Die Deutsche Börse ordnet die Dax-Familie neu

dpa

Von dpa

Sa, 01. September 2018

Wirtschaft

Die Zusammensetzung der Aktienindizes wird zum 24. September geändert – mit Folgen für die Anleger.

Am 24. September will die Deutsche Börse die Zusammensetzung der Aktienindizes ändern. Technologiewerte wie Telekom und SAP können dann auch in den Tec-Dax einziehen. M-Dax und S-Dax werden breiter aufgestellt.

Was genau ändert sich?
Bisher galt der Grundsatz, dass ein Unternehmen nur in einem Aktienindex gelistet sein darf. Wer in den Dax und seine kleineren Geschwister M-Dax und S-Dax aufgenommen werden wollte, musste sich für einen Index entscheiden. Die Trennung nach den Segmenten Tec und Classic wird nun aber aufgehoben, wie die Deutsche Börse erklärt. Technologieunternehmen können auch in den M-Dax oder S-Dax aufgenommen werden, oder aus dem Dax auch in den Tec-Dax. Der Index für mittlere Unternehmen (M-Dax) und der Index für kleinere Firmen (S-Dax) werden vergrößert. Im M-Dax steigt die Zahl der Werte von 50 auf 60 und im S-Dax von 50 auf 70. Im Tec-Dax bleiben weiterhin 30 Unternehmen gelistet.

Was steckt dahinter?
"Die Indizes sollen interessanter werden", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Mit der Vergrößerung von M-Dax und S-Dax sind diese nicht nur breiter aufgestellt, sondern Firmen haben auch schneller die Chance hineinzukommen. "Die Deutsche Börse nähert sich damit amerikanischen Gepflogenheiten an", erläutert Ralph Rickassel, Vermögensberater bei der PMP Vermögensmanagement. In den USA können Unternehmen jetzt schon gleichzeitig in mehreren Indizes gelistet sein. Nach der Umsetzung der neuen Regularien werden laut Rickassel "aller Voraussicht nach neben der Deutschen Telekom die Aktien der Dax-Unternehmen SAP und Infineon sowohl im Dax als auch im Tec-Dax gelistet sein."

Wie wird sich die
Änderung auswirken?

Welche Wertentwicklung die Indizes nach der Änderung nehmen werden, kann nicht vorhergesagt werden – in welche Richtung es gehen kann, aber schon. "Beim Tec-Dax zum Beispiel wird die Volatilität, also die Schwankungsbreite, vermutlich abnehmen, weil die großen Werte ein wenig mehr Stabilität in den Index bringen", sagt Kurz. S-Dax und M-Dax werden breiter aufgestellt und "dort werden sich künftig auch mehr Wachstumswerte finden". Die Chancen auf Kurssteigerungen nehmen damit zu – aber auch die Gefahr von Rückgängen.
Können Anleger sich jetzt
schon ein Bild davon machen?

Ja, die Deutsche Börse hat sogenannte Schattenindizes auf ihrer Internetseite veröffentlicht, die M-Dax, S-Dax und Tec-Dax nach den neuen Regeln abbilden. Ihre Zusammensetzung basiert laut Deutscher Börse auf Daten der Mai-Rangliste, gibt aber noch keine Auskunft über die künftigen Zusammensetzungen. Bei der Wertentwicklung könne man aber jetzt schon Unterschiede zu den derzeitigen Indizes sehen, erläutert Kurz. So stieg innerhalb eines Monats (von 10. Juli bis 10. August) zum Beispiel der Schatten-Tec-Dax um 3,59 Prozent, der bisherige, noch stärker auf Wachstumswerte ausgerichtete Tec-Dax um 4,18 Prozent. Kurz schränkt jedoch ein: Da der Beobachtungszeitraum sehr kurz ist, sei offen, ob sich diese Tendenzen in der Zukunft so fortsetzen.

Was heißt das für Anleger?
"Wer bevorzugt in aktive Fonds investiert, den wird die neue Regelung nicht berühren", erläutert Rickassel. Fondsmanager kaufen eher selten einen gesamten Index, sondern sie investieren in einzelne Titel, die sie für aussichtsreich halten. Anders ist das bei ETFs, den passiven Indexfonds. "Sie werden diese Änderungen nachvollziehen", so Kurz. "Das heißt: Die ETFs, die einen Index physisch abbilden, müssen die entsprechenden Werte nachkaufen." Das kann den Kurs der jeweiligen Unternehmen stützen. "Synthetische ETFs können die Änderungen auch über Tauschgeschäfte nachvollziehen." Wichtig für Anleger: Wer den M- oder S-Dax favorisiert, muss mit einer höheren Beimischung von Technologieaktien rechnen – und sollte hinterfragen, ob das noch zur gewählten Anlagestrategie passt.