Baden-Württermberg

Wie Eichämter Verbraucher vor Abzocke schützen

Birgit Vey

Von Birgit Vey (epd)

Fr, 24. August 2018 um 08:08 Uhr

Südwest

Ob Zapfsäulen, Verpackungen im Supermarkt oder Stromzähler – die Inspektoren überprüfen, ob Kunden tatsächlich die Menge bekommen, die auf der Verpackung angegeben ist. 220 Mitarbeiter sind in acht Ämtern in Baden-Württemberg tätig.

Die Inspektoren der Eichämter fahnden nach Verpackungsbetrug und falsch eingestellten Messgeräten. Verbraucher sollen schließlich bekommen, was auf der Packung draufsteht. Im Handel sind die Prüfer gefürchtet.

"Wir bieten Verbraucherschutz für ganz Baden-Württemberg", sagt Daniel Hahn, Pressesprecher des Tübinger Regierungspräsidiums, bei dem das Eichwesen und das Beschusswesen Baden-Württemberg (EBBW) angesiedelt ist. Das EBBW verteilt sich mit acht Ämtern und insgesamt 220 Mitarbeitern über das Land, auch in Freiburg ist ein Standort, die Direktion sitzt in Stuttgart.

"Wir (...) sorgen dafür, dass Kunden auf die Mengenangaben vertrauen können." Daniel Hahn
Die Inspektoren gehen in Supermärkte, zu Großhändlern oder Herstellern und kontrollieren dort beispielsweise, ob in der 0,7-Liter-Flasche Wasser oder in dem 500-Gramm-Beutel Tiefkühl-Bohnen tatsächlich das drin ist, was draufsteht. Die Kontrollen bleiben meistens unbemerkt. "Wir haben den Eichstempel, den wir auf geeichten Waagen, an Zapfsäulen sowie an Elektrizitäts-, Gas- und Wasserzählern anbringen. Dagegen wird unsere verbraucherschützende Tätigkeit bei der Kontrolle von Fertigpackungen nur selten aktiv wahrgenommen: Wir haben hier kein eigenes Gütesiegel, sondern sorgen dafür, dass Kunden auf die Mengenangaben vertrauen können. Packungen, die die angegebenen Mengen nicht einhalten, werden von uns beanstandet und dem Markt entnommen", erläutert Hahn.

Rund 2600 Stichproben machten die "Eicher" vergangenes Jahr bei Fertigpackungen, wobei je Stichprobe bis zu 125 Einzelpackungen zu prüfen waren. Mängel gab es bei 13 Prozent der Proben. Diesen Februar nahmen Inspektoren aus dem Südwesten zusammen mit Eichämtern anderer Bundesländer 250 Süßigkeiten von 77 Herstellern aus dem In- und Ausland unter die Lupe. Darunter waren Bonbons, die einzeln verpackt in der Tüte stecken. Diese "Einwickler" könnten zu Mogelpackungen führen, wenn das Gewicht der Packung nicht aus der Bonbonmenge herausgerechnet werde, so Hahn. Bei 17 Prozent war das der Fall.

Mitarbeiter der Eichämter gehen auch in Backstuben und überprüfen die Brotgewichte. An Tankstellen kontrollieren sie die Zapfsäulen und die Ladestationen für Elektroautos. Hinzu kommen die Blitzgeräte und Atemalkoholtest-Geräte der Polizei. Taxameter, Gepäckwaagen an Flughäfen und medizinische Geräte in Arztpraxen, etwa Blutdruckmessgeräte, sind weitere Beispiele. Und damit Verbraucher am Abend tatsächlich ihr Weizen oder auf dem Weihnachtsmarkt ihr 0,2-Liter-Glas Glühwein bekommen, schauen sich die Inspektoren auch die Füllstriche auf den Trinkgefäßen an.

Öl über versteckte Leitungen in Tankwagen zurückgeführt

Die Digitalisierung bringt ihnen neue Herausforderungen, etwa Smart Meter, intelligente Stromzähler. "Hier muss der Kunde sicher sein, dass das Gerät tatsächlich den von ihm verursachten Verbrauch anzeigt", sagt Hahn. Im Projekt European Metrology Cloud, an dem sich auch Eichbehörden anderer Bundesländer beteiligen, werden solche Aufgabenstellungen angegangen.

Andere Aufgaben übernimmt das Beschussamt in Ulm. Rund 388 000 Waffen haben dessen Mitarbeiter im vergangenen Jahr untersucht. Darunter sind auch historische Waffen, die bei Faschingsumzügen zum Einsatz kommen.

Seit 1912 existiert das Eichwesen in Baden und Württemberg. Von den überprüften Supermärkten, Tankstellen und anderen Einrichtungen "sind nicht alle unbedingt begeistert. Aber die Leute sehen ein, dass unsere Überprüfungen dem fairen Wettbewerb dienen und helfen, Verstößen einen Riegel vorzuschieben", sagt Hahn. Zum Beispiel Betrügereien beim Heizöltanken: Mit einem manipulierten Tankwagen wurde Kunden die falsche Liefermenge vorgegaukelt, indem ein Teil des gelieferten Öls über nicht sichtbare Leitungen in den Tankwagen zurückgeführt wurde. Der Fall landete letztlich vor Gericht.