"Ich kann auch komische Rollen spielen"

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Fr, 31. August 2018

Computer & Medien

BZ-INTERVIEW mit Joachim Luger, der am Sonntag nach 33 Jahren aus der "Lindenstraße" aussteigt.

Als Hans Beimer zählte er 33 Jahre lang zu den wichtigsten Figuren der "Lindenstraße", doch damit ist jetzt Schluss: Joachim H. Luger (74) steigt auf eigenen Wunsch aus der ARD-Familienserie aus. In der am Sonntag ausgestrahlten Folge "Die Ruhe nach dem Sturm" stirbt sein Hans Beimer. Martin Weber sprach mit Luger.

BZ: Herr Luger, Sie steigen auf eigenen Wunsch aus der "Lindenstraße" aus. Warum?
Luger: Ich bin ja schon zehn Jahre über mein eigentliches Rentenalter hinaus, und irgendwann wuchs das Gefühl in mir, dass ich mich auch mal in andere Gefilde begeben sollte.
BZ: Hat Sie die Rolle als Hans Beimer gelangweilt?
Luger: Gelangweilt – nein. Schauspielerisch gab es immer wieder Herausforderungen, aber was meine Rolle betrifft, glaube ich, dass eigentlich fast alles erzählt war. Irgendwann wiederholen sich die Dinge dann auch mal.
BZ: Was wollen Sie künftig machen?
Luger: Mehr Theater spielen, das habe ich schon in den vergangenen Jahren verstärkt getan – vor allem Boulevardtheater. Auch, weil es so ein schöner Kontrast zur Rolle des Hans Beimer war, die ja häufig sehr problembelastet war. Es macht mir einfach Spaß, den Leuten zu zeigen, dass ich auch komische Rollen spielen kann. Und ich genieße das direkte Feedback des Theaterpublikums.
BZ: Haben Sie auch im Fernsehen noch was vor?
Luger: Warum nicht? Wobei ich vermutlich nicht gerade mit Angeboten überschüttet werden dürfte, wenn man wie ich so lange eine Serienfigur gespielt hat.
BZ: Hat Ihnen das andere Rollen in der Vergangenheit vermasselt?
Luger: Schwer zu sagen, aber bei uns in Deutschland ist es schon so, dass man mit einer bestimmten Rolle auch in einer bestimmten Schublade steckt. Klar, es wäre sowieso nicht gegangen, neben der "Lindenstraße" auch eine andere Serienfigur zu spielen. In den frühen 90ern habe ich noch einige Episodenfiguren in anderen Produktionen gespielt, sogar eine größere Rolle in einem "Tatort" mit Manfred Krug. Aber solche Angebote blieben später aus.
BZ: Wie scheidet Hans Beimer aus der Serie?
Luger: Er stirbt, aber Genaueres darf ich nicht verraten, da wollen wir die Zuschauer überraschen. Besonders wird auf jeden Fall sein, dass das WDR-Funkhausorchester die Musik zur letzten Folge mit Hans Beimer live vor Publikum am Ausstrahlungsabend einspielt.
BZ: Gab es viele Reaktionen von "Lindenstraße"-Fans, nachdem der Tod von Hans Beimer angekündigt wurde?
Luger: Unglaublich viele. Ich war total überrascht und gerührt, dass so viele Zuschauer traurig darüber sind, dass meine Figur sterben wird.
BZ: Was hat denn der Erfinder und langjährige Produzent Hans W. Geißendörfer dazu gesagt?
Luger: Hans und seine Tochter Hana, die ja jetzt die Produktion weiterführt, haben es sehr bedauert, dass ich aufhöre. Andererseits hat mir Hans Geißendörfer auch Respekt gezollt für den Mut, nach so vielen Jahren meine Rolle an den Nagel zu hängen. Er hatte Verständnis dafür, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch mal was Neues wagt – in dieser Beziehung ticken wir ähnlich.
BZ: Und wie reagierte "Mutter Beimer", gespielt von Marie-Luise Marjan?
Luger: Sie war sehr überrascht, und Irene Fischer war auch sehr traurig. Immerhin waren die von Irene Fischer gespielte Anna Ziegler und Hans Beimer fast 30 Jahre ein Paar in guten und häufig auch in schlechten Zeiten. Der Abschied fiel uns beiden nicht leicht.

Joachim H. Luger (74) wuchs in Berlin auf. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Bochum.
"Lindenstraße", So, 18.50 Uhr, ARD.