Jubiläum

Vor 65 Jahren war die "Augsburger Puppenkiste" zum ersten Mal im Fernsehen

Martin Weber

Von Martin Weber

So, 21. Januar 2018 um 12:27 Uhr

Kultur

Das Drachenkind Urmel, der schlaue Kater Mikesch und natürlich Jim Knopf und sein Freund Lukas, der Lokomotivführer: Die Stars der "Augsburger Puppenkiste" ließen früher Kinderherzen höher schlagen.

Vor 65 Jahren wackelten die liebenswerten Holzköpfe der Marionettenbühne zum ersten Mal über den Bildschirm und begeisterten in der Folgezeit kleine wie große Zuschauer. Die charaktervollen und ziemlich ungelenken Faden-Figuren mit den wolligen Haaren sind mittlerweile zwar etwas aus der Mode gekommen, haben sich aber tief ins kollektive Gedächtnis vor allem der Generation eingeprägt, die in den 60er und 70er Jahren groß geworden ist.

Die TV-Erfolgsgeschichte der legendären Holzköpfe begann am 21. Januar 1953 mit der Übertragung von "Peter und der Wolf". Ein Mitarbeiter des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks hatte die Figuren zuvor auf einer Ausstellung gesehen und die Gestalten gleich als Attraktion für das noch junge TV-Programm angeheuert. Weil die Aufzeichnungstechnik damals noch in den Kinderschuhen steckte, tanzten die Puppen bei der Premiere vor 65 Jahren – anders als bei den meisten Sendungen später – sogar live über den Bildschirm.

Rasch mauserten sich die Auftritte der Marionetten aus Augsburg zu den beliebtesten Kindersendungen im deutschen Fernsehen. Jedes Jahr wurden viele neue Abenteuer eingespielt, und so entstanden dann bis in die 90er Jahre in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk (HR) Dutzende der phantasievollen und witzigen TV-Produktionen.

Dabei tänzelten im Ersten so legendäre Gestalten wie Jim Knopf (1961 schwarzweiß und 1976 in Farbe), Kater Mikesch (1964), Räuber Hotzenplotz (1967), der Drache Urmel (1969) oder Erdmännchen-König Kalle Wirsch (1970) durchs Programm. In den 80er Jahren wurde es dann merklich ruhiger um die Augsburger Puppenkiste, in den Neunzigern verschwand sie nach unüberbrückbaren künstlerischen Differenzen zwischen dem 1948 von Walter Oehmichen gegründeten Marionettentheater und dem Hessischen Rundfunk vorerst sogar ganz vom Bildschirm.

1997 sorgte die Puppenkiste mit der Kinoproduktion "Die Story von Monty Spinneratz" und drei Jahre später mit der Fernsehserie "Lilalu im Schepperland" zwar noch einmal für Aufsehen, doch seitdem ist es merklich stiller um sie geworden. Die bedächtigen Holzköpfe gelten in dem von schnell geschnittenen Zeichentrickserien und quietschbunten Animationsfilmen dominierten Kinderprogramm als nicht mehr zeitgemäß. Wenigstens ins Kino schaffen es die Marionetten noch ab und zu, so 2016 und 2017 mit jeweils einer Weihnachtsgeschichte. Aber auch wenn die goldenen Zeiten des im denkmalgeschützten Heilig-Geist-Spital in Augsburg untergebrachten Puppentheaters schon lange vorbei sind: Die Beliebtheit der "Augsburger Puppenkiste" ist seit Jahrzehnten ungebrochen, die drolligen Wollköpfe haben immer noch viele Fans.

Der Gedanke an den hüpfenden Gang der von Marionettenspielern gelenkten Figuren, die Meereswogen aus blauer Folie, die Erinnerung an die pittoreske Blechbüchsenarmee oder Ohrwürmer wie das "Urmellied" lassen so manchen Erwachsenen nostalgisch werden. Wer mal wieder in Erinnerungen schwelgen will, hat es zum Glück leicht: Viele der Marionetten-Abenteuer sind als DVD erhältlich und auch auf Internet-Plattformen wie Youtube können ganze Episoden mit den unsterblichen Stars der "Augsburger Puppenkiste" abgerufen werden.