Kritik an Fernsehdirektor Schönenborn

epd

Von epd

Sa, 14. April 2018

Computer & Medien

Belästigungsvorwürfe: WDR sieht keine Versäumnisse.

Der WDR hat Vorwürfe zurückgewiesen, verantwortliche Führungskräfte hätten in den vergangenen Jahren Hinweise auf sexuelle Belästigung durch zwei Fernsehkorrespondenten nicht ausreichend ernst genommen. In beiden jetzt bekanntgewordenen Fällen seien Vorwürfe und Gerüchte geprüft worden, hätten sich aber nicht erhärten lassen, teilte der Sender am Freitag in Köln mit.

In einem der beiden Fälle habe es 2010 eine hausinterne Untersuchung gegeben, erklärte der WDR. Alle Betroffenen hätten jedoch ausdrücklich anonym bleiben wollen, etwaige Vorfälle hätten sich nicht konkretisieren lassen. Die Anschuldigungen hätten daher nicht abschließend aufgeklärt werden können. In dem anderen Fall sei der damalige Chefredakteur Jörg Schönenborn nach seinem Amtsantritt Gerüchten nachgegangen, die sich auf die Zeit um 1990 bezogen hätten, erklärte der Sender. Die Prüfung habe jedoch keinen Nachweis für die Gerüchte erbracht.

Erst 2016 seien konkrete Vorwürfe erhoben worden, die konsequent überprüft worden seien, hieß es. Dem betreffenden Mitarbeiter sei schriftlich die Kündigung angedroht worden für den Fall, dass sich die Vorwürfe erhärteten oder neue Vorwürfe bekannt würden. Der beschuldigte TV-Korrespondent ist inzwischen wegen Belästigungsvorwürfen freigestellt.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte am Freitag berichtet, Schönenborn, der heute Fernsehdirektor beim WDR ist, habe einen der Beschuldigten vor Jahren befördert, obwohl er von den Vorwürfen gewusst habe. Den anderen habe er "auf prestigeträchtige Korrespondentenstellen" geschickt, obwohl er die Gerüchte über sexuelle Belästigung gekannt habe. Schönenborn erklärte dazu, er habe die Personalentscheidungen damals "auf der Grundlage der mir vorliegenden Fakten" getroffen, und fügte hinzu: "Mit dem Wissen von heute hätte man damals andere Entscheidungen getroffen."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in NRW forderte, den Worten nun auch Taten folgen zu lassen. Die WDR-Geschäftsleitung müsse die Vorwürfe lücken- und schonungslos aufklären, erklärte DJV-Landesgeschäftsführer Volkmar Kah. Der Sender müsse zudem auch die Strukturen aufarbeiten, wie mit solchen Vorwürfen umgegangen werde.