Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. November 2010

SPD gegen Hürden vor dem Master-Studium

Zweifel am Bachelor-Abschluss.

STUTTGART (wie). Der Theorie nach sollte es ganz einfach sein: Das Gros der Studenten macht in der Regel nach sechs Semestern einen berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss (BA), besonders begabte und wissenschaftlich Interessierte schließen ein Masterstudium (MA) an. In der Praxis aber entwickelt sich das zweistufige Verfahren nach dem sogenannten Bologna-Prozess mitnichten so. Vielmehr wollen vor allem an den Universitäten Bachelor-Absolventen unbedingt auch den Master machen. Doch sie müssen Hürden überwinden, die vornehmlich die Universitäten aufbauen.

Johannes Stober, in der SPD-Fraktion Sprecher für Fragen der Studierenden, ist alles andere als überrascht: "Bachelor-Absolventen suchen in vielen Berufsfeldern massenhaft den Weg in die Master-Studiengänge, weil sich ihre Qualifikation als nicht ausreichend für eine berufliche Beschäftigung erwiesen hat." Dass einer Untersuchung der Universität des Saarlands zufolge gerade jene großen Unternehmen, die Bachelor-Studiengänge gefordert hatten, besonders selten BA-Absolventen einstellten, sei dabei besonders pikant. Vor Journalisten fügte gestern der SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Nils Schmid an: "Die Universitäten haben es in der Hand, das BA-Studium so zu gestalten, dass Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben."

Werbung


Studenten sollen nicht Risiken des Bologna-Prozesses tragen

Darauf verlassen will sich die SPD aber nicht. Im Einvernehmen mit der sozialdemokratischen Landtags- und der Bundestagsfraktion forderten Schmid und Stober, "die Risiken des Bologna-Prozesses nicht den jungen Menschen aufzubürden". Vielmehr müsse es gerade wegen der starken Nachfrage einen Anspruch auf Zulassung zu einem Master-Studiengang geben. Unter Hinweis auf Artikel 12 des Grundgesetzes, der die freie Berufswahl garantiert, will die SPD im Landeshochschulgesetz den Passus streichen, der den Zugang zum Master-Studium einschränkt.

Das Erfordernis überdurchschnittlich guter BA-Prüfungsergebnisse soll ebenso entfallen wie weitere, in den Hochschulsatzungen festzulegende Voraussetzungen für die Aufnahme des MA-Studiums. Von Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) fordert die SPD, nicht länger zu versuchen, die Folgen des Bologna-Prozesses "schönfärberisch zu übertünchen."

Das Wissenschaftsministerium sieht in dem SPD-Appell Panikmache. "Es ist nicht akzeptabel, die Studierenden derart zu verunsichern", kritisierte Staatssekretär Dietrich Birk (CDU). "Der Bachelor ist keine Sackgasse, sondern eröffnet gute Perspektiven am Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften wird in den kommenden Jahren noch steigen. Dafür werden Bachelor-Absolventen benötigt."

Autor: dpa