Milliardenklage gegen Spotify

dpa

Von dpa

Do, 04. Januar 2018

Computer & Medien

Fast 11 000 Titel soll der Streamingdienst verwendet haben, ohne die Künstler richtig zu bezahlen.

Die Summe erregt Aufsehen: Mindestens 1,6 Milliarden US-Dollar klagt ein Musikverlag beim Streamingdienst Spotify ein. Die Aussichten sind unklar, aber die Klage könnte Spotify Steine in den Weg an die Börse legen.

Spotify verbreite mehr als 10 000 Songs von Künstlern wie Tom Petty oder Neil Young, ohne die Autoren zu bezahlen, erklärte die auf Autoren- und Künstlerrechte spezialisierte US-Firma Wixen Music. Die Summe von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro ergibt sich, weil Wixen jeweils 150 000 Dollar für jeden einzelnen der von dem Verlag aufgelisteten 10 784 Titel einfordert. Spotify lehnte am Mittwoch einen Kommentar unter Hinweis auf ein laufendes Verfahren ab.

Für die Verwendung von Songs müssen grundsätzlich zum einen die Plattenfirmen wie etwa Universal Music bezahlt werden, aber auch die Autoren und Verlage. Letzteres ist deutlich aufwendiger, weil Komponisten und Texter oder ihre Rechtsnachfolger ausfindig gemacht werden müssten. In den USA verlangt das Urheberrecht von Streaming-Anbietern zwar nicht, mit Autoren oder Verlagen zu verhandeln – sie müssen aber über die geplante Verwendung vorab in Kenntnis gesetzt werden. Spotify habe dies in vielen Fällen versäumt, argumentiert Wixen.

Der Streaming-Anbieter habe zwar mit den Plattenfirmen verhandelt, aber die Regelung der Autorenrechte an eine andere Firma ausgelagert, die Harry Fox Agency. Spotify sei bewusst gewesen, dass die Agentur nicht die Ressourcen dafür gehabt habe, die nötigen Lizenzen zu bekommen, behauptet Wixen.

Die Klage schließt an ein ähnliches Verfahren an, in dem Spotify in einem Vergleich die Zahlung von 43 Millionen Dollar an Autoren zugesagt hatte. Diese Einigung ist bisher nur vorläufig von dem zuständigen US-Richter abgesegnet worden, die endgültige Bestätigung steht noch aus. Wixen scherte auch dort aus und legte Widerspruch gegen den Deal ein, weil er unzureichend sei. Spotify stellte in dem Verfahren im Gegenzug in Frage, ob Wixen überhaupt berechtigt ist, im Namen der Autoren zu klagen.

Der Zeitpunkt der Milliardenklage von Wixen Ende vergangener Woche ist nicht zufällig: Erwartete Gesetzesänderungen in den USA mit dem geplanten Music Modernization Act ließen ab dem 1. Januar 2018 keine Ansprüche mehr zu. Auch Apple wurde mit einem ähnlichen Vorwurf bei seinem Streamingdienst von einem Musiker verklagt.

Für Spotify kommt die Klage zur Unzeit: Der Streamingdienst plant laut Medienberichten einen Börsengang, die hohe Forderung ist ein unangenehmer Risikofaktor. Der aus Schweden stammende Dienst ist die Nummer eins im Streaming-Geschäft mit über 140 Millionen Nutzern, von denen mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden sind. Das Streaming, bei dem die Songs aus dem Netz abgespielt werden, entwickelt sich zur zentralen Einnahmequelle der Musikindustrie und lässt das Geschäft nach einer langen Durststrecke wieder wachsen.