3sat

TV-Serie "Kulturlandschaften": Kaminer startet in Südbaden

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Sa, 22. August 2015

Computer & Medien

Von Kuckucksuhr-Kitsch bis zu Black-Metal-Band: Als reisender Kultursucher ist Wladimir Kaminer in der kommenden Woche für 3sat unterwegs in Deutschland - erster Stopp in Südbaden.

Privat ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller, so charakterisiert sich Wladimir Kaminer auf seiner Homepage. Nun kommt etwas dazu, angesiedelt zwischen privat und beruflich. Als reisender Kultursucher ist Kaminer in der kommenden Woche für 3sat unterwegs in Deutschland – erster Stopp in Südbaden. So zeigt der 48-Jährige an fünf aufeinanderfolgenden Abenden nicht nur dem Zuschauer, wen und was er gefunden hat – er spricht auch seine Ehefrau Olga an, die mutmaßlich zu Hause in Berlin auf ihn wartet.

Die Reihe steht unter einem Motto, das seine Originalität längst verloren hat, obschon 3sat dahinter einen "neuen Trend" wittert: "Auf in die Provinz!" Die Programmverantwortlichen haben Wladimir Kaminer in den Schwarzwald, nach Wuppertal, das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und in die Eifel geschickt, um in jeweils 30 knappen Sendeminuten Theaterleute, Bildende Künstler, Musiker und Schriftsteller zu treffen und ihnen bei der Arbeit zuzusehen.

Die erste Folge am Montag zeigt den gut gelaunten, neugierigen Schriftsteller ("Russendisko") in Offenburg bei dem Pop-Art-Künstler Stefan Strumbel, bei einem Abstecher nach Triberg (vor der umstrittenen Werbeaktion!) in einem Kuckucksuhren verkaufenden Touristenladen, in Freiburg beim freien Theater der Immoralisten, in Müllheim beim Medienkünstler Florian Mehnert und in Donaueschingen bei der Black-Metal-Band Imperium Dekadenz.

Der freundlich zugewandte Besucher hat gleichwohl einige Vorurteile im Gepäck. Beim Thema Schwarzwald fällt ihm zunächst nur ein, dass "Wandern nicht so sein Ding" sei – und ob es in Strumbels Werkstatt womöglich "nur Heimatkunst" gebe. Das Format aber ist nicht auf Konfrontation aus. Vielmehr dürfen sich alle Heimgesuchten wohl fühlen. In Freiburg regnet es zwar bei Kaminers Ankunft wie aus Eimern, die Immoralisten Florian Wetter und Manuel Kreitmeier jedoch nehmen den Gast unter ihren Regenschirm und mit in ihr kleines, feines Theater im Stühlinger. Dort ist Kaminer Gast einer Aufführung von Lorcas "Bernarda Albas Haus" und attestiert dem jungen Team, das die Frauenrollen in dem Stück fast ausschließlich mit Männern besetzt hat, "leidenschaftliches Spiel".

Auf dem Weg ins Markgräflerland macht Kaminers Wagen schlapp – doch davon lässt er sich nicht abhalten, mit Florian Mehnert dessen umstrittene Ratten-Installation zu besprechen. Auch besucht Kaminer die Performance "Waldprotokolle" des Aktionskünstlers und mischt kräftig mit bei Mehnerts neuer Arbeit, einen Meiler zu bauen. Die letzte Station ist Donaueschingen. Die Metal-Musiker begegnen dem Gast aus Berlin wortkarg und zugeknöpft – was Kaminer mit Charme und Freundlichkeit zu ignorieren weiß. Nach einer musikalischen Kostprobe im Studio hocken die Männer schließlich einträchtig vor einem Hüttchen mitten im Wald; sie trinken Bier, grillen Würstchen und philosophieren über Black Metal in Black Forest.

Allen seinen Gesprächspartnern attestiert Kaminer Offenheit und ein Bewusstsein für den Wert der regionalen Verankerung ihres künstlerischen Tuns. Wladimir Kaminer ist nicht der Erste, den die Provinz, oder das, was er dafür gehalten hat, positiv überrascht.

Kulturlandschaften. Wladimir Kaminer in der deutschen Provinz. Fünfteilige

Reportagereihe in 3sat von 24. bis 28. August, jeweils 19.30 Uhr bis 20 Uhr.