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21. Dezember 2011 12:20 Uhr

Verwirrende Lage für Studenten

Start von zentraler Studienplatzbörse verschoben

Doppelbewerbungen und Absagen, Nachrückverfahren bis spät ins Semester hinein – auch die Hochschulen sehnen sich nach einem System, das ihre Studienplatzbewerbungen besser koordiniert.

  1. Müssen weiter Mehrfachbewerbungen schreiben: Studenten Foto: usage Germany only, Verwendung nur in Deutschland

Bereits für 2010 war ein geeignetes zentrales Onlineverfahren versprochen worden. Nun wird es erneut verschoben. Damit steht auch dem Doppelabiturjahrgang 2012 ein Studienstart mit Hindernissen bevor.

Nimmt man das Beispiel Medienkulturwissenschaften: Rund 1200 Abiturienten haben sich im vergangenen Semester an der Universität Freiburg in diesem Fach beworben – für 45 Plätze. 371 Antragsstellern wurde zugesagt, von denen allerdings wiederum die meisten die Bewerbung zurückzogen. Letztendlich brauchte es drei Nachrückverfahren, um mit 46 Studenten zu Semesteranfang "eine Punktlandung hinzubekommen", wie es ein stolzer Freiburger Vizerektor Heiner Schanz ausdrückt, der dies seinem Studierendensekretariat hoch anrechnet.

Unglücklicher Dominoeffekt

Seit dem Jahr 2007 dürfen sich die deutschen Universitäten auch in den zulassungsbeschränkten Fächern ihre Studenten aussuchen, oft sind sie damit heillos überfordert. Der Grund: Viele Studenten bewerben sich an mehreren Hochschulen und manchmal auch in mehreren Fächern zugleich. Von den zahlreichen Zusagen nehmen die umworbenen Guten aber immer nur eine an, die anderen Universitäten müssen nun in Nachrückverfahren unter den übrigen Bewerbern Kandidaten aufstöbern, die sich noch nicht anderweitig versprochen haben.

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Weil durch diesen Dominoeffekt nicht nur viele Abiturienten bis mitten ins Semester hinein auf einen Studienplatz warten, sondern auch deutschlandweit bis zu 20 000 Plätze unbesetzt bleiben, hatte Forschungsministerin Annette Schavan im Jahr 2009 15 Millionen Euro in die Hand genommen. Mit dem Geld sollten die von Bund und Ländern getragene Hochschul-Informations-System GmbH, kurz HIS, und die Telekomtochter T-Systems unter Aufsicht der umbenannten einstigen zentralen Studienplatzvergabestelle ZVS ein sogenanntes Dialogorientiertes Serviceverfahren aufbauen. Das Ziel der Webplattform: Weil sich die Bewerber auf diese Weise übers Internet zentral für mehrere Studienplätze gleichzeitig bewerben können, haben alle Beteiligten stets eine Übersicht über den aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens und können Fehlplanungen vermeiden.

Software-Entwickler weisen die harte Kritik zurück

Was überzeugend klang, entpuppte sich als komplizierter als gedacht. Zunächst wurde der für 2010 geplante Start auf das Wintersemester 2011/12 verschoben. Letzte Woche dann die nächste Hiobsbotschaft: Vor dem Wintersemester 2013/14 wird es mit dem Serviceverfahren nichts werden. 2012/13, dann, wenn im Land die doppelten Abiturjahrgänge in die Unis strömen, werden nur einige wenige Hochschule an einem Pilotbetrieb teilnehmen.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresa Bauer findet das "ärgerlich und bedauerlich", ihr thüringischer Kollege Christoph Matschie will den Entwicklern von der HIS nun sogar die finanzielle Unterstützung kürzen, diese haben "Geld verschlungen, aber nicht geliefert". Auch viele Fachleute fragen sich, in welcher Bananenrepublik sich die halbstaatlichen Softwareexperten eigentlich wähnen, wenn sie alle Zeitvorgaben so dreist ignorieren. Bei HIS und T-Systems dagegen weist man die Vorwürfe zurück: Das Programm für die Webplattform laufe, heißt es, problematisch sei allein die Verknüpfung zu der jeweiligen Verwaltungssoftware der Universitäten, die allerdings in vielen Fällen ebenfalls ein HIS-Produkt ist. Zudem mangele es hier an der Unterstützung der Hochschulen.

Einen Schuh, den man sich vor allem in Freiburg nicht anziehen möchte. Als Pilothochschule hat man selbst bei der Entwicklung des Dialogorientierten Serviceverfahrens mitgeholfen. Als man jedoch die neuen Programme probeweise auf den eigenen Rechnern laufen ließ, traten trotz modernster Uni-Verwaltungs- und Verknüpfungssoftware immer wieder Probleme auf. Das Fazit von Vizerektor Schanz: "Das Webplattform-Programm funktioniert offensichtlich nicht."

Die Hoffnung stirbt zuletzt, lautet seine Prognose für den nächsten anvisierten Starttermin 2013/14. Bis dahin soll es weiter sein Studierendensekretariat richten. Das könne die Bewerbungssituation inzwischen so gut einschätzen und die Zahl der Absagen kalkulieren, dass inzwischen die überwiegende Mehrzahl der zulassungsbeschränkten Studienplätze zu Semesterbeginn verteilt sei. "Gerade für die Studenten bleibt die Situation dennoch verwirrend und belastend", sagt der Universitätsprofessor. "Weil es so notwendig ist, ist dieses Verfahren bisher eine so große Enttäuschung."

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Autor: Michael Brendler