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12. November 2010

Internetradios: Vielfalt mit Tücken

Tausende Sender aus dem Netz fischen / Worauf Interessenten beim Kauf achten sollten.

Dudelradio muss nicht sein. Trifft das UKW-Senderangebot nicht den eigenen Geschmack, kann man sich im Netz umschauen. Dort spielen unzählige Stationen Musik jeglicher Couleur. Mit dem Laptop am Küchentisch zu sitzen, um Radio zu hören, ist aber nicht jedermanns Sache. Die Lösung sind Internetradio-Empfänger: Kleine Geräte wie das klassische Küchenradio, die per WLAN oder auch über ein Netzwerkkabel Musik aus dem Internet abspielen können. Die klassische UKW-Funktion beherrschen sie nebenbei auch noch.

Die Vielfalt hat ihren Preis: 100 bis 150 Euro muss man für ein Gerät rechnen. "Sie dürfen den Preis natürlich nicht mit normalen Radios vergleichen", sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). Die Technik sei mit WLAN-Modul und Software deutlich komplizierter als bei UKW-Radios – auch wenn die Geräte ähnlich aussehen. Meist sind schon zahlreiche Sender vorprogrammiert. Auch die meisten Radiosender strahlen ihr Programm parallel übers Netz aus – die ARD-Anstalten genau so wie zum Beispiel die britische BBC. Viele Internetradios können zusätzlich auch Musik vom PC oder Netzwerkfestplatten abspielen ("Streaming").

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Die vielen Möglichkeiten gehen allerdings oft zu Lasten der Bedienung. Bei vielen Geräten ist zum Beispiel das Display viel zu klein oder die Benutzerführung umständlich. "Die Geräte leiden oft darunter, dass hier neue Funktionen in alte Bedienkonzepte gepresst werden", sagt Olaf Purwin von Computer-Bild.

Verbraucher sollten sich deshalb vor dem Kauf die Bedienung genau anschauen. "Ein Gerät ohne Suchmaske würde ich zum Beispiel gar nicht erst kaufen", sagt Purwin. Denn ohne Suchmaske müsste man oft erst umständlich einen Musikstil auswählen, dann ein Land, und sich schließlich durch eine lange Liste von Sendern klicken: "Wenn das Gerät dann noch träge reagiert, verlieren Sie schnell die Freude daran." Um Lieblingssender nicht immer aufs Neue suchen zu müssen, lässt sich bei den meisten Radios eine Favoritenliste anlegen – entweder direkt im Radio oder im Internet auf speziellen Portalen der Hersteller. Der Nutzer kann dort "seine" Sender zusammenstellen, die Favoritenliste wird nach einer Registrierung automatisch ans Radiogerät übertragen. Auch diese Portale kann man sich oft vor dem Kauf ansehen und Senderauswahl und Bedienung testen.

Klanglich liegen die Internetradios etwa auf dem Niveau anderer Radiogeräte. Entscheidend für die Klangqualität ist das Gehäuse. Das sollte ordentlich verarbeitet sein: "Billige Geräte haben oft leichte oder schlecht verarbeitete Plastikgehäuse", sagt Olaf Purwin. "Die scheppern dann im Takt und verderben den Klang."

Insgesamt sollten Käufer keine unrealistischen Ansprüche an den Sound haben. Die meisten Modelle sind sehr kompakt gebaut und bieten deshalb in der Regel kein Stereo. "Für Küche oder Bad sollte das ausreichen", meint Volker Zota von der Computerzeitschrift c’t.

Vor dem Kauf lohnt sich auch ein Blick auf die technischen Daten: Nicht alle Geräte haben zum Beispiel eine Weckerfunktion, Ausgänge zum Anschließen an eine Anlage oder aber einen Eingang, an dem MP3-Player Anschluss finden. Grundsätzlich sollten Käufer dem Thema Internetradio mit einer gewissen Fehlertoleranz begegnen. Denn während beim UKW-Radio nur Sender und Empfänger funktionieren müssen, ist beim Internetradio die Internetverbindung an sich schon störungsanfällig und datenhungrig, weshalb sich eine Flatrate dringend empfiehlt und dann kann jeder Server mit dem Radiostream nur eine begrenzte Anzahl von Hörern versorgen. "Die Zahl der möglichen Fehlerquellen ist beim Internetradio einfach viel größer als bei UKW", fasst Zota zusammen.

Smartphone-Besitzer können sich im übrigen auch ohne ein Internetradio den Lieblingssender aus dem Netz in die Küche holen. Für die meisten WLAN-fähigen Smartphones gibt es Apps, die das Handy zum Empfänger machen. Per Klinkenkabel lassen sich die meisten Smartphones dann an Radiogeräte mit Audioeingang oder an Aktivboxen anschließen. "Wenn Sie schon ein Smartphone haben, ist das die mit Abstand günstigere Alternative", sagt c’t-Experte Volker Zota.

Mehr im Web: http://www.surfmusik.de www.goldmusic.de, http://www.radio.de

Autor: Tobias Hanraths (dpa)