TV-Kritik

AfD-"Tatort": Mord auf höchster Parteiebene

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Mo, 18. Dezember 2017 um 14:42 Uhr

Computer & Medien

In der Folge "Dunkle Zeiten" vom Sonntag bekamen es die Hamburger Ermittler mit einem Mord in einer Rechtspartei zu tun. Sie wirkte wie ein politischer Kommentar.

Die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen waren alles andere als zufällig. Das Personal, das Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein in seinem "Tatort" am Sonntag auftreten ließ, glich früherem oder heutigem Führungspersonal der AfD nicht unbedingt aufs Haar, aber auf jeden Fall in Auftreten und Rhetorik. Die neue Rechtspartei hieß hier "Die neuen Patrioten". Darf man das? Durchaus. Soll man das? Gute Frage.

Dass der wackere Kommissar Thorsten Falke und die strenge Parteivorsitzende Nina Schramm (alias Frauke Petry) sich auch aus politischen Gründen nicht leiden können, bildete ab, wie Toleranz-Freunde auf Volksfeind-Reden reagieren. So weit, so realitätsnah. Dass aber der Mord an Schramms Ehemann und Mitparteichef nicht von den so naiven wie krawallbereiten Antifa-Aktivisten, sondern von einem schmierigen Machtergreifungsphantasten und einem smarten Politmanager aus den patriotischen Reihen in Gang gesetzt worden war, das gab diesem "Tatort" einen mindestens AfD-unfreundlichen Dreh.

Es ist ja nicht so, dass die echte Rechtspartei in den vier Jahren ihres Bestehens nicht einiges an Intrigen und Königsdramen geboten hätte. Bester Krimistoff also. Oder wie Niki Stein in einem Interview mit der FAZ gesagt hat: "Leichter, als einen ‚Tatort’ über die SPD zu schreiben." Aber Mord als Mittel innerparteilicher Auseinandersetzung auf höchster Führungsebene? Da ist dann doch die parteiische Phantasie mit dem Drehbuchautor durchgegangen. Bester Stoff für die "Systemmedien"-Propaganda.

Es hat schon "Tatorte" gegeben, in denen der Rechtspopulismus Thema war, so wie es welche gegeben hat, in denen korrupte Funktionäre bürgerlicher Parteien vorkamen. Aber von Spitzenpolitikern haben die Autoren – mit Ausnahme wie dem eingewobenen Fall Barschel mal in einem Kieler und einem fiktiven Bundeskanzler in einem Hamburger "Tatort" – die Finger gelassen. Wohlweislich.