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20. Mai 2011
Chromebooks
Google preist den einfachen Laptop
Die neuen Chromebooks müssen nicht mehr aufwendig gewartet werden und sind blitzschnell – sie können aber noch nicht alles.
Am 15. Juni 2011 beginnt für den Internet-Giganten Google ein neues Computer-Zeitalter. Nach jahrelanger Arbeit an dem neuen Betriebssystem Chrome OS und einem zwölfmonatigen Feldtest mit einem Prototypen bringt Google an diesem Tag in sieben Ländern seine "Chromebooks" auf den Markt.
Die ersten Modelle kommen von Samsung und Acer und werden in den USA sowie sechs europäischen Ländern inklusive Deutschland angeboten. Im Vergleich zum Prototypen CR 48 sind die Geräte mit einem Zweikern-Prozessor von Intel ausgestattet, damit die Chromebooks deutlich schneller laufen.Das Google-System Chrome OS ist letztlich ein auf den Webbrowser reduziertes Betriebssystem, das wenige Sekunden nach dem Einschalten des Rechners betriebsbereit ist. Alle Anwendungen wie Textverarbeitung, E-Mail oder eine Tabellenkalkulation laufen im Browser, fühlen sich aber im Prinzip wie traditionelle Programme an, die man auf einem Windows-Laptop oder einem MacBook von Apple betreibt.
Im Gegensatz zum herkömmlichen PC werden auf einem Chrome-OS-Rechner die Anwendungen aber nicht installiert, sondern über eine Web-Adresse (URL) aufgerufen. Viele Computer-Nutzer kennen dieses Konzept, wenn sie im Browser etwa ihr Googlemail-Konto oder einen anderen Web-Client aufrufen.
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Die Vorteile des neuen Konzeptes liegen auf der Hand: Mit Chrome OS müssen Anwender oder die IT-Verantwortlichen in einer Firma nicht mehr darauf achten, dass auf dem Rechner stets die neuesten Software-Aktualisierungen zum Stopfen irgendwelcher Sicherheitslöcher installiert sind. "Windows-PCs werden über die Zeit immer langsamer und schlechter", sagte Google-Mitbegründer Sergey Brin auf der Entwicklerkonferenz I/O 2011 in San Francisco. "Ein Chromebook wird dagegen mit jedem Update besser. Und der User muss sich nicht kümmern."
Auch auf eine traditionelle Antiviren-Software kann verzichtet werden, da das System keine angreifbaren Programme lokal speichert. Sollte eine Website versuchen, Schadsoftware auf dem Rechner zu installieren, wird dies von einem Modul abgewehrt, das stets darauf achtet, dass der Computer sauber und sicher hochfährt. Als webbasiertes System setzt ein Chrome-OS-Rechner eigentlich auch permanent eine Online-Verbindung voraus. Die Google-Entwickler haben der aktuellen Version aber einen Offline-Modus spendiert, in dem man etliche Programme auch ohne Netz betreiben kann.
Nach Einschätzung von Thomas Cloer von der Computerwoche besteht eine entscheidende Verbesserung der neuen Version darin, dass sich beliebige Programme aus dem Chrome Web Store auf den Notebooks als Standard-Anwendung ("File Handler") für lokale Dateitypen registrieren lassen. "Damit kann man dann etwa aus Googles Bilderprogramm Picasa alle Fotos von einer ins Chromebook gesteckten SD-Karte auf Knopfdruck ins Web hochladen oder via Dropbox Office-Dateien aufs Cloud-Laufwerk schaufeln."
Um schnell in Firmen und Bildungseinrichtungen mit dem Chromebook Fuß zu fassen, bietet Google die Geräte in einem Art Leasing-Modell an. Unternehmen zahlen in den USA für die Hardware und die Wartung der Geräte 28 Dollar (rund 19,70 Euro) pro Monat und Nutzer, Unis und Schulen sogar nur 20 Dollar (14 Euro). Die Preise für Europa stehen noch nicht fest, sollen sich aber in ähnlichen Regionen bewegen. Dafür müssen die Kunden sich allerdings für mindestens drei Jahre an Google binden.
Chromebooks können aber auch bei Online-Händlern wie Amazon gekauft werden. Die Preise der Modelle von Acer und Samsung liegen in den USA dann zwischen 350 (rund 245) und 500 Dollar (rund 350 Euro). Auch hier wurden noch keine Euro-Preise kommuniziert. Die Geräte können in Deutschland auch mit 3G-Mobilfunkverträgen der hiesigen Provider erworben werden.
Um den Anwendern den Umstieg von einem traditionellen Laptop auf ein Chrome-OS-Gerät zu erleichtern, hat Google das neue System jetzt mit einem Manager für lokale Dateien als Pendant zum Windows Explorer oder dem Finder in Mac OS ausgestattet. Außerdem verfügt Chrome OS über einen Media Player, der allerdings sehr spartanisch daherkommt.
Google-Manager Sundar Pichai räumte ein, dass sich das Chromebook nicht für jeden Anwender eignet. Wer unbedingt mit dem Internet Explorer browsen wolle, müsse sich eben einen Windows-Rechner zulegen. "Es gibt ja schließlich Auswahl am Markt." Und für bestimmte rechenintensive Anwendungen sei das Chromebook auch nicht gedacht: "Wer den ganzen Tag professionell Videos bearbeitet und nicht nur gelegentlich ein paar Aufnahmen, die man mit einer Webanwendung schneiden kann, sollte sich besser kein Chromebook zulegen."
Autor: dpa-Korrespondent Christoph Dernbach
