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17. Juni 2017

Sommerpause

Tatort: Sibel Kekillis letzter Einsatz als Ermittlerin

Die Kieler Kommissarin Sarah Brandt war bei vielen Zuschauern beliebt. Ihr letzter Fall ist aber keine wirkliche Abschiedsfolge, sondern im Mittelpunkt steht der Außenseiter und Choleriker Roman Eggers.

  1. Szene aus dem Kieler „Tatort“: Was plant Roman Eggers (Misel Maticevic)? Foto: C. Schroeder (NDR)

Es ist ein doppelter Abschied: Erstens geht der "Tatort" in die Sommerpause – der Krimi "Borowski und das Fest des Nordens" am 18. Juni ist die letzte neue Folge vor der Saure-Gurken-Zeit – danach heißt es durchhalten, denn die neue "Tatort"-Saison beginnt nicht vor Mitte August. Zweitens ist es der letzte Einsatz für Sibel Kekilli als Kieler Kommissarin Sarah Brandt, die Kollegin von Klaus Borowski (Axel Milberg) war, bei vielen Zuschauern beliebt.

Kekilli verkörperte Sarah Brandt seit 2011 und nimmt jetzt ihren Hut, weil sie wieder mehr Freiraum für andere Rollen haben will. Ihr letzter Fall ist jedoch keine spezielle Abschiedsfolge, an deren Ende die Ermittlerin dramatisch, komisch oder tragisch aus dem Dienst scheidet. Im Mittelpunkt steht vielmehr der von Misel Maticevic furios gespielte Außenseiter Roman Eggers, ein Choleriker, der aus Wut seine Freundin erschlägt. Der Zuschauer kennt den Täter und den Tathergang von Anfang an und begleitet den unausweichlichen Abstieg der Hauptfigur bis zum tragischen Ende.

Damit endet eine "Tatort"-Saison voller Abgänge und angekündigter Abschiede – zwischendurch musste man sich schon fast Sorgen um den ARD-Klassiker machen. Für den meisten Wirbel sorgte allerdings Harald Schmidts unerwartete und kurzfristige Ansage, dass er nun doch nicht beim neuen Schwarzwälder "Tatort" mitmacht. Andreas Hoppe kündigte an, dass er nicht länger den Ludwigshafener Ermittler Mario Kopper spielen will, Sabine Postel und Oliver Mommsen werfen in Bremen das Handtuch. Bereits im Dezember 2016 löste das Ermittlerteam aus Konstanz mit Eva Mattes und Sebastian Bezzel seinen letzten Fall, und im April hatte Stefan Konarske als Kommissar Kossik seinen letzten Einsatz in Dortmund.

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Es war aber auch eine Saison voller Höhepunkte und mit einem neuen Quoten-Rekord: Das Duo Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) aus Münster lockte im April 14,56 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm, so viele wie kein Tatort seit 1992. Im November lief die 1000. Folge der Reihe – der doppelte Einsatz für Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), die gemeinsam entführt wurden, erntete viel Aufmerksamkeit.

Das gilt erst recht für den Krimi "Es lebe der Tod" mit Ulrich Tukur als Felix Murot, der am Ende in der Badewanne mit aufgeschnittenen Pulsadern zu sterben schien – nur die allerletzte Einstellung deutete zart an, dass er überlebt haben könnte. Dies und die Tatsache, dass mittlerweile ein neuer Murot-Fall gedreht wird, der den Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" zitiert. Ein Schlag ins Wasser war der Improvisationskrimi "Babbeldasch" aus Ludwigshafen. Der Krimi mit Laiendarstellern und viel Dialekt erntete viel Kritik, manche Zuschauer werteten ihn als einen der schlechtesten Fälle in der Geschichte der Reihe.

Im Herbst wird es dann die letzte Ludwigshafen-Folge mit Kopper geben – und das lang erwartete Debüt des Schwarzwald-"Tatorts". Für die zweite Hälfte 2017 steht unter anderem der Ökothriller "Böser Boden" mit Wotan Wilke Möhring auf dem Programm, "Der wüste Gobi" aus Weimar und die "Tatort"-Folge mit dem Titel "Stau": Der Krimi über eine Mörderjagd in der Blechlawine kommt aus der Autostadt Stuttgart.

Eines steht fest: Langweilig wird es mit dem "Tatort" nie. Wie schreibt Filmemacher Dominik Graf so schön in einem aktuellen Beitrag: "Am ‚Tatort‘ wird pausenlos herumgebastelt, die Reihe ist in ihrer Häufigkeit und ihrer Schauplatz-Inflation längst aus den Fugen geraten wie ein Mammut-Zirkus." Im Gegenzug gelängen dem "Tatort" Filme, wie man sie sonst weder im Fernsehen noch im deutschen Kino zu sehen bekomme, schwärmt der Starregisseur.

Tatort: "Borowski und das Fest des Nordens", ARD, Sonntag, 18. Juni, 20.15 Uhr.

Autor: Cornelia Wystrichowski