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13. Oktober 2017 00:00 Uhr

Kino

Im Dokufilm "Pre-Crime" sagen Computer Verbrechen voraus

Monika Hielscher und Matthias Heeder haben die Dokumentation "Pre-Crime" zum Thema staatliche Datenkraken gedreht. In Freiburg läuft sie ab dem 12. Oktober im Kino.

  1. Im Visier der Ermitler: Robert MacDaniel Foto: Verleih Rise and Shine

Gerade wurde in Deutschland lebhaft über einen Versuch mit videotechnischer Gesichtserkennung von Passanten am Berliner Bahnhof Südkreuz gestritten. Eine grafisch aufgemotzte Version der Art von Bildern, die bei der Vernetzung solcher Aufnahmen aus dem öffentlichen Raum mit entsprechenden Mega-Datenbanken entstehen könnten, liefern den illustrativen Grundton des Dokumentarfilms "Pre- Crime" von Monika Hielscher und Matthias Heeder. Dabei öffnen sich um die in Kästchen eingescannten, auf der Straße gehenden oder stehenden Figuren weitere Kästchen mit Infos zu Vorstrafen, Wohnort oder Kreditkarte und ergeben die Illusion eines Porträts.

Staatliche und private Datenkraken wurden in Deutschland Thema spätestens bei der Einführung der Rasterfahndung durch BKA-Chef Horst Herold in den späten 70er Jahren. Doch die Entwicklung ist rasant. "Pre-Crime" (ein Begriff, den die Filmemacher aus Spielbergs "Minority Report" entlehnt haben) problematisiert als neueste Trends im Sicherheitsbereich die Verknüpfung polizeilicher Tätigkeit mit dem kommerziellen Big-Data-Business und das Versprechen, Verbrechen vorherzusagen. In der Realität freilich soll das durch klug eingesetzte Algorithmen geschehen.

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Bei der geografischen Variante dieses "Predicting Policing" soll die Software Ort und Zeit der vermuteten nächsten Straftaten vorhersagen. Brisanter aber sind Modelle, die personenbezogen arbeiten, wie die SSL (strategic suspect list) der Chicagoer Polizei, die aus gesammelten Daten eine Liste von zwanzig Personen je Bezirk zusammenrechnet. Diese werden dann von der Polizei auf ihren Status angesprochen (und damit stigmatisiert), wie der im Film porträtierte junge Afroamerikaner Robert MacDaniel, der wegen Kleinigkeiten oft mit der Polizei Kontakt hatte – und einen besten Freund, der nicht etwa Täter war, sondern einem Verbrechen zum Opfer fiel.

In London mit seiner flächengreifenden Kameraüberwachung verschickt das ähnlich aufgestellte Präventivmodell "Matrix" Warnbriefe an jugendliche Gangmitglieder. Ob das nicht als Wissenschaft getarntes racial profiling sei, fragt der Londoner Expolizist Leroy Logan, einer der vielen für diesen Film befragten Kritiker aus Wissenschaft und Gesellschaft. Und wirklich scheint ein Hauptmotiv für den Erfolg des blühenden Geschäfts mit dem automatisierten Scoring die scheinbar wissenschaftlich abgesicherte Neutralität zu sein.

In der Praxis sind die Unschärfen aber enorm. Und jedes Programm wurde vorher von jemandem geschrieben. Viel genauer wird "Pre-Crime" leider nicht in einer zum Schwindeln schnell geschnittenen Melange aus zerschnipselten Statements, Wiederholungs-Szenen und Illustrationen, die höchstens mit der Stopptaste am Videoplayer zu bändigen wäre. Dafür stellt in der behäbigen Rahmenerzählung ein brav analog sketchnotender Mann dämliche Fragen wie "Warum tun wir uns diese Technologien an?"

"Pre-Crime" (Regie: Monika Hielscher und Matthias Heeder) läuft in Freiburg. Ab 12.

Autor: Silvia Hallensleben