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12. März 2010

Goethes Faust trifft Mario Kart

Nintendo hat seinen Double Screen zur XL-Version aufgeblasen.

  1. Spielen und Lesen – mit der XL-Version des Nintendos DSi soll dank der größeren Bildschirme beides möglich sein. Foto: Nintendo

  2. ... Foto: fotolia.com/MathieuViennet

Die Zeit, in der alles immer kleiner wurde, scheint vorbei. Nun geht’s in die entgegengesetzte Richtung. Apple bläst seinen iPod zum iPad und Nintendo die Spielkonsole DSi zu einer XL-Version auf. Knapp ein Jahr nach der Markteinführung des DSi hat der japanische Hersteller vergangene Woche eine weitere Version des mobilen Spielgeräts in die Ladenregale gestellt. Das Besondere fällt sofort auf: DSi XL ist deutlich größer als die Vorgängermodelle.

Nach der Jugend sollen nun Menschen mittleren Alters und Senioren zur Spielkonsole mit dem Doppelmonitor greifen. Die Buchstaben DS stehen für die zwei Bildschirme (englisch: Double Screen), deren Diagonalen in der XL-Ausführung mit 10,7 Zentimetern knapp doppelt so groß ausfallen, wie bei der DS-lite-Version. Mitgewachsen sind zwangsläufig die Außenmaße, die Darstellungsauflösung ist hingegen mit 256 × 192 Pixeln (Bildpunkten) gleich geblieben.

Aufgrund der größeren Sichtfelder ähnelt der DSi XL einem eBook-Reader wie Amazons Kindle. Das Lesen längerer Texte ist somit weitaus angenehmer. Auch wenn Nintendo versichert, nicht in den E-Book-Markt einsteigen zu wollen, veröffentlichen die Japaner zusammen mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) passend zur Lesefunktion die "Bibliothek der klassischen Bücher". 106 deutsche Klassiker wie Goethes "Faust", Texte von E.T.A. Hoffmann, Theodor Storm sowie Grimms "Kinder- und Hausmärchen" sind darin enthalten.

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Dank der Zoomfunktion lässt sich die Darstellung der Schrift in beliebiger Größe an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Beim Lesen wird der DSi XL wie ein Reclam-Heft gehalten. Ein wenig schwerer als das gelbe Büchlein ist er aber schon. Immerhin hat Nintendo einen recht leistungsfähigen Akku eingebaut, der selbst nächtelange Lesesitzungen ohne Nachladen mitmachen soll. Laut Herstellerangaben braucht der XL erst nach rund 17 Betriebsstunden wieder an die Steckdose. Damit würde er in Sachen Durchhaltevermögen die kleineren DS-Geräte in den Schatten stellen. Erste Tests bestätigten dies allerdings nicht. Nintendos Jüngster machte – egal mit welcher Helligkeitsstufe er betrieben wurde – eher früher schlapp.

Zum aufgepumpten DSi gehört ein zweiter Eingabestift, der Ähnlichkeit mit einem Kugelschreiber hat. Er wird zum Beispiel gebraucht, um das aktuelle Download-Programm Arts "Academy" sinnvoll zu nutzen. Hier handelt es sich um ein Lernprogramm für Möchtegern-Zeichner, mit Farbpaletten, diversen Pinselgrößen und Hilfsraster. Der Clou ist die Fähigkeit, fotografierte Gegenstände oder Gesichter als Vorlage für eine eigene Zeichnung zu benutzen. Das Zeichnen gelingt recht gut, da lange Linien, Schraffuren und Bögen so auf den Bildschirm gemalt werden können, als handele es sich um ein Blatt Papier.

Wie der DSi verfügt der XL über einen Browser, mit dem der Spieler durchs Internet surfen kann, sofern das Gerät in ein W-LAN-Netz eingebunden ist. Auf diesem Wege lassen sich weitere Spiele über den DSi-Shop – und demnächst vermutlich auch eine Reihe von Anwendungsprogrammen – auf den internen Speicher herunterladen. Dies ist billiger als die 30 bis 40 Euro teuren Titel im Handel zu erwerben. Vorinstalliert sind ein Wörterbuch und eine "Wortspiel"-Variante der beliebten Gedächtnistrainer-Serie "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging".

FAZIT:
Nintendos XL-Double-Screen fügt sich perfekt in den Trend zum vergrößerten Mobilgerät ein, dem auch Apple mit seinem iPad folgt. Auch wenn der DSi XL nichts kann, was nicht auch schon seine kleineren Brüder können, so punktet er mit größeren Monitoren. Trotz gleicher Bildauflösung ist hier auch beim beliebten "Mario Kart"-Spiel kein Verlust der Wiedergabequalität zu beklagen. Das gewachsene Sichtfenster kommt allen zugute, die mit den kleineren Anzeigen von DS und DSi Probleme haben.

Der Nintendo SDi XL ist in Dunkelbraun und Bordeauxrot für rund 180 Euro im Handel erhältlich. Herstellerinfos unter http://www.nintendo.de

NINTENDO DS

Mit dem DSi XL veröffentlicht Nintendo innerhalb von fünf Jahren die vierte DS-Variante. Der DSi wird wie der Mitte 2006 veröffentlichte DS lite weiterhin verkauft werden. Der erste, im März 2005 veröffentlichte DS ist rasch vom Markt verschwunden, weil sich der DS lite als das in jeder Hinsicht bessere Gerät erwies.  

Autor: dtxt

Autor: Peter Kusenberg