Der einsame Reiter von Usedom

Katharina Zeckau

Von Katharina Zeckau (KNA)

Mo, 13. August 2018

Computer & Medien

Die ZDF-Reihe "37 Grad" widmet sich in der Folge "Sag mir, wo die Frauen sind" alleinstehenden Männern in Ostdeutschland.

"Das Leben ohne Frau? Ist ein Leben auf dem Abstellgleis, Du vegetierst dahin. Ein sinnloses Leben, eintönig ...", sagt der 50-jährige Uwe aus Leuna in Sachsen-Anhalt. Er führt das auch darauf zurück, dass die meisten Frauen keinen Hartz-IV-Bezieher wollten. Im Verlauf der Dreharbeiten zu der "37 Grad"-Reportage "Sag mir, wo die Frauen sind", wird er einen neuen Job finden – eine Frau jedoch nicht.

Auch der 29-jährige Biobauer Stefan aus dem Erzgebirge und der 41-jährige Olaf von der Insel Usedom sind am Ende dieses ZDF-Films über einsame Männer im Osten so allein wie zu Beginn. Eine Tatsache, die die Doku explizit nicht auf die Männer selbst zurückführt, sondern darauf, dass junge und mittelalte Frauen die ländlichen Gegenden und Kleinstädte Ostdeutschlands verlassen haben: Während die oft mobileren und besser ausgebildeten Frauen in den Westen oder die großen Städte ziehen, bleiben die Männer eher – gerade die, die in handwerklichen Berufen ihr Auskommen finden.

In klassischer "37 Grad"-Manier verzichtet der Film auf Experten und Einschätzungen von außen. Stattdessen bleibt er nah an seinen Protagonisten. Er zeigt sie bei der Arbeit, im Alltag oder der Freizeit und lässt sie über sich, ihre Traumfrau und ihre Vorstellungen von der Liebe erzählen. So wird Uwe bei der Partnersuche via Radiosendung begleitet und dann auch zum Date, das sich daraus ergibt. Atmosphäre kreiert der Film besonders in den Szenen mit Pferdeliebhaber Olaf, der ein kleines Sägewerk besitzt. Wenn man ihn spätabends durch die gottverlassenen Straßen Usedoms reiten sieht – zu Carolas Kneipe, dem einzigen Lokal weit und breit, das noch aufhat – dann kommt sogar ein bisschen melancholische Westernstimmung auf.

In diesem Erzählstrang stecken die meiste Bewegung und die größte Spannung, gerade weil Olaf eher zurückhaltend ist und der Film Raum für Zwischentöne lässt. Hier fällt die unaufdringliche, stimmungsvolle Kameraarbeit von Thomas Henkel und Michael Damm auf. Bei Biobauer Stefan hingegen gerinnt die Sendung eher zu einer Art Partnerbörse à la "Bauer sucht Frau" erinnert. So erzählt Stefan in die Kamera, dass er die Liebe fürs Leben suche; bei Aufnahmen im Stall betont er, dass seine Lebensgefährtin ruhig ihrer eigenen Arbeit nachgehen solle. Und seine Oma sagt, dass sie keine Lust mehr habe, Stefans Blumen zu gießen und seine Wohnung "rauszuwischen".

Uwe, Stefan und Olaf agieren recht offen vor der Kamera, geben Einblick in ihr Gefühlsleben, was der Gesprächsführung von Autorin Sibylle Smolka anzurechnen ist. Und doch hat man das Gefühl, den Männern nicht wirklich nahezukommen. Möglicherweise verlässt sich der Film zu sehr auf die These, dass ihr Alleinsein allein an den demografischen Umständen liegt. Das nimmt den Antrieb, tiefer nach den Gründen zu forschen. Nichtsdestotrotz ist Smolkas Film verdienstvoll, indem er einen zugewandten Blick auf ein Problem wirft, das für die Betroffenen existenziell ist. Mehr politisch-soziologische Einbettung hätte dem Beitrag allerdings gutgetan.

37 Grad: "Sag mir, wo die Frauen sind". ZDF, Dienstag, 14. August, 22.15 Uhr.