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14. Juli 2012

Opfer sexueller Gewalt im Internet

NETZWELT: Anonym Zeugnis ablegen

Es ist kein Geheimnis, dass die Dunkelziffer bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sehr hoch ist. Verschiedene Initiativen versuchen, das zu ändern. Ein Problem ist ihnen gemeinsam: Wie verleiht man Menschen eine Stimme, die über die Gewalt, die man ihnen angetan hat, nicht reden, die die Täter nicht anzeigen wollen? Wer schweigt, kann sich nur schwer Gehör verschaffen. Schweigende Opfer verschwinden hinter einer abstrakten Dunkelziffer. Wenn sie reden, machen sie es der Gesellschaft schwerer, nichts zu tun. Gleichzeitig ist es verständlich, dass Opfer sexueller Gewalt anonym bleiben möchten.

Daniela Oerter, Sabina Lorenz und Inge Kleine, die sich bei einem Vortrag gegen sexuelle Gewalt kennen gelernt haben, beschlossen, das Internet zu nutzen, um "denjenigen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, einen Raum zu geben, auch anonym zu erklären, warum sie geschwiegen und keine Anzeige bei der Polizei erstattet haben". Nach dem Vorbild der Twitterkampagnen "ididnotreport" in England und "jenaipasportéplainte" in Frankreich starteten sie im Mai auf Twitter und Facebook mit "ichhabnichtangezeigt" die entsprechende Kampagne für Deutschland.

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Bis zum Ende der Kampagne haben 1121 Menschen anonym ihr Schweigen gebrochen und Tweets wie diesen: "ichhabnichtangezeigt, weil es mit 12 nicht meine Aufgabe gewesen wäre, sondern die meiner Mutter, die es erfuhr. Ich war 8–12 und im Nachhinein war die Ignoranz der Mutter wie ein zweiter Missbrauch. Nun ist es zu spät, verjährt!..." oder diesen: "ichhabnichtangezeigt, weil... ich mich schämte, ein Opfer sexueller Gewalt zu sein. Nach dem es passierte, ging ich mit ihm für 4 Wochen eine Beziehung ein" oder diesen: "ichhabnichtangezeigt, Weil er mein Opa war. Als ich alt genug war zu verstehen, was er meiner Mutter und damit unserem ganzen Familienzweig angetan hatte, war die Tat längst verjährt. Jetzt ist er tot. Hoffentlich gibt es einen rachsüchtigen Gott" zu Protokoll gegeben.

Besonders schockiert hat Organisatorin Oerter laut einem Interview, dass "so viele Frauen nicht wissen, dass sie ein Recht auf eine eigene, selbstbestimmte Sexualität haben". Einen offenen Brief an die zuständigen Ministerien haben bisher 1544 Personen unterschrieben.

Autor: Jürgen Reuß


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