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03. August 2012 08:31 Uhr

Kabarettist

Ottfried Fischer beendet wegen Parkinson seine Live-Show

Der Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer hat Parkinson - und nun Konsequenzen gezogen: Er gibt seine TV-Show auf, macht aber weiter Filme.

  1. Ottfried Fischer Foto: dapd

"Kollege Parkinson" hat wohl doch einen Sieg davon getragen. Der Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer, der seine Krankheit selber so nennt, verkündete dieser Tage, dass er im Herbst aus der Fernsehsendung "Ottis Schlachthof" aussteigt. Nach 17 Jahren und 170 Folgen. Die Entscheidung war der richtige Schritt – und ist bereits überfällig. Denn wer den kraftstrotzenden, scharfen, Pointen auf Bayerisch ratternden, trotz seiner Leibesfülle agilen und schlagfertigen Kabarettisten aus den Jahren vor seiner Erkrankung kennt, der konnte zuletzt den Anblick dieses verlangsamten Mannes mit der immer starrer werdenden Mimik schwer ertragen.

Das hat sicher nicht ausschließlich damit zu tun, dass der Fernsehzuschauer, der unterhalten werden will, den Anblick eines kranken Mannes unerträglich findet. Man fragte sich vielmehr: Warum tut Fischer, 58 Jahre alt, sich das an? Auch die Liveauftritte des Kabarettisten – zuletzt 2011 in der Region – waren mitgeprägt von seinem schlechten Gesundheitszustand: Fischer verhaspelte sich zweimal auf der Bühne, kam aus dem Text, fand nur schwer wieder den Anknüpfungspunkt. Nach dem angekündigten Ausstieg aus dem Bayerischen Fernsehen ließ Fischer verbreiten, er werde weiterhin als Schauspieler arbeiten: "Beim Film und auf der Bühne kann man dieser Krankheit trickhafter begegnen. . . " Will heißen: Vor einer gnädigen Kamera, die sich nur die gelungene Aufnahme merkt oder mit einem Manuskript in der Hand, an dem man sich festhalten kann, bleibt Fischer dem Publikum erhalten. Vorerst.

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Der tapfere, oft auch mit sympathisch- selbstironischem Unterton gefochtene Kampf gegen die neurologische Krankheit und gegen das damit einhergehende zwangsläufige Verschwinden aus der Öffentlichkeit ist nur allzu verständlich. Ottfried Fischer hat bittere Erfahrung sammeln müssen mit Verlusten in den vergangenen Jahren. Seine Ehe zerbrach, es gab Affären, bei denen nicht zuletzt die Boulevardpresse dafür sorgte, dass eine große Öffentlichkeit sie detailliert mitbekam. Fischer hatte die Bild-Reporter oft genug selber eingeladen, über ihn zu berichten. In einem einfühlsamen Porträt im Magazin der Süddeutschen Zeitung im Frühjahr gibt er zu, dass das ein großer Fehler war. "Die Boulevard-Leute machen sich gar keinen Begriff, was sie einer Familie antun", sagte Fischer dort weiter.

Die seelischen Verletzungen, die das körperliche Schwergewicht hinnehmen musste, waren gravierend. Öffentlich gedemütigend zu werden, ist für jemanden, der bis dahin von seinem Publikum so geliebt, von Kolleginnen und Kollegen so geschätzt und von Kritikern so gelobt wurde, vielleicht doppelt hart.

Obwohl ihn sein Vater zunächst zu einem Jurastudium drängte, brach er dies ab um Kabarettist zu werden. Mit seinen Soloprogrammen wurde Fischer, der im Bayerischen Wald aufwuchs, rasch über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. In "Ottis Schlachthof" verdiente er sich vor allem auch deshalb Anerkennung, weil er Nachwuchs-Kabarettisten eine Chance gibt, sich zu präsentieren. Darunter waren Talente wie Josef Hader.

Die 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren Fischers erfolgreichste Zeit als Schauspieler. Im Fernsehen konnte man ihn an Wolfgang Fiereks Seite in "Ein Bayer auf Rügen" sehen, 1995 schließlich startete die Erfolgsserie "Der Bulle von Tölz", wo Fischer mit seiner wunderbaren Schauspiel-Kollegin Ruth Drexel ein erfrischend ungleiches Sohn-Mutter-Gespann abgab. Seit fast zehn Jahren verkörpert der Bayer den katholischen Geistlichen Pfarrer Braun, der hartnäckig wie schlitzohrig jeden Mordfall aufklärt.

Journalisten von Fischers Haussender, dem Bayerischen Rundfunk, diktierte der Kabarettist zum Abschied von "Ottis Schlachthof" ins Mikrofon, er würde jetzt einfach etwas entschleunigen. Das sei in der heutigen Zeit nie verkehrt. Seinen Humor scheint Fischer also trotz aller Nackenschläge nicht verloren zu haben. 2008 hatte er das ebenso bewiesen: Kurz nachdem er die Öffentlichkeit von seiner Parkinson-Erkrankung in Kenntnis gesetzt hatte, begann er einen Auftritt mit dem Satz: "Keine Angst, ich mache keine Schüttelreime!"

Autor: Heidi Ossenberg