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19. Januar 2012 20:20 Uhr

Überfordert Fremdsprachenunterricht Erstklässler?

Überfordert das frühe Erlernen eine Fremdsprache Grundschulkinder? Eine Studie im Auftrag der alten Landesregierung legte dies nahe. Doch Wissenschaftler raten der Kultusministerin von Änderungen ab.

  1. Überfordert das frühe Erlernen eine Fremdsprache Grundschulkinder? Foto: dpa

Experten haben die Landesregierung davor gewarnt, den Fremdsprachenunterricht für Erstklässler abzuschaffen. "Der frühe Start steigert die Motivation der Kinder am Sprachenlernen", sagte die Mannheimer Linguistin Rosemarie Tracy. Für nicht stichhaltig hält sie die Vermutung, Migrantenkindern profitiertem eher von intensiverem Deutsch- und Matheunterricht als von Englisch und Französisch ab der ersten Klasse.

"Aus der Perspektive der Kinder werden beim frühen Fremdsprachenlernen die Karten neu gemischt", betonte Tracy. In Deutsch schwache Migrantenkinder hätten die Chance auf Erfolgserlebnisse. Auch nach Ansicht von Constanze Weth von der Pädagogischen Hochschule Freiburg fördert der frühe Erwerb der Fremdsprache das Nachdenken der Kinder über Sprache.

Kultusministerin Warminski-Leitheußer (SPD) hatte im vergangenen Sommer angekündigt: "Wir werden die Klassen eins und zwei wahrscheinlich ausklammern, denn viele weiterführende Schulen sagen, dass der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule nur wenige positive Auswirkungen auf das Sprachverständnis hat – oder sogar negative." Das Ministerium will sich nun mit verschiedenen Expertenmeinungen und Erfahrungen auseinandersetzen. Eine Verschiebung auf die dritte Klasse sei jedenfalls nicht schon zum kommenden Schuljahr vorgesehen.

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Baden-Württemberg hatte 2003 als erstes Bundesland für alle Erstklässler den Englischunterricht und nahe der Grenze zu Frankreich den Französischunterricht eingeführt. Ein von der früheren Kultusministerin Marion Schick (CDU) eingesetzter Expertenrat empfahl aber, mit der ersten Fremdsprache erst in der dritten Klasse zu beginnen. Dafür könnten Deutsch und Mathematik in den ersten beiden Jahren gestärkt werden.

Tracy sagte zu den Empfehlungen des Expertenrates: "Da fehlt mir die wissenschaftliche Evidenz." Um die Wirksamkeit des frühen Spracherwerbs zu untersuchen, seien Vergleiche mit Kontrollgruppen erforderlich, die erst in höheren Klassen damit beginnen. Der CDU-Bildungsexperte Georg Wacker sieht ebenfalls keinen Anlass, die Fremdsprache später einsetzen zu lassen. "Denn Deutsch und Mathematik stehen an den Grundschulen bereits im Vordergrund", sagte er. Derzeit werde die Fremdsprache ja nur in einem Umfang von zwei Schulstunden pro Woche spielerisch in verschiedenen Fächern vermittelt.

Der SPD-Bildungsexperte Christoph Bayer aus Bad Krozingen pflichtete dem bei: "Das Sprachbad vermittelt sehr viel Spaß an Sprache ganz allgemein." Die anfänglich lückenhafte Qualifizierung der Grundschullehrerinnen habe sich deutlich verbessert. Mit dem Erlernen der französischen Sprache an der Rheinschiene ergäben sich Möglichkeiten für neue Schulprofile und Partnerschaften mit nahe gelegenen französischen Schulen.

Auch die Freiburger Linguistin Weth plädierte für den weiterhin frühen Start. Schüler könnten dadurch bereits nach Klasse vier in der Fremdsprache zählen, singen, sich einfach unterhalten und auch sprachliche Muster erkennen. Nordrhein-Westfalen habe aus diesem Grund vor einigen Jahren den Start der Fremdsprache von der dritten auf die zweite Hälfte der ersten Klasse vorverlegt.

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Autor: dpa