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04. Dezember 2009 08:43 Uhr

Mitmachaktion in Freiburg

Von Scotland Yard zu Mister X: Brettspiel wird online-mobil

Deutsche Telekom und die Universität Bonn entwickeln aus dem Brettspiel "Scotland Yard" ein mobiles Online-Vergnügen. Am 18. Dezember wird Mister X von BZ-Lesern in Freiburg gejagt – Sie können am Bildschirm live dabei sein.

  1. Vom Spielbrett auf die Straßen der Stadt: „Mister X“ kommt jetzt als GPS-Spiel auf den Markt. Foto: Anselm Busshoff

  2. Mister X auf der Flucht: Sind die Detektive schon in Sicht? Foto: Telekom

Mister X ist ein sprunghafter Zeitgenosse. Seit einem Vierteljahrhundert jagen ihn Generationen von Spielern an langen Winterabenden in "Scotland Yard", dem Spiel des Jahres 1983, durch London. Ganz im Sinne des europäischen Gedankens flieht er seit diesem Jahr auf dem Spielbrett durch ganz Europa. Dem technischen Fortschritt ist der neueste Coup von Mister X geschuldet. Spielen im warmen Wohnzimmer war gestern – jetzt zieht es ihn und die Mitspieler, bewaffnet mit GPS-Smartphones, auf die Straßen realer Städte. Und das macht erstaunlich viel Spaß.

Wenn die Deutsche Telekom Journalisten nach Stuttgart zur "Jagd nach Mr. X" – eine Art Hightech-Räuber-und-Gendarm-Spiel – einlädt, klingt das zunächst einmal etwas albern. Und so verschwinden die grellbunten Baseballcaps, mit denen sich die Teilnehmer als Spielfigur erkennbar machen sollen, ganz schnell in den Jackentaschen – Spielfigur ja, Witzfigur nein.

Doch die anfängliche Skepsis, das begeisterungsfähige Höchstalter für die Agentenhatz überschritten zu haben, weicht schnell einer Mischung aus Jagdfieber und Atemlosigkeit. Eben ist die Zielperson knapp entkommen, das Lauftempo wird immer schneller. Im Zickzack geht die wilde Jagd um andere Fußgänger herum. Die Eile fällt auf, Passanten drehen sich irritiert um. Einige treten einen Schritt zur Seite und machen Platz. Der eine oder andere vermutet wohl einen Polizeieinsatz oder Ähnliches.

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Gespielt wird eine mobile Vorserien-Variante von "Scotland Yard". In der Ursprungsfassung ist es das Ziel der Spieler, als Detektive den flüchtigen Mr. X innerhalb von 24 Spielzügen dingfest zu machen. Mr. X zeigt sich allerdings immer nur nach mehreren verdeckten Zügen – die Detektive müssen ihn mit einer gemeinsam entwickelten Strategie den Weg abschneiden.

VIRTUELLE TRIFFT REALE WELT

Das Brettspiel von Ravensburger gibt es leicht verändert unter dem Titel "Mr. X – Jagd durch Europa" weiterhin, aber Studenten der Universität Bonn wollten einen Schritt weiter gehen. Zusammen mit den Telekom Laboratories, einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Deutschen Telekom, entwickelten sie eine mobile Version des Spiels fürs iPhone und die Android-Plattform. Das Besondere: die virtuelle und reale Welt werden miteinander verbunden, das Smartphone bildet die Schnittstelle.

Ausgangslage und Zielsetzung des Spiels sind denkbar einfach. Bis zu fünf Detektive müssen in einer bestimmten Zeit Mr. X fassen. Dessen Ziel wiederum ist es, innerhalb eines vorher festgelegten Spielradius die Spielzeit über unentdeckt unterzutauchen. Im Gegensatz zum Brettspiel sind Taxi, Bus und U-Bahn in der Regel tabu und Spielzüge im eigentlichen Sinn gibt es auch nicht. Das Vorwärtskommen der Spielfigur ist lediglich von der eigenen Kondition und den Tücken des öffentlichen Verkehrsraumes abhängig. Auch wenn Taktik im Vordergrund steht, ist körperliche Fitness von Vorteil.

"Jagd nach Mister X" nutzt die zahlreichen technischen Möglichkeiten moderner Smartphones perfekt aus. Per GPS wird die Position der Spieler alle paar Sekunden ermittelt und an einen zentralen Server gemeldet. So können die Detektive und Mr. X immer die aktuelle Position der Mitspieler sehen. Mr. X dagegen muss seinen Standort nur jeweils nach einem vor Spielbeginn definierten Zeitraum offenbaren. Ein schwindender Balken zeigt an, wann das so weit ist.

ÜBERRASCHENDE WENDUNGEN INKLUSIVE

Für überraschende Wendungen im Spiel sorgen die sogenannten "nasty gadgets" – über die Spielfläche verteilte Ereigniskarten – die durch Erreichen der jeweiligen Position eingesammelt werden. So können die Detektive die Kartenanzeige von Mr. X auf den Kopf stellen – Neigungssensoren im Smartphone verhindern, dass dieser durch Drehen des Telefons dennoch die Normalansicht erhält. Mr. X kann sich einem drohenden Zugriff mittels einer "Nebelbombe" entziehen. Für die Detektive bleibt dann die Karte eine Weile unbenutzbar.

Besonders hinterhältig ist der "Screamer": Wird er benutzt lassen alle am Spiel beteiligten Handys einen lauten Schrei los. Ist Mr. X in der Nähe, lässt er sich so auch akustisch orten. Eine weitere Spielhilfe ist die Telefonfunktion – naheliegend bei einem Handy. Vorsicht ist allerdings bei Taktik-Konferenzen der Detektive gefragt, denn Mr. X kann das Gespräch mit einer Wanze abhören. Damit niemand verlorengeht, führt eine Navigationsfunktion nach Spielende alle Teilnehmer wieder an den Startpunkt zurück.

Die Jagd nach Mr. X soll nur der erste Schritt sein, Handyspiele umgebungsabhängig zu gestalten. Die Telekom Laboratories wollen ihre Erfahrungen aus dem Projekt interessierten Programmierern in einem offenen Spiele-Entwicklungsbaukasten bereitstellen.

BZ-LESER JAGEN MR. X DURCH FREIBURG

Am Freitag, 18. Dezember, 15 Uhr, veranstalten Badische Zeitung und Deutsche Telekom gemeinsam eine Jagd nach Mr. X durch die Freiburger Innenstadt. Zu gewinnen gibt es die neuen Brettspiele "Mister X – Flucht durch Europa" von Ravensburger und ein Android-Smartphone "Pulse" von T-Mobile. Die Plätze für die Spielteilnahme sind begrenzt, die Mitspieler werden ausgelost. Der Einsendeschluss für die Bewerbung ist bereits abgelaufen, die Namen der Teilnehmer werden am Freitag, 11. Dezember, veröffentlicht. Für alle, die kein Glück hatten, wird das Spiel im Internet auf einer Stadtkarte live zu verfolgen sein.

Autor: Matthias Weniger