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11. Juni 2012 11:23 Uhr

Exzellenzinitiative

Spielt die Uni Freiburg weiter in der Champions League?

Das große Zittern geht wieder los: Wird Freiburg seinen Titel als Elite-Uni behalten? In der letzten Runde der Exzellenzinitiative geht es ums Ganze. Doch wer hat das letzte Wort: Politik oder Wissenschaft?

Ein gutes Drittel der deutschen Universitäten ist mit alten oder neuen Projekten im Elitewettbewerb vertreten, dessen Resultat am Freitag bekannt gegeben wird. Die Entscheidung, wer sich zu den Gewinnern zählen darf, wird ein gemeinsamer Ausschuss fällen, in dem Wissenschaftler und die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern sitzen.

In diesem Ausschuss haben zwar die Wissenschaftler die Mehrheit, doch werden sie diese so nutzen wie am Ende des ersten Elitewettbewerbs 2007? Damals hatten sie sich, zur Empörung einer Reihe von Landesministern, politisch völlig unkorrekt dafür entschieden, sechs der besten neun Wettbewerber im Süden anzusiedeln, darunter die Universitäten Freiburg, Konstanz, Karlsruhe und Heidelberg. Dort hatten sie die höchste wissenschaftliche Qualität ausgemacht.

Wer hat das letzte Wort: Politik oder Wissenschaft?

Diesmal droht der Einfluss der Politik auf das Endergebnis deutlicher zu werden. Schon die Auswahl der fürs Finale zugelassenen Neuanträge war regional in verdächtiger Weise ausgewogen. Schließlich sind die Minister gewarnt – ob sie sich da ein zweites Mal von der Wissenschaftsseite brüskieren lassen?

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Ein Nein auf diese Frage wäre freilich ein großer Schaden für die Exzellenzinitiative. Die erste Wettbewerbsrunde für die Jahre 2006/07 bis 2012 hat die Wissenschaftswelt im In- und Ausland überzeugt – hier war es nachweislich um die Qualität der Anträge auf Forschungscluster, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte, dem Herzstück der Exzellenzinitiative gegangen. Ob die Juroren damals richtig lagen und die einst bereitgestellten 1,9 Milliarden Euro sinnvoll angelegt waren, wird sich mit der jetzigen zweiten Runde zeigen: Denn neben den neu qualifizierten Kandidaten müssen sich auch die bestehenden Einrichtungen im bevorstehenden Finale erneut mit eigenen und neuen Anträgen bewähren.

Schmerzhaft könnte es für die ein oder andere Eliteuniversität werden

Dieses Verfahren hat Kritiker auf den Plan gerufen: Wie könne man bestehende Forschung vergleichen mit Versprechen, die bisher nur auf dem Papier stünden? Vor allem aber sei eine Anlaufzeit von fünf Jahren – die Dauer der ersten und jetzt auch der zweiten Wettbewerbsrunde – viel zu kurz, um nachhaltig neue Forschungseinrichtungen zu etablieren: So wird der Neubau für das Freiburger Forschungscluster in der biologischen Signalforschung erst jetzt eingeweiht. Solche frischen Institute nach fünf Jahren wieder abzuwürgen, wenn sie hinreichend erfolgreich liefen, sei volkswirtschaftliche Verschwendung. Deshalb plädieren die Kritiker dafür, neue Anträge nur zusätzlich zu berücksichtigen.

Schmerzhaft könnte es auch für die ein oder andere Eliteuniversität werden. Neun sind es bisher, sieben Neukandidaten kommen hinzu, maximal zwölf Eliteuniversitäten, heißt es, sollen es am Freitag werden. Wird es bei vier in Baden-Württemberg bleiben? Schließlich drängt auch Tübingen in die Spitzenriege, mit angeblich gar nicht schlechten Aussichten. Da Karlsruhe (wegen der aufwändigen Konstruktion des Karlsruhe Institut für Technologie, KIT) und Heidelberg (wegen des wissenschaftlichen Renommees) als gesetzt gelten, könnte es für Freiburg oder Konstanz gefährlich werden. Oder ist das Rennen wirklich bundesweit offen?

All diese Fragen werden in den Universitäten derzeit nur hinter verschlossenen Türen debattiert. Nach außen ist es seit Wochen zur Exzellenzinitiative merkwürdig still. Andererseits ist der von manchen befürchtete öffentlich ausgetragene Konkurrenzkampf einschließlich möglicher Schlammschlacht ausgeblieben.

Dieses Stillhalten hat wohl auch damit zu tun, dass niemand auf diese Weise seine Siegchancen beeinträchtigen will. Denn anders als bei der ersten Runde, wo alle nur gewinnen konnten, wird es diesmal auch Verlierer geben. Dabei geht es nicht allein um das Ansehen als Forschungshochschule, das insbesondere den Eliteuniversitäten zu einem großen Aufschwung verholfen hat: bei Berufungen exzellenter Wissenschaftler, bei der Einwerbung neuer Forschungsprojekte, in der internationalen Kooperation mit großen Universitäten in aller Welt. Es geht auch nicht allein um den Verlust von Geld, um das Auslaufen von Forschungsinstitutionen, die die Hochschule und das jeweilige Land in der heutigen Größe nicht mehr werden finanzieren können.

Was die jetzige Phase des Elitewettbewerbs vielmehr so entscheidend und die Konkurrenz so hart macht, ist die Tatsache, dass diese Runde die letzte ist. Durch sie wird festgelegt, wer über 2017 hinaus an der Spitze der deutschen Hochschullandschaft stehen wird. Die Hierarchie, die der Wettbewerb unter den Universitäten geschaffen hat, wird für die Zukunft festgeschrieben. Die Bundesregierung hat dazu schon die gesetzliche Initiative ergriffen. Sie plant, dem Bund wieder das Recht einzuräumen, Hochschulen direkt zu fördern. Wer daher am Freitag zu den Eliteunis zählt, kann damit rechnen, auch nach 2017 Geld vom Bund zu erhalten. Alles andere ist dann zweite Klasse.

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Autor: Wulf Rüskamp