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27. Oktober 2010

In der Uni eine Insel, weltweit im Wettbewerb

Im Frühjahr 2012 wird die zweite große Runde im Wettbewerb der deutschen Universitäten, in der Exzellenzinitiative entschieden. Wo steht dann die Universität Freiburg?

  1. Forschen auch in der Teepause: zwei Wissenschaftler am Frias. Foto: Ingo Schneider

Schließlich hat sie vor drei Jahren den Titel einer Elite-Universität erworben, als eine von vier Hochschulen in Baden-Württemberg. Den gilt es zu verteidigen. Das wird hart, denn in der zweiten Runde sind nahezu alle Konkurrenten, die 2006/7 das Nachsehen hatten, wieder dabei – und noch einige Bewerber mehr. Nach dem Willen der Politik soll ein Fünftel der bestehenden Exzellenzeinrichtungen durch neue Vorschläge ersetzt werden. Wer bleibt von denen, die fünf Jahre lang Millionen von Euro für ausgezeichnete Forschung erhalten haben, auf der Strecke?

Wo also steht die Universität Freiburg? Offiziell verbreitet man Optimismus für die neue Exzellenzrunde. Zugleich aber schaut man sich um. So auch das Schmuckstück, das die Universität mit dem Elite-Titel erhalten hatte, das Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias, Institut für Höhere Studien).

Frias hat derzeit Vertreter von 32 ähnlich angelegten Forschungseinrichtungen aus aller Welt zu Gast, um sich mit ihnen auszutauschen, aber auch, um zu erfahren, was Frias in der Wissenschaftswelt bedeutet. Schon sehr viel, meint dessen Direktor Werner Frick. Als Beweis führt er an, dass sich die Freiburger, als es um die Einladung der Tagungsteilnehmer ging, weder in den USA in Cambridge oder Palo Alto, also in den Spitzenuniversitäten Harvard und Stanford, noch in Tokio oder Jerusalem und auch nicht im englischen Cambridge oder in Zürich einen Korb holten: Alle sind gekommen, und viele, die nicht eingeladen waren, fragten an, ob sie dennoch teilnehmen könnten.

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Es ist dies eine Tagung mit Vertretern zentraler, interdisziplinär arbeitender Forschungsinstitute, die in Universitäten angesiedelt sind. Heimische Wissenschaftler kooperieren eng mit auswärtigen Fellows, das sind Wissenschaftler, die als Gastforscher ebenfalls ihre Projekte vorantreiben können. Solche Institute bilden eine Art Insel innerhalb ihrer Universität, in der gewöhnlich Professoren stark von der Lehre gefordert sind.

In diesem Inseldasein steckt freilich ein Problem, dem sich Frias stellen muss und das Klaus Tappeser, Ministerialdirektor aus dem Wissenschaftsministerium und für seinen Minister kurzfristig als Redner eingesprungen, benannte: Wie transparent ist der Austausch zwischen Hochschule und Institut, wer darf für einige Zeit aus der Lehre aussteigen, und wie profitiert die Universität als Ganzes davon?

In ihrem Verlängerungsantrag für Frias will sich die Universität diesen Fragen stellen, zumal die Lehre in der zweiten Exzellenzrunde eine gewichtigere Rolle als in der ersten spielen wird. Schon heute veranstaltet Frias Seminare, Kolloquien und interdisziplinäre Forschergruppen für Nachwuchswissenschaftler – ein Angebot für Doktoranden und Studenten mit einem ersten akademischen Abschluss. "Wir haben gute Antworten auf diese neue Herausforderung", sagt Frick, der auch während der Tagung stets optimistische Parolen ausgab.

Die großen Probleme sieht er, wie auch Rektor Hans-Jochen Schiewer, erst 2017 heraufziehen, wenn die 2,7 Milliarden Euro aus der zweiten Förderrunde aufgebraucht sind und sich die bisher daraus finanzierten Hochschulinstitutionen nach neuen Geldgebern umschauen müssen. Tappeser hatte für dieses Problem noch keine Lösung parat, widersprach aber Schiewer, als dieser den Bund als zusätzlichen Finanzier von Elite-Universitäten ins Spiel bringen wollte.

Frias genießt heute, im Vergleich zu den meisten eingeladenen universitätsnahen Forschungseinrichtungen, noch den Vorteil, über ein Budget von zehn bis zwölf Millionen Euro jährlich verfügen zu können, ohne dass die Universität mitreden kann. Was aber, wenn Frias Teil des Universitätsetats ist und dort gespart werden muss, weil die öffentliche Hand ihrerseits kürzt?

Wie Philip G. Altbach aus Boston vortrug, genießen Forschungsuniversitäten zwar weltweit ein großes Renommee, aber das allein schützt sie nicht vor dem finanziellen Ausbluten. Trotz ihrer unleugbaren Bedeutung für die Gesellschaft als Bildungs- und Wissenschaftsort schloss Altbach mit der (vor diesem Publikum gewiss provokanten ) Frage, ob nicht die Forschungsuniversitäten, wie auch Freiburg eine sein will, womöglich von Politik und Staat nur als Hobby angesehen werden – das man in schlechten Zeiten einfach vernachlässigen könne?

Autor: Wulf Rüskamp