SPIELERFAHRUNGEN

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Do, 23. August 2018

Deutschland

Mit Computerspielen werden heute Milliarden Euro umgesetzt, es gibt Profispieler und Hunderttausende Fans strömen zu Messen wie der Gamescom. Spaß gemacht hat das Zocken aber immer schon. BZ-Redakteure und -Mitarbeiter erzählen über ihre Lieblingsspiele.

Pac-man stand am Anfang

Es schneite und es war kalt. Trotzdem machte ich mich mit meinem Freund auf den zwei Kilometer langen Weg. Das Angebot war verlockend. Unser Bekannter hatte gerade – Anfang der 80er-Jahre – eine Atari-Spielekonsole bekommen. Wir spielten einen ganzen Nachmittag Pac-Man. Es war meine erste Begegnung mit einem Computerspiel. Ich habe danach immer wieder gespielt. Es war herausfordernd und eine unterhaltsame Ablenkung. Zum Stubenhocker bin ich nicht geworden. Das Fußballtraining hatte stets Priorität. Die Spiele gaben mir aber einen Zugang zum Computer – was mir vieles heute erleichtert.

Kontrolliertes Gruseln

Das Beste war das Kribbeln im Bauch, wenn die schwere Holztür sich langsam öffnete: Die Tür zu Maniac Mansion, dem Horrorhaus, das sich selbst vom weichen Klappsofa der besten Freundin aus bedrohlich nah anfühlte. Zumindest für zwei elfjährige beste Freundinnen im Jahr 1998. Die Szene spielte sich irgendwann ein: Eine von uns betritt todesmutig die Gruselküche der Villa, um kurz später ins Gefängnis des verrückten Doktors Fred gesperrt zu werden. Die andere sitzt quietschend vor Freude über das kontrollierte Gruseln daneben. Irgendwann haben wir es mal in den ersten Stock geschafft, vorbei an Freds unheimlichen Gehilfen. Dann ging das Licht im Flur an – allerdings in der Wohnung meiner Freundin. Zack, zogen wir die Diskette aus dem Kasten und stellten uns wieder schlafend. Genau wie Fred im ersten Stock. Aber das sollten wir erst beim nächsten heimlichen Spiel erfahren.

Im Krieg gegen die Pixel

Comanche – ein Wort, das Gamerherzen Anfang der 90er-Jahre höher schlagen ließ. Es war ein Flugsimulator, der für die damalige Zeit eine spektakuläre Grafik bot. Man flog einen Kampfhubschrauber durch enge Canyons, entlang von Bergkuppen – auf der Suche nach gegnerischen Panzern und Helikoptern, die man mit Raketen oder dem Maschinengewehr ausschalten musste. Einmal hatte ich einen russischen T-80 im Visier, die lasergelenkte Hellfire-Rakete wartete auf meinen Feuerbefehl – als meine Mutter ins Zimmer kam, sah, was ich da machte und sagte: "Du weißt schon, dass in dem Panzer auch Menschen sitzen?" "Nein", erwiderte ich. "Da sitzen Pixel drin." Ob sie verstand, was ich meinte, ist mir bis heute nicht klar.

Ein COdewort fürs Geld

Als ich 2006 das allererste Mal vor unserem Computer saß, musste mir meine Mama helfen, die CD-Rom in die richtige Öffnung des PCs zu schieben. "Sims" war das Spiel, das es mir als Achtjährige angetan hatte. Der Sinn des Spiels besteht darin, Häuser zu bauen, Freundschaften zu schließen und Geld zu verdienen. Die Spielfiguren heißen Sims. Ich brauchte beim Spielen familiäre Unterstützung: Ich habe mir von meinen älteren Schwestern nicht nur Haus und Menschen erstellen lassen, sondern vor allem das Geld. Um Geld zu erschaffen, musste man 50 Mal "Rosebut" eingeben, eine Art Codewort. Bei den Sims zahlte man passenderweise mit der Währung Simoleons. Das Computerspiel spielt natürlich nicht in Echtzeit, wir haben in unserer Familie trotzdem versucht, die Spielfiguren realistisch zu behandeln. Schließlich wurde sogar versucht, ein regelmäßiges Essen mit allen Sims- Familienmitgliedern zu organisieren und die Fans unter uns wissen: Das kann gar nicht funktionieren. Man kann sie schlichtweg einfach nicht zur gleichen Zeit etwas tun lassen.