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23. November 2010

Netzwelt

Wikipedia Academy: Die Mühen der Basisdemokratie

Warum Wikipedia ein Projekt ist, an dem ständig gefeilt werden sollte, hat eine Konferenz zu der Online-Enzyklopedie in Frankfurt gezeigt.

Am Wochenende veranstaltete Wikimedia Deutschland, die vor allem als Betreiber der deutschen Wikipedia be-kannt ist, in Frankfurt die vierte Wiki-pedia Academy. Ziel war, die vielen freiwilligen Mitschreiber an der Online-Enzyklopädie besser mit dem Wissenschaftsbetrieb zu verzahnen, um die Qualität der einzelnen Lexikonartikel weiter zu erhöhen. Ein Punkt, der regelmäßig zu zum Teil ausufernden Diskussionen über die Qualität von Wikipedia führt. Um ein Beispiel für besonders gelungene Enzyklopädieeinträge zu vorzuführen, wurde auch diesmal die Zedler-Medaille verliehen, benannt nach Johann Heinrich Zedler, dessen zwischen 1732 und 1754 erschienenes Universal-Lexicon als die größte bis dahin gedruckte Enzyklopädie des Abendlandes gilt.

Als mustergültig ausgezeichnet wur-den die Einträge zu Dagobert Duck und zu den Besselschen Elementen. Warum Wikipedia ein Projekt ist, an dem ständig gefeilt werden sollte, zeigt gerade der Anfang der Erklärung von letzterem: "Die Besselschen Elemente sind tabellarisch dargestellte Größen, die bei gegenseitiger Bedeckung von zwei Himmelskörpern der Berechnung und Voraussage lokaler Gegebenheiten an einem Beobachtungsort auf der Erde dienen." Das ist gut, aber auch der optimale Einstieg für einen uninformierten Laien?

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Eigentlich lieben die unzähligen Wi-kipedia-Betreiber und Mitschreiber sol-che Fragen, reizen sie doch zur Mitar-beit. Wer tatsächlich Artikel verbessern oder schreiben möchte, sollte eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen. Denn über jeden Eintrag wird öffentlich diskutiert, und jeder, der sich berufen fühlt, formuliert mit. Für Streitfälle gibt es sogenannte Admins, die eine Berechtigung zum Löschen haben. Meistens wird diese Konstruktion nicht relevant sein, aber es gibt doch Fälle, in denen so zähe Fehden um Sachverhalte und Formulierungen geführt werden, dass Autoren die freie Enzyklopädie mit virtuellem Türenschlagen verlassen haben. Das rührt an die Kernfrage der stärkeren Einbindung von Wissenschaftlern. Wird ein Professor sich auf eine basisdemokratische Bewertung seines Spezialwissens einlassen? Allgemeiner gefragt: Sind Spezialisten bereit, die Mühsal der Vermittlung auf sich zu nehmen? Wikipedia lebt von solcher Geduld.

Autor: Jürgen Reuß