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17. Juni 2009

Fix und fertig in Fuxholzen

Ausgefuchst: Der von Rolf Kauka erfundene Kindercomic "Fix und Foxi" ist nach 56 Jahren am Ende. Der Hamburger Tigerpress Verlag hat Insolvenz angemeldet: Die Auflage ist binnen eines Jahres von 50.000 auf 11.000 gesunken.

In den 50er und 60er Jahren stand jeder deutsche Knabe vor der Alternative Western oder Karl May, Mickymaus oder Fix und Foxi, kurz: amerikanischer Schund oder jugendfreie deutsche Qualitätsarbeit. FF war das erfolgreichste deutsche Comic; zu seinen besten Zeiten wurden jede Woche 400 000 Hefte verkauft. Seit dreißig Jahren geht es nur noch bergab in Fuxholzen. 1979 verkaufte Rolf Kauka, der die Füchse 1953 erfunden hatte, die Rechte gerade noch rechtzeitig an den Pabel-Moewig Verlag (und 1994 freilich wieder zurück, weil er der Verwahrlosung seiner Kinder nicht länger zusehen konnte).

Ein Relaunch-Versuch im Ehapa-Verlag wurde 2000 nach nur drei Ausgaben abgebrochen, und jetzt sind die Füchse wohl endgültig fix und foxi. Der Hamburger Tigerpress Verlag, der 2005 noch Lupo als "hinterhältigen Schlawiner" neu erfinden wollte, hat Insolvenz angemeldet: Die Auflage ist binnen eines Jahres von 50 000 auf 11 000 gesunken, die Anzeigenerlöse tendieren gegen null, und auch die multimediale Weiterverwertung als Film-, Fernseh- und Plüschfiguren lief zuletzt nur noch zäh. Trix und Flix, die Maskottchen der Fußball-EM 2008, erinnerten zwar stark an Fix und Foxi, aber die Organisatoren zahlten für ihr Plagiat so wenig Tantiemen wie Rolf Kauka einst an Walt Disney. Natürlich waren Fix und Foxi so altklug, brav und unausstehlich pfadfinderhaft wie ihre amerikanischen Vettern Tick, Trick und Track. Professor Knox war der deutsche Daniel Düsentrieb, Oma Eusebia, der Drachen mit dem Nudelholz, entsprach auch nicht gerade einem zeitgemäßen Frauenbild. Nur mit Lupo, dem ewigen Underdog und goofyhaften Latzhosenträger, konnte man sich als Heranwachsender identifizieren, auch weil er, wie Donald, regelmäßig Haue bezog. Disneys Enten waren entschieden frecher und origineller als die deutschen Füchse aus dem Stall Kaukas.

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Kein Zufall, dass sie nie wissenschaftliche Studien oder Dechiffriersyndikate vom Range der Donaldisten hervorbrachten: Auf die moralpädagogischen Kolumnen von "Onkel Rolf" konnte man selbst als Pimpf gut verzichten. Alle Modernisierungsversuche blieben Stückwerk. Das Tigerpress-FF etwa glich von Anfang an eher "Bravo" oder der "Sendung mit der Maus" als einem Comic: Mit "Pimp-my-Fahrrad"- und Diättipps für "coole Girls" und künstlichem Jugendsprech ("Ey, Lupo, was geht? Don’t worry, ey") kann man die Generation Playstation nicht mehr hinter dem Computer hervorlocken.

Die Zeit der Kindercomics scheint vorbei. In den USA wurde gerade die Druckausgabe von "Mickey Mouse" eingestellt, in Deutschland sank die Auflage des Marktführers allein im letzten Jahr um 50 000 auf jetzt 219 000. Fixe Kids lesen kaum noch, sondern laden sich lieber Klingeltöne herunter oder schauen umsonst Kinderkanal. Ähnlich wie im Falle des insolventen Modelleisenbahnbauers Märklin können jetzt nur noch Erwachsene ihre Kinderträume vor dem Ausverkauf retten.

Autor: Martin Halter