Faktisch korrekt, aber zu einseitig

dpa

Von dpa

Mi, 16. Januar 2019

Computer & Medien

Studie zur Berichterstattung über Flüchtlinge 2015/2016.

Die Ereignisse in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln waren in der Berichterstattung über Flüchtende eine Zäsur, sagt der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer von der Universität Mainz. Er hat in der Studie "Auf den Spuren der Lügenpresse. Zur Richtigkeit und Ausgewogenheit der Medienberichterstattung in der ‚Flüchtlingskrise‘" die Berichterstattung von zwei überregionalen Tageszeitungen, einer Boulevard-Zeitung, zweier öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen und einer des Privatfernsehens untersucht. Berücksichtigt wurden 4726 Berichte zwischen dem 1. Mai 2015 und dem 31. Januar 2016.

2015 sei es in den deutschen Medien zunächst vor allem darum gegangen, ob die Grenzen geschlossen oder möglichst viele Migranten aufgenommen werden sollten. Einseitig sei die Berichterstattung bei der Darstellung von Flüchtlingen gewesen, die in der Tendenz positiv gewesen sei. Dagegen sei der abstrakte Sachverhalt der Zuwanderung eher negativ dargestellt worden. "Die Medien haben überwiegend richtig, aber gleichzeitig auch überwiegend einseitig berichtet."

Nach den Ergebnissen der Studie war Kriminalität von Zuwanderern zunächst kein großes Thema. Das habe sich nach den zahlreichen Übergriffen auf Frauen 2015/2016 in Köln aber völlig gedreht, sagte Maurer. "Am Anfang war die Berichterstattung zu positiv, am Ende war die Berichterstattung zu fokussiert auf Kriminalität." Jedoch treffe die Wahrnehmung von Teilen der Bevölkerung, die Medien hätten falsch über die Flüchtlingskrise berichtet, nicht zu. Die Darstellung der Faktenlage sei überwiegend korrekt gewesen.