gezeigt, wohin es mit der Motivation der Menschen geht, wenn sie allseits rundum versorgt sind und sich Leistung eigentlich nicht lohnt.
Aber ich kann sie trösten: Der privilegierte Stand des beamteten Lehrers wird wohl kaum verändert - kommen doch diejenigen, die das bestimmen, nämlich die Politiker in den Parlamenten, selbst zu einem überwiegenden Teil aus dem Kreis der Lehrerschaft. -
Yaz Günü
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19. Oktober 2010 - 13:26 Uhr
Es geht doch gar nicht darum, dass LehrerInnen nach Lust und Laune entlassen oder weniger bezahlt werden sollen.
Es geht darum, dass auch an diese Berufsgruppe ein Anspruch getragen wird, eine qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit zu leisten und das nicht nur bis zum Zeitpunkt der Verbeamtung auf Lebenszeit.
Ich finde es sollte auch möglich sein, LehrerInnen, die ihre Arbeit nicht richtig machen und beispielsweise ihrem pädagogischen Auftrag nicht nachkommen oder diesen missbrauchen, (dafür muss auch Qualitätsmanagement an Schulen eingeführt werden) zu entlassen und nicht nur an eine andere Schule zu versetzen. -
Walter Haberer
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19. Oktober 2010 - 13:49 Uhr
@Werner Ketterer
„Da ich seit über 35 Jahren an einer Schule arbeite, kann ich schon genug Fälle schildern, die auch Ihnen die Haare zu Berge stehen lassen würden.“
Und Sie wissen natürlich auch schon ganz genau, welchen Ihrer Kollegen Sie zur Entlassung vorschlagen würden?
Natürlich kennen wir aus den bekannten Quasselsendungen (neudeutsch „Talkshows“) zahlreiche „ frühere Praktiker aus dem Schuldienst“, die irgendwann die „Unfähigkeit ihrer Kollegen“ wohl so satt hatten, dass sie glaubten, der Schule ihre „unentbehrlichen Fähigkeiten“ auf Dauer vorenthalten zu sollen, weshalb sie statt dessen ein Buch über die „unfähigen Kollegen“ schrieben. Und damit sich dieses Buch verkauft, tingeln sie nun durch einschlägige TV-Shows, um dafür zu werben. Ist doch schön, dass es so selbstlose Bürger noch gibt.
35 Jahre Schuldienst … Darf ich raten: Sie stehen kurz vor der Pensionierung, so dass die Abschaffung des Berufsbeamtentums Sie nicht mehr trifft? Richtig so, nur was einen selbst nicht trifft, kann man mit der nötigen Neutralität auch fordern.
So gut kenne ich das Lehrerleben schon, um zu wissen, dass wie überall Kollegialität, die den Namen verdient, auch dort verpönt ist. Auch Lehrer profilieren sich lieber auf Kosten der anderen. Kein Lehrer, der noch halbwegs bei Verstand ist, wird einen Kollegen um Hilfe bitten. Fragen ist auch bei Lehrern identisch mit „sich für unfähig“ erklären. Und so sammelt man lustig die Minuspunkte der Kollegen.
Was hielten Sie davon, wenn sich Lehrer künftig weniger gegenseitig kontrollierten, dafür aber umso intensiver in jeder Hinsicht unterstützten? -
Walter Haberer
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19. Oktober 2010 - 14:01 Uhr
@Werner Ketterer
„wohin es mit der Motivation der Menschen geht, wenn sie allseits rundum versorgt sind und sich Leistung eigentlich nicht lohnt.“
Sie gehen einfach auf Thesen nicht ein, die Ihrer Auffassung widersprechen, nur Drohungen könnten zur Leistung motivieren. Es ist doch schlicht primitiv, nur dann eine Leistung zu erwarten, wenn sie sich finanziell lohnt. Wer es sich antut, für das Lehramt zu studieren, der denkt doch nicht ans Geld. Dann würde er nicht Lehrer werden, sondern ginge als Diplomabsolvent in die Wirtschaft. Dort lohnt es sich. Der Lehrerberuf lohnt nie, weder in materieller Hinsicht noch in ideeller Hinsicht, sofern man einen Dank erwartete. Den bekommt ein Lehrer weder von seinen Schülern noch von Eltern, von Politikern nicht zu reden. Wenn ein Lehrer aus dieser Richtung überhaupt etwas hört, dann die Beschwerden leistungsschwacher Schüler oder deren Eltern wegen der vermeintlich ungerechterweise zu schlechten Note.
P.S.: Ihre Anspielung auf die „leistungsunwilligen“ Ostdeutschen können Sie sich übrigens sparen. Deren Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft ist so gross, dass sie als Konkurrenten am Arbeitsmarkt schon wieder schief angesehen werden, was man übrigens seinerzeit als Flüchtling ebenfalls erlebte. Im Übrigen arbeiteten die Ostdeutschen noch 43 Stunden pro Woche, als die Westdeutschen schon längst die 35-Stundenwoche hatten. Und es ist nicht ihre mangelnde Leistungsfähigkeit, die sie weniger produktiv machte, sondern die weitaus miserablere Anlagenausstattung, die wiederum zur Folge hatte, dass Arbeiten im Osten erheblich beschwerlicher war als im Westen. -
Walter Haberer
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19. Oktober 2010 - 14:21 Uhr
@Yaz Günü
„(dafür muss auch Qualitätsmanagement an Schulen eingeführt werden)“
Ich möchte bloss einmal wissen, woher das Märchen kommt, die Tätigkeit der Lehrer werde nicht kontrolliert? Das Gegenteil ist der Fall: In keinem anderen Beruf wird ein Mitarbeiter während seiner Arbeit von einem Vorgesetzten beobachtet und anschliessend beurteilt, was im Zweifel zur Verweigerung der Beförderung oder eben der Verbeamtung führt. Ja, vor der Übernahme ins Beamtenverhältnis erhält ein Lehrer Unterrichtsbesuch. Nein, liebe heutige und gewesene Schüler, der Schulrat kommt nicht zu Euch, der will nicht Euch benoten, sondern Euren Lehrer.
Selbiges habe ich in meinem Beruf noch nie erlebt. Meine Beurteilung fand immer in einem freundlichen Gespräch mit meinem Chef am Ende des Jahres statt. Stünde er hingegen während meiner Arbeit neben mir, würde ich ihn fragen, was ich denn für ihn tun könne.
Was, wenn ein Lehrer doch erst Beamter wird, wenn er seine Befähigung nachgewiesen hat, soll denn dann noch das Angestelltenverhältnis an dieser seiner Befähigung verbessern? Und wenn es nicht darum geht, Lehrer feuern zu können, wozu dient die Abschaffung des Berufsbeamtentums denn dann?
Es ist offenbar gar nicht bekannt, welche Anforderungen jemand erfüllen muss, der ins Beamtenverhältnis übernommen werden will. Da genügt nicht der Nachweis der entsprechenden Examina oder die erfolgreiche Absolvierung besagter praktischer Prüfung, nein, es werden auch noch strenge gesundheitliche Anforderungen gestellt. So kann etwa Übergewicht der Verbeamtung im Wege stehen. Und wenn man all diese teils entwürdigen Klippen umschifft hat, muss man sich von Menschen, die ihre eigenen Kalauer auch noch glauben, vorhalten lassen, man verdiene sein Geld im Schlaf, nur weil man nicht Hartz-IV-Empfänger werden kann, als gehöre das zum normalen Leben einfach dazu.
Wäre es nicht besser, dafür zu sorgen, dass niemand mehr in solch entwürdigenden Umständen leben muss, als „Gerechtigkeit“ dadurch herstellen zu wollen, dass es allen andern auch schlecht geht? Wem nützt das denn? -
Walter Haberer
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19. Oktober 2010 - 14:30 Uhr
@Yaz Günü
„eine qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit zu leisten und das nicht nur bis zum Zeitpunkt der Verbeamtung auf Lebenszeit.“
Offenbar habe ich die Schule auf einem anderen Stern besucht, ohne es bemerkt zu haben. Meine Lehrer waren allesamt Beamte. Aber nicht einer leistete weniger als hochwertige pädagogische Arbeit.
Allerdings fiel mir seinerzeit nicht ein, den Lehrer zu beschuldigen, wenn ich aus Faulheit eine Fünf geschrieben hatte. -
Werner Ketterer
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19. Oktober 2010 - 14:49 Uhr
@ Herr Haberer
Na gut, lassen wir das. Sie lesen in die Beiträge Sachen hinein, die so nie dringestanden haben, ergo erübrigt sich eine weitere Debatte.
Zur Aufklärung:
1. Die Möglichkeit einer Kündigung besteht bei nahezu 80-90% aller Arbeitnehmer, ohne dass dies eine Drohung bedeutet.
2. An einer Schule zu arbeiten heißt nicht, Beamter zu sein.
Ich möchte die Erfahrungen, die ich da gemacht habe, nicht auf dem Niveau einer Talk-Show reduziert sehen, das ist abwertende Unterstellung.
3. Genausowenig möchte ich die Menschen in Ostdeutschland, Polen, Russland, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen in irgendeiner Form persönlich diskriminieren. Allein das Wirtschaftssystem, in dem sie gelebt haben, ist zusammengebrochen - und warum wohl?
Fazit: Ich habe hier viele Meinungen gelesen, warum man Lehrern den Beamtenstatus nicht entziehen sollte. Das meiste davon war lediglich auf Besitzstandswahrung aus. Keiner hat auch nur annähernd begründet, wo die hoheitliche Aufgabe eines Lehrers liegt, welcher den Beamtenstatus rechtfertigt.
In diesem Sinne, Herr Haberer, wünsche ich Ihnen alles Gute! -
Helene Zakorzki
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19. Oktober 2010 - 20:06 Uhr
Artikel 33 Abs. 4 Grundgesetz lautet: "Die Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse ist als ständige Aufgabe in der Regel Angehörigen des öffentlichen Dienstes zu übertragen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen."
Lehrer haben nicht als ständige Aufgabe die Ausübung hoheitlicher Befugnisse, müssen also tatsächlich nicht Beamte sein.
Ob Angestellte im öffentlichen Dienst oder Beamte sich günstiger stellen, hängt von der Einzelfallbetrachtung ab und kann nicht pauschal beurteilt werden.
Andererseits ist es auch nicht verboten oder geboten, Lehrer nicht als Beamte zu beschäftigen.
Es handelt sich hier letztendlich um eine politische eventuell sogar ideologische Entscheidung.
Ein wesentlicher Unterschied ist dabei allerdings zu bedenken:
Wenn alle Lehrer Angestellte sind, bleibt es ihnen selbstverständlich unbenommen, flächendeckend zu streiken, was Beamten bekanntlich verboten ist.
Die Auswirkungen eines solchen Streiks haben wir kürzlich bei den Kindergärtnerinnen gesehen.
Angestellten Lehrern bietet sich durch solche Arbeitskampfmaßnahmen durchaus die Möglichkeit, ihre Gehälter auf diese Art deutlich zu verbessern. -
Walter Haberer
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20. Oktober 2010 - 10:32 Uhr
@Werner Ketterer
„Keiner hat auch nur annähernd begründet, wo die hoheitliche Aufgabe eines Lehrers liegt, welcher den Beamtenstatus rechtfertigt.“
Also ich behaupte mal, die Benotung eines Schülers hat mindesten den Stellenwert, den man dem Blasen in ein Röhrchen bei der Polizei beimisst. Letzteres entscheidet gerade Mal über ein vorübergehendes Fahrverbot, erstere kann den Lauf eines ganzen Lebens beeinflussen. Es versteht sich von daher, dass auf die Notengebung immer wieder Einfluss genommen wird mit all den dafür zur Verfügung stehenden Mitteln. Die simpelste Methode, und mit der haben wir es hier im Forum zu tun, ist, die schlechte Note als Beleg für die Unfähigkeit des Lehrers zu nehmen, die andere das sind allerlei Pressionen. Und die Drohung eines Prominenten oder einer „lokalen Grösse“, dafür zu sorgen, dass der unbotmässige Lehrer aus dem Schuldienst verschwindet, ist sehr real, wie real, das beweisen Fälle, in denen das Schulamt davor zurückschreckte, einem Lehrer Rückendeckung gegen klagende Eltern zu geben, nachdem dieser im Interesse der Sicherheit der anderen hatte einschreiten müssen. Die vorgesetzten Dienststellen, das zeigt sich immer wieder, gehen gegenüber Eltern und ihren „Beziehungen“ regelmässig den Weg des geringsten Widerstandes, und der liegt beim untergebenen Mitarbeiter. Leute zu feuern ist billiger als zu prozessieren. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
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20. Oktober 2010 - 10:51 Uhr
@Werner Ketterer
„Die Möglichkeit einer Kündigung besteht bei nahezu 80-90% aller Arbeitnehmer, ohne dass dies eine Drohung bedeutet.“
Also, nochmal zum Mitschreiben: Die, welche den Beamtenstatus für Lehrer abschaffen wollen, haben nicht deutlich machen können, welchen Einfluss diese Massnahme auf die Qualität der Lehrertätigkeit haben sollte. Es gibt zwei Faktoren, welche im Wesentlichen den Unterschied zwischen dem Angestelltenverhältnis und dem des Beamtenstatus ausmachen:
1. Die Kündbarkeit: Zu der sagen Sie, dass Drohen mit Kündigung das Ziel dieser Massnahme nicht sei.
2. Das Gehalt: Das ist bei angestellten Lehrern niedriger als bei beamteten. Wie aber soll ein niedrigeres Gehalt zu mehr Leistung motivieren?
Dass Lehrer nichts oder wenig leisten, ist eine Stammtischbehauptung oder eine Behauptung zur Entlastung unfähiger Bildungspolitiker. Sie wird selten oder nie von erfolgreichen Schülern oder deren Eltern erhoben, sondern regelmässig von schwachen Schülern und deren Eltern, kann also auch eine Schutzbehauptung sein.
P.S.: Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedeutet immer die Gefahr des wirtschaftlichen Ruins. Schon aus Verantwortung seiner Familie gegenüber muss der Arbeitnehmer es als Drohung empfinden, die Kündigung in Aussicht gestellt zu bekommen. Zum anderen reden doch alle lehrerfeindlichen Kommentatoren genau davon, dass es sie störe, dass Lehrer nicht entlassen werden könnten. Was auch sonst sollte die Umwandlung einer Anstellung auf Lebenszeit in ein kündbares Arbeitsverhältnis denn bewirken?
Da in der Kündbarkeit der einzige Unterschied zum Beamtenverhältnis liegt, kann die FDP auch nur Massenentlassungen im Schuldienst planen. -
Michael Danner
Registriert seit: 01.06.2010
Kommentare: 91
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20. Oktober 2010 - 12:03 Uhr
@W. H.:
Welchen Beruf üben Sie aus, dass Sie von morgens 10 Uhr bis Mittags nach 16:00 Uhr elend lange Beiträge erfassen können?
Ich überlege mir umzuschulen. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
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20. Oktober 2010 - 13:13 Uhr
@ Michael Danner
„Welchen Beruf üben Sie aus, dass Sie von morgens 10 Uhr bis Mittags nach 16:00 Uhr elend lange Beiträge erfassen können?“
Welchen Beruf üben Sie denn aus, dass Sie Zeit haben, sie alle zu lesen? -
Martin Stadler
Registriert seit: 11.03.2010
Kommentare: 462
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20. Oktober 2010 - 18:44 Uhr
@ Werner Ketterer
Danke für Ihre Beiträge - gegen die Rechthaberer dieser Welt werden Sie aber auch mit noch so viel Vernunft nicht ankommen... Jeder, der ein wenig Einblick ins deutsche Schulsystem hat, wird Ihre Erfahrungen und Erlebnisse teilen. Nicht nur, dass das geltende System es praktisch unmöglich macht, unfähige und unwillige Lehrer in irgendeiner Form zu sanktionieren oder aus dem Dienst zu entfernen - es senkt auch die Motivation für die vielen, die sich anstrengen und gute Arbeit leisten. Überdies macht die Verbeamtung den Wechsel in die Privatwirtschaft (wie auch umgekehrt) so unattraktiv, dass frustrierte Lehrer im Schuldienst "kleben" bleiben, selbst wenn sie problemlos eine Stelle in der freien Wirtschaft finden würden. -
Michael Danner
Registriert seit: 01.06.2010
Kommentare: 91
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20. Oktober 2010 - 19:44 Uhr
@W.H.:
Gut gekontert, aber ich habe zuerst gefragt. ;-)
Hier übrigens meine Lesetechnik:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schnelllesen
So schafft man locker 200 Kommentare in 10 Minuten. -
Werner Ketterer
Registriert seit: 17.06.2009
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21. Oktober 2010 - 16:31 Uhr
@ Martin Stadler
Schulen sollten viel selbständiger sein und Eltern sollten wählen können, auf welche Schule ihr Kind geht. Daraus ergäbe sich eine gewisse Konkurrenzsituation. Wenn nun noch ein Schulleiter sich sein Lehrerkollegium selbst zusammenstellen könnte, wäre das optimal.
Beispiele für diese Theorie:
Eines der besten öffentliche Gymnasien in Baden-Württemberg ist in Achern. Nur unweit davon liegt die Heimschule Länder in Sasbach, welche ein qualitativ hochwertiges Ausbildungsprogramm anbietet (mit angestellen Lehrern übrigens...). Folglich bleibt dem Gymnasium in Achern nichts anders übrig, als zumindest ähnlich gut zu sein, um für genügend Schüler attraktiv zu sein.
Das andere Beispiel ist der Wegfall der Sonderschulpflicht und die Möglichkeit, dass Eltern die Schule ihres behinderten Kindes selbst wählen können. Für die Sonderschulen heißt das, dass sie ein besseres Angebot als die Regelschulen bieten müssen, um zu überleben - und tatsächlich schaffen die (in aller Regel hochmotivierten) Sonderschullehrer das!
So könnte ich mir ein System (ansatzweise und laienhaft durchdacht) vorstellen, wo nicht die Nähe zur Wohnung, sondern die Qualität der Schule den Ausschlag gäbe, wohin die Eltern ihre Kinder schicken. Mit der wachsenden oder schrumpfenden Schülerzahl würde sich demnach auch die Zahl der Lehrer an solchen Schulen ändern. Schulen, deren Schülerzahl steigt, würden mehr Fördergelder erhalten, Lehrergehälter könnten sich daran ebenfall orientieren. Zudem wären Lehrer durch die zunehmenden Anforderungen viel stärker angehalten, sich fortzubilden, wenn sie weiterhin in ihrem Beruf konkurrenzfähig bleiben wollen.
Ich bin überzeugt, dass ein solches innovatives System auch für die Lehrer selbst interessant sein kann. Neue, interessante Projekte zu erarbeiten, mit denen man Schüler begeistert, gäben auch dem engagierten Pädagogen vermehrt das Gefühl, etwas Gutes und Sinnvolles geleistet zu haben. Die Gefahr auszupowern und lust- und mutlos seinen Stoff anzubieten, wäre sicherlich wesentlich geringer.
Aber wie schon gesagt: Das Parlament ist mal voller und mal leerer - aber immer voller Lehrer... Also bleibt alles beim Alten. -
Walter Haberer
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21. Oktober 2010 - 18:23 Uhr
@Werner Ketterer
„Also bleibt alles beim Alten“
Ja und das ist sooo furchtbar schlecht.
Aber was ist in Deutschland schon gut: Wenn die Sonne scheint, ist es zu heiss, wenn es regnet ist es zu nass, wenn wir arbeiten müssen, haben wir Stress, wenn wir frei haben, ist es langweilig.
Wenn der Deutsche nicht nörgelt, über seinen Mitbürger nörgelt, ist er tot.
Bis jetzt weiss ich nicht, welche Erfahrungen Sie denn nun gesammelt haben und in welcher Funktion und mit welcher Qualifikation das geschah. Ich höre nur, dass da eine Schule ist, welche durch ihre Existenz angeblich die andere ärgert, weil sie natürlich besser ist als die andere, natürlich deshalb, weil sie privat und folglich nur Betuchten zugänglich ist. Zu meiner Schulzeit gingen Schüler zu den Privaten, welche in der öffentlichen Schule kein Bein auf den Boden bekamen. Normal verdienende Eltern nahmen ihre minder begabten Kindern einfach von der Schule, den Betuchten standen die Internate offen.
Wie gesagt, ich bin faulen und unfähigen Lehrern in öffentlichen Schulen noch nicht begegnet. Und ich wage das auch zu sagen, obwohl solches nicht dem nörglerischen Zeitgeist entspricht und ich mit dieser Aussage vom Stammtisch verwiesen würde. -
Walter Haberer
Registriert seit: 22.07.2010
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21. Oktober 2010 - 18:30 Uhr
@ Martin Stadler
„Danke für Ihre Beiträge - gegen die Rechthaberer dieser Welt werden Sie aber auch mit noch so viel Vernunft nicht ankommen“
Ja, das war wohl ein Eigentor. Was anderes als Rechthaberei ist denn diese stereotyp vorgetragene Meckerei gegen Lehrer und Beamte? Da ist doch nichts, was neu wäre. Diese Nörgelei ist so alt wie das Schulwesen und auch so belanglos. Schon immer wollten Schüler die Schule anzünden. Na und?
Wer kann es einem Deutschen schon recht machen?
Man erhöht sich eben, indem man den anderen erniedrigt. Alles ist eben relativ. Und so sind alle froh, wenn nur der Lehrer niedergemacht ist und sei es, dass er Lämpel heisst.
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