Grimme-Jury nominiert erstmals Youtube-Produktionen

epd

Von epd

Fr, 18. Januar 2019

Computer & Medien

Unter den Aspiranten für den wichtigsten deutschen Fernseh-Preis sind einige Streaming-Serien – Öffentlich-Rechtliche dominieren Doku- und Nachrichten-Formate.

Für den Grimme-Preis, der am 5. April verliehen wird, sind erstmals Produktionen des Bezahlangebots Youtube Premium nominiert, wie das Grimme-Institut am Donnerstag in Marl mitteilte. In der Kategorie "Kinder & Jugend" wurde "LeFloid vs. The World" ausgewählt, dazu im Genre "Unterhaltung" das Format "Neuland." Insgesamt nominierte die Jury 70 Produktionen und Eigenleistungen.

Unter den in der Kategorie "Fiktion" nominierten fünf Serien finden sich drei Produktionen von Pay-TV-Sendern: "Arthurs Gesetz" und "Hackerville" (TNT) sowie "Das Boot" (Sky). Ebenfalls nominiert wurden die ZDF-Serien "Bad Banks" und "Die Protokollantin". Zu den nominierten Fernsehfilmen gehört der Zweiteiler "Gladbeck". Die Streamingdienste Amazon Prime Video und Netflix gingen leer aus – sie hatten 2018 mit "Beat" und "Dogs of Berlin" ihre jeweils zweite deutsche Eigenproduktion vorgelegt.

Für die Kunst, eine Serie zu beenden, nominierte die Kommission Drehbuchautorin Mizzi Meyer, Regisseur Arne Feldhusen und Hauptdarsteller Bjarne Mädel für die finale Folge des "Tatortreinigers" (NDR). Die Kultreihe war Ende 2018 überraschend eingestellt worden.

Ein bereits 2017 festgestellter "negativer Trend" im Unterhaltungsfernsehen setzte sich nach Angaben des Grimme-Instituts fort und zeigte sich daran, dass es statt der 19 möglichen Nominierungen nur elf gebe. Zu den Nominierten zählen die NDR-Satire-Show "Extra 3" und das Team der Spezialsendung "Lass dich überwachen! Die Prism is a Dancer Show" von Jan Böhmermann (ZDFneo). Eine Spezialnominierung ging an das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld "und dessen Maestro Böhmermann" aus dem "Neo Magazin Royale" (ZDFneo) für "ihren besonderen Beitrag zur musikalischen Fernsehkultur". Satiriker Böhmermann zählte bei den vergangenen drei Preisverleihungen stets zu den Gewinnern.

Für besondere journalistische Leistung in der Kategorie "Information & Kultur" wählte die zuständige Kommission die Journalistinnen und Journalisten von "Tagesthemen", "Weltspiegel" und "Monitor" aus. Eine Spezialnominierung erhielt das Team von "Docupy" für den Dreiteiler "Die Story: Ungleichland – Reichtum, Chancen, Macht" und das dazugehörige Online-Konzept (WDR). Zu den nominierten Dokumentarfilmen gehört "Kulenkampffs Schuhe" (SWR und HR).

In der Kategorie "Kinder & Jugend" gab es zehn Nominierungen – davon allein fünf für Funk, das Online-Angebot von ARD und ZDF. Auch in diesem Bereich schöpfte die zuständige Kommission die Höchstzahl an möglichen Nominierungen nicht aus und forderte von den Verantwortlichen eine bessere "Zielgruppenansprache" sowie "mehr Authentizität und Gelassenheit".

Der undotierte Preis wird im April zum 55. Mal vergeben. Er gilt als wichtigster deutscher Fernsehpreis. Gesellschafter des Grimme-Instituts sind der Deutsche Volkshochschulverband, WDR, ZDF, die Film- und Medienstiftung sowie die Landesanstalt für Medien NRW, die Stadt Marl sowie das Land Nordrhein-Westfalen.