"Tatort: Die robuste Roswitha"

TV-RÜCKSCHAU: Eine Art Buffo-Oper

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Di, 28. August 2018

Computer & Medien

Wenn der sonntägliche ARD-"Tatort" im weitesten Sinn so etwas ist wie das Theater der Nation, das Drama, in dem die Befindlichkeiten des Landes bespiegelt werden, dann war der aktuelle Beitrag des Weimarer Teams "Die robuste Roswitha" die Commedia dell’arte. Eine Art Buffo-Oper, mit zwei Hauptdarstellern, die sich anderthalb Stunden mit Sprachspielen, Esprit und intelligentem Witz durch eine Handlung kalauern, die dadurch naturgemäß in den Hintergrund gedrängt wird.

So war das ja auch bei der Typenkomödie im 18. und 19. Jahrhundert, in der es vor allem darum ging, wer wen mit wem betrügt. Oder wer wen ordentlich linkt. Im Krimi wird natürlich ein Kriminalfall verlangt, aber dessen Ermittler sind eher moderne Varianten des Arlecchino und der Colombina. Christian Ulmen und Nora Tschirner als Kommissarpaar müssen die Kunst der Pointe besser beherrschen als die des Schießens und Ermittelns. Dass sie (im Film) verheiratet sind, fällt gar nicht auf, denn ebensowenig wie sie ein professionelles Ermittlerleben praktizieren, verhält es sich wohl mit der Ehe. Beim Zuschauer wird ein hoher Grad an Aufmerksamkeit verlangt. Hinter jedem Nebensatz könnte sich eine sprachliche Pirouette verbergen. Allgemeinbildung ist auch nicht schlecht. Wenn man weiß, wann bei Issus die berühmte antike Keilerei war, muss man nicht erst auf die später nachgelieferte Erklärung warten. Bei all dem Amüsement, fast ein bisschen wie in der Comedy, verliert man allerdings den inhaltlichen Überblick. Worum ging’s noch mal? Ach ja, um Thüringer Klöße, um einen ermordeten Kloßfabrikanten, um dessen Frau, die nach sieben Jahren wieder auftaucht und plötzlich von ihrer Amnesie geheilt scheint. Um einen Countdown, bei dem ein schurkisches Paar sich gegenseitig zu vergiften versucht – mit jeweils unfreiwilligem Erfolg. Und um ein bisschen Ökobetrug.

Der Glaubwürdigkeitsfaktor von all dem tendiert gegen Null. Aber auch das gehört ja zum Wesen der Buffo-Oper. Schade, dass die beiden Protagonisten in dieser ihre Tendenz zum Nuscheln noch immer nicht ganz abgelegt haben. Wieder ein paar Pointen weniger mitbekommen...