Jeder kann der Täter sein

Klaus Braeuer

Von Klaus Braeuer (dpa)

Mi, 05. Dezember 2018

Computer & Medien

"Der Prag-Krimi": Die ARD schickt am Donnerstag ein neues Ermittlerteam ins Rennen.

Kein Ende des Krimibooms in Sicht – jetzt kommt ein Ermittlerteam in Prag zum Einsatz. Die erste Folge der neuen ARD-Reihe "Der Prag-Krimi" heißt "Wasserleiche" und ist Donnerstag (6. Dezember) zu sehen, die zweite "Der kalte Tod" eine Woche danach.

Eigentlich steckt ein Schauspieler in ihm – doch Jan Koller (Roeland Wiesnekker) arbeitet als Kommissar beim BKA in Berlin. Seine Chefin Renate Unterberg schickt ihn in seine Geburtsstadt Prag, wo sein früherer Kollege Frank Müller (Dirk Borchardt) tot aus der Moldau gefischt wurde. Er soll mit sensiblen Ermittlungen um Kunstfälschungen beauftragt und bestechlich gewesen sein. Koller muss nun genau dorthin, wohin er aufgrund seiner Vergangenheit nie wieder wollte. Direkt am Zug wird er von seiner tschechischen Kollegin Klára Majerova (Gabriela Maria Schmeide) empfangen, die gerade zur Streifenpolizistin degradiert wurde. Sie bilden fortan ein Team. Koller ermittelt intuitiv und aus dem Bauch heraus und stets mit einem großen Interesse für die Kunst. Seine Kollegin ist sehr direkt und aufbrausend, spielt Eishockey und hat ein großes Herz. Gabriela Maria Schmeide (53, "Die Polizistin", "Am Ende ist man tot") spielt ihre Figur mit großer Wärme und sehr glaubhaft.

Richtig spannend ist aber die Hauptfigur des Ermittlers, der ständig mit seiner Vergangenheit kämpft – und mit den Dämonen, die in ihm wohnen. Er spaziert durch das nächtliche Prag, ist ein eher höflicher und zurückhaltender Mensch und arbeitet mit fast schon therapeutischen Methoden. So verzichtet er darauf, alle fünf Verdächtigen in Gewahrsam zu nehmen. Stattdessen stellt er die letzte Begegnung von Müller mit seinem Bruder bei dessen Hochzeitsparty wie eine Familienaufstellung nach – samt opulentem Mahl und Discobesuch. Das macht er mit sehr leiser Stimme und einem freundlichen Lächeln.

Roeland Wiesnekker (50, "Sag mir nichts", "Tatort", "Der Kommissar und das Kind") spielt diesen vielschichtigen Mann sehr stimmig, ebenso wie Gabriela Maria Schmeide ihre mütterliche Figur. Regisseur Nicolai Rohde hält offenbar viel von Agatha Christie, er inszeniert beide Filme dramaturgisch und optisch auf hohem Niveau und mit geschickt montierten Szenen. Es ist an manchen Stellen ein Kammerspiel um eine ganz reizende Familie – alle Figuren sind zerrissen und zerstritten, jeder kann der Täter sein.

Kameramann Hannes Hubach fängt dazu melancholische Bilder ein, die gut zu Prag passen – samt Wenzelsplatz, Karlsbrücke und einer Rundfahrt in einer historischen Straßenbahn. Das ungewöhnliche Duo löst den originellen Fall natürlich, der Kommissar möchte schnurstracks nach Berlin zurück – da taucht plötzlich sein totgeglaubter Vater auf, und Koller gerät unter Mordverdacht. Aber das wird ein Fall fürs nächste Mal.

"Der Prag-Krimi – Wasserleiche": Do, 6. Dezember, 20.15 Uhr, ARD.