Der Fall Daniel Küblböck

ANGERISSEN: Die Clownsrolle nicht losgeworden

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Di, 11. September 2018

Computer & Medien

Er war der verrückte Typ, die Ulknudel, der Kandidat, den man liebte oder hasste. Als vor 15 Jahren die erste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) zum Gesprächsstoff wurde, hatte jeder eine Meinung zu Daniel Küblböck. Der lustige Kinderpfleger, der nicht singen konnte, dessen Stimme aber so schrill war wie seine Aufmachung, wurde zu einem Star – gemacht: Je mehr der Fernsehsender und die Boulevardpresse Küblböcks schräge Auftritte feierten, desto schräger wurden sie. Aus der Rolle des Clowns kam er auch nach DSDS nicht mehr raus, ob in der Milchwerbung oder im Dschungelcamp. Nun ist Küblböck vermutlich tot. Auf einer Kreuzfahrt ist er verschwunden, laut der Reederei ist er von Bord gesprungen. Die Suche nach ihm wurde am Montagnachmittag eingestellt.

Als 1994 Kurt Cobain Suizid beging, wurde er als der "erste MTV-Tote" bezeichnet – der erste Rockstar, der mit dem Ruhm, die ihm das Medium des Musikfernsehens eingebracht hatte, nicht fertig wurde. Als zerrissene Persönlichkeit hatte er nicht zum selbstbewussten Star getaugt. Ist Küblböck der erste Casting-Show-Tote? Auch er war ein unsicherer Mensch, der das mit seinen Auftritten überspielte.

Wenn so einer übergroßer Aufmerksamkeit ausgesetzt wird und das verführerische Maskentragen zum unausweichlichen Zwang wird, zieht er womöglich fatale Konsequenzen. Küblböck war mit dem Gurkenlaster-Autounfall und seiner Adoption durch eine 70-jährige Millionärin nochmal Gegenstand der Berichterstattung. Musikalische Versuche scheiterten, immer wieder zog es ihn in TV-Shows. Wer weiß, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er sich nie beim Casting-Fernsehen beworben.

Dass Rollen nicht zur Identität werden müssen, hat ein anderer bewiesen: Alexander Klaws, Gewinner der ersten DSDS-Staffel. Er hat danach eine Musicalausbildung absolviert, als Tarzan auf der Bühne gestanden, in Basel die Hauptrolle in der Rockoper "Jesus Christ Superstar" gespielt oder in Bad Segeberg "Old Shatterhand" gemimt. Ganz ohne Eskapaden.