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10. Dezember 2011

Der erste Nobelpreis

GEISTESBLITZE: Ein Erbe für die Menschheit

"Händler des Todes"? Das soll es also gewesen sein? Alfred Nobel ist entsetzt. Tot ist er zwar noch nicht, wie eine französische Zeitung im Jahr 1888 fälschlicherweise in einem Nachruf verkündet – gestorben ist Alfreds älterer Bruder Ludvig, ebenfalls ein Industrieller. Dass ihn die Nachwelt der Zeitung zufolge als "Händler des Todes" in Erinnerung behalten wird, das wurmt den quicklebendigen Alfred Nobel aber doch sehr. Natürlich hat er das Dynamit erfunden, aber hätte er gewusst, was die Menschen mit dem Sprengstoff anstellen, er hätte das Patent vielleicht nie angemeldet. Der Schwede ist Kosmopolit und Pazifist, er spricht fünf Sprachen und hat wenig Verständnis für die Scharmützel der europäischen Nationen. Als er seine verfrühte Todesanzeige liest, reift in ihm ein Entschluss: Mit dem Vermögen, das ihm das Dynamit beschert hat, will er der destruktiven Kraft seiner Erfindung etwas entgegensetzen. Nobel hat weder Frau noch Kinder. Fast sein ganzes Erbe, so hält er es jetzt in seinem Testament fest, soll nach seinem Tod in eine Stiftung fließen. Aus dieser Stiftung sollen jedes Jahr fünf Preise finanziert werden, "denen zuerteilt, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". In den Disziplinen Chemie, Physik, Medizin – aber auch in der Literatur, denn naturwissenschaftlicher Fortschritt ist eben nicht alles. Am wichtigsten ist dem schwedischen Industriellen jedoch der fünfte Preis: Wer sich um die "Verbrüderung der Völker" verdient macht, soll mit Hilfe seines Geldes ebenfalls geehrt werden. Am 10. Dezember 1901, exakt fünf Jahre nach dem Tod Alfred Nobels, findet im Grand Hotel in Stockholm die erste Verleihung statt – vom "Händler des Todes" ist keine Rede mehr.

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Autor: jom