Streitbarer Journalist

dpa/BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

Mi, 23. Januar 2019

Computer & Medien

Nikolaus Brender zum 70.

Nikolaus Brender hat gleich zweimal Mediengeschichte geschrieben. Einmal wies er Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Schranken, das andere Mal musste er als Chefredakteur gehen und löste eine Debatte aus, von der ARD und ZDF noch heute profitieren. Am Donnerstag wird der Journalist und frühere ZDF-Chefredakteur 70. Schröder, auf Krawall gebürstet, erklärte ihm in der Elefantenrunde nach der Bundestagswahl im September 2005 vor laufender Kamera, er bleibe Bundeskanzler – "auch wenn Sie dagegen arbeiten". Brender entgegnete: "Sie haben von Medienmacht und Medienkampagne gesprochen. Ich weise Sie darauf hin, dass der ARD und dem ZDF dies nicht vorzuwerfen ist." Im Streit um den Einfluss der Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geriet Brender zwischen die Fronten. Der damalige hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch hatte angekündigt, dass Brenders Vertrag als ZDF-Chefredakteur nach 2010 nicht verlängert werden solle. Der ZDF-Intendant sprach sich für Brender aus. Aber die nötige Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat, dessen stellvertretender Vorsitzender Koch war, erhielt Brender nicht und musste abtreten. Bei öffentlich-rechtlichen Sendern hat der gebürtige Freiburger Brender den Großteil seines beruflichen Lebens verbracht: Volontariat beim damaligen Südwestfunk, Redakteur bei der ARD, Auslandskorrespondent und schließlich von 2000 bis 2010 ZDF-Chefredakteur. Heute lebt der mehrfach ausgezeichnete Journalist in Berlin.